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„Derzeit ist bestes Wetter für Igel“ : Die Wildtierstation bringt ihre Gäste durch den Winter

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Etwa 1400 Tiere wurden im vergangenen Jahr aufgepeppelt, großgezogen und zumeist auch wieder ausgewildert. Derzeit werden 30 Igel betreut.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Laub harken oder Äste wegräumen kommt für Christian Erdmann nicht in Frage. Der Leiter der Wildtierstation Hamburg in Klein Offenseth-Sparrieshoop appelliert viel mehr: „Räumt eure Gärten nicht auf. Es darf dort unordentlich sein.“ Laubhaufen, Gestrüpp und Äste bieten vielen Wildtieren wie Igeln einen sicheren und warmen Unterschlupf. Was aber noch wichtiger ist: Sie beheimaten Insekten als Nahrung für den Winter.

„Wir können überall Storchennester bauen, aber wenn die Frösche keine Insekten finden, weil diese keinen Platz in unseren Gärten haben, kommen auch keine Störche“, verdeutlicht Erdmann das Problem vieler Wildtiere. Während auf dem Land genug Nahrung vorhanden sei, sehe es in städtischen Gebieten anders aus. „Wenn ich mir heutige Gärten ansehe, wäre ich nicht gern Igel“, sagt Erdmann. 30 Fundtiere beheimatet die Wildtierstation derzeit.

„Ich will die gar nicht hier haben“, sagt Erdmann mit Blick auf die stacheligen Gäste. Das meine er gar nicht negativ. Es sei aus seiner Sicht gar nicht nötig, die Tiere aktuell zu versorgen. „Wenn ein Igel jetzt 200 Gramm wiegt, ist das gar kein Problem. Derzeit ist bestes Wetter für Igel. Bei den jetzigen Witterungsverhältnissen finden sie ausreichend Nahrung.“ Wer den Tieren aktuell etwas Gutes tun wolle, könne Igelfutter anbieten – gern kombiniert mit Trocken- oder Nassfutter für Katzen. „Man kann auch mal ein Ei rauslegen“, sagt Erdmann. Nur eines sei absolut Tabu: Milch. „Die Tiere kommen mit der Laktose nicht zurecht. Ich weiß nicht, wer diesen Irrsinn mal verbreitet hat.“ Die Tiere werden vom sechsköpfigen Team in Klein Offenseth-Sparrieshoop auf Flöhe und Fliegen untersucht und von diesen gereinigt. Die meisten werden dann direkt wieder ausgewildert.

Bereits jetzt könnten Futterstationen für Wildvögel eingerichtet werden. „Man sollte aber nicht so viel füttern, dass sie sich nur darauf verlassen“, sagt Erdmann. Das gelte für alle Futterplätze. „In England wird das ganze Jahr gefüttert. Das ist eine Glaubensfrage“, sagt Erdmann.

Die Plätze für Eichhörnchen sind derzeit noch leer

1400 Tiere wurden im vergangenem Jahr in der Wildtierstation betreut und versorgt. „Ich bin überrascht wie viele Tiere bei uns abgegeben werden“, sagt Erdmann und ergänzt: „Vor allem, wenn man überlegt, dass es uns erst seit drei Jahren gibt.“ Die Plätze für Eichhörnchen sind derzeit noch leer. Im letzten Winter wurden 110 Tiere aufgezogen – zumeist mit der Flasche. „Da war an Schlaf fast nicht mehr zu denken“, so Erdmann. Daher hoffen er und sein Team, dass die Zahl dieses Jahr geringer ausfallen wird. Dazu könnten Gartenbesitzer einiges beitragen.

„Bei uns landen oft die Opfer schneller Baumfällaktionen“, berichtet der Tierschützer. Daher sollten Gartenfreunde die Gehölze zunächst nach Brutstätten von Vögeln – die Blautauben brüten etwa derzeit – und Koben, in denen Eichhörnchen ihren Nachwuchs aufziehen, untersuchen. Doch schlimmer als die Motorsäge sei die Motorsense. „Man sieht nicht, was wirklich vor einem passiert und bei uns landen dann Igel, denen der halbe Kopf fehlt“, mahnt Erdmann zur Vorsicht.

Die Tiere, die in Klein Offenseth-Sparrieshoop überwintern oder aufgepeppelt werden, werden im Frühjahr wieder ausgewildert. Zumindest die meisten. Ein Storch, der in der vor einigen Tagen mit gebrochenem Flügel aufgenommen wurde, wird den Winter ebenso in der Station verbringen wie die Wildgänse und die fünf Waschbärmännchen, für die Erdmann derzeit nach einem Tierpark sucht, der die Kleinbären aufnimmt.

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