Das Sonntagsgespräch : „Die Weihnachtsbotschaft ist aktueller denn je“

Frank Schüler
Frank Schüler

Heute sprechen wir mit Frank Schüler, Pastor in Appen.

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21. Dezember 2014, 15:00 Uhr

Appen | Frank Schüler ist Pastor der evangelisch-lutherischen St. Johannes-Kirchengemeinde in Appen. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, wie sich das Weihnachtsfest verändert hat und spricht über persönliche Erinnerungen.

Hat sich das Weihnachtsfest aus Ihrer Sicht im Vergleich zu früher verändert?
Vieles ist gleich geblieben. Das Zusammensein mit der Familie und das leckere Essen gehören immer noch dazu. Da sich in unserer Gesellschaft aber alles verändert, gilt das natürlich auch für das Weihnachtsfest. Das merke ich vor allem, wenn ich Gespräche mit Senioren führe, die von der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den Wirtschaftswunderjahren berichten. Ich habe zudem den Eindruck, dass sich die Vorweihnachtszeit immer weiter nach vorne verlagert. Dass schon nach den Sommerferien die Supermärkte die Waren für das Fest anbieten, finde ich krass. Dass man in Hamburg inzwischen an jeder Ecke einen Weihnachtsmarkt findet, halte ich ebenfalls für übertrieben.

Was halten Sie von der immer stärker werdenden Kommerzialisierung des Fests?
Das hat sicherlich auch negative Seiten. Viele in unserer Gesellschaft können da einfach nicht mehr mithalten. Ihnen fehlt das Geld, um die Wünsche ihrer Kinder zu erfüllen. Die werden nämlich immer größer. Das hängt mit den Standards zusammen, die in unserer Gesellschaft gesetzt werden. So sind die elektronischen Geräte, die immer beliebter werden, enorm teuer. Das traditionelle Holzspielzeug ist dagegen kaum noch gefragt. Ich bin der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, die Kinder mit Geschenken zu überhäufen. Viel wichtiger ist, etwas zu finden, was ihnen auch gut tut.

Hat sich die Rolle der Kirche gewandelt?
Die Kirche versucht immer mehr, auf die aktuellen Probleme der Menschen einzugehen. Es ist aber wichtig, dass wir keine reinen Problem-Gottesdienste feiern. Wir müssen unsere gute Botschaft so rüberbringen, dass sie im Herzen der Zuhörer ankommt. Daran hat sich in den vergangenen Jahrhunderten nichts geändert.

Warum ist das Weihnachtsfest so wichtig?
Weil es um Frieden, ein Leben in Würde und die Liebe geht – genau diese Dinge fehlen häufig in unserer Welt. Deshalb ist die Weihnachtsbotschaft aktueller denn je. Wer sich mit der Weihnachtsgeschichte beschäftigt, sieht, dass mehr als ein idyllisches Krippenspiel dahinter steckt.

Was bedeutet Ihnen persönlich das Weihnachtsfest?
Auf der einen Seite durch die zahlreichen Gottesdienste viel Arbeit, die mir aber enorme Freude bereitet. Außerdem ist es mir wichtig, dass die Familie nicht zu kurz kommt. Ich finde es schön, wenn wir uns am Weihnachtsbaum Zeit nehmen, miteinander zu reden, gemeinsam zu essen und in Ruhe die Geschenke auszupacken.

Haben Sie eine besondere Weihnachtserinnerung?
Ich denke immer wieder an meine Oma, wie sie versucht hat, die Tannenbaumspitze zu richten und mit dem ganzen Baum umgefallen ist. Wir hatten Angst, dass sie sich verletzt hat. Als sie aufstand, fing sie aber sofort an, laut zu lachen. Da wussten wir, dass ihr nichts passiert ist und lachten mit. Das wünsche ich mir eigentlich für alle Menschen dieses Jahr zu Weihnachten, dass sich die Botschaft der Engel erfüllt: Statt Angst und Schrecken soll Freude herrschen, und es soll Frieden werden auf Erden.

Pastor Frank Schüler (45) ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seit 2003 ist er Pastor der evangelisch-lutherischen St. Johannes-Kirchengemeinde.
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