„Die Wahl ist Schnee von gestern“

Wohnraum, Kultur und Gewerbe – das sind Themen, die Erika Koll in der vor ihr liegenden Amtszeit beschäftigen werden. Das beinhaltet auch eine Nutzung der Alten Grundschule.
Wohnraum, Kultur und Gewerbe – das sind Themen, die Erika Koll in der vor ihr liegenden Amtszeit beschäftigen werden. Das beinhaltet auch eine Nutzung der Alten Grundschule.

Kummerfelder SPD muss mit Stimmeinbußen umgehen / Bürgermeisterin Erika Koll begrüßt Arbeit mit Grünen und Unabhängigen

shz.de von
30. August 2018, 18:12 Uhr

„Das ist ja schon Schnee von gestern“, sagt Erika Koll (SPD) zum Ergebnis der Kommunalwahl. Die SPD verlor ihre absolute Mehrheit und rutschte von 52,8 Prozent auf 30,67 Prozent ab. Auch die CDU verlor gut sechs Prozentpunkte. Die Grünen und Unabhängigen zogen bei ihrer Premiere mit 27,61 in den Gemeinderat ein und erhielt wie die SPD vier Sitze, die CDU hat fünf Sitze inne. „Ich wusste, dass es eine dritte Fraktion gibt und bin froh, dass ich noch einmal fünf Jahre Bürgermeisterin sein darf“, sagt Koll.

Denn nun sei es – auch unter neuen politischen Voraussetzungen – Aufgabe der Gemeinde, die Projekte weiterzuführen, die bereits angestoßen wurden. „Das Gewerbegebiet am Ossenpadd ist unglaublich wichtig für die Gemeinde“, erläutert Koll. Es gebe einen intensiven Austausch mit der Stadt Pinneberg, um die Trassenführung am Ossenpadd zu meistern. „Wir versuchen, eine einvernehmliche Lösung zu finden“, sagt Koll. Denn Pinneberg hatte mit einer doppelt so breiten Straße geplant wie Kummerfeld. Klar sei aber schon jetzt, dass die Flächen schnell besetzt werden, wenn das Gebiet erschlossen ist. „Wir haben so viele anfragen. Wir müssen uns keine Sorgen machen, dass es nicht voll wird.“ Viel mehr mache sich die Bürgermeisterin Gedanken, dass die Flächen sogar zu klein sind: „Gefühlt wird es bei jeder Planungsbesprechung weniger Fläche, die wir bebauen können.“
Gebaut werden soll aber auch an anderer Stelle in Kummerfeld. „Wir wollen Wohnraum im Dorf schaffen. Möglichst bezahlbaren“, sagt Koll. Da private Bauvorhaben immer profitorientiert seien, müsse die Gemeinde über andere Modelle nachdenken. „Wir wollten es immer an eine Wohnungsbaugesellschaft oder eine Genossenschaft vergeben“, sagt Koll über die Flächen am Bornbarg. Doch das Interesse war nicht da: „Die Flächen sind zu klein. Jetzt müssen wir uns in den Gremien darüber unterhalten, ob die Gemeinde selbst baut“, sagt Koll. Die Notwendigkeit bestehe definitiv. „Bei jeder Neujahrsansprache werde ich von der Feuerwehr angezählt, dass es keinen Wohnraum für junge Leute gibt.“

Ein weiteres Baugebiet könnte In de Röth entstehen. „Wir haben die Flächen als Gemeinde gekauft. Vielleicht können dort Wohnungen für Menschen entstehen, die schon 30, 40 Jahre im Ort wohnen, wo die Kinder aus dem Haus sind und die sich räumlich verkleinern wollen“, stellt Koll ihre Ideen vor. „Es ist wichtig, dass die Menschen in ihrem sozialen Gefüge bleiben können. Wir müssen in der Politik auch Ideen für alternative Wohnformen entwickeln.“ Auch das ehemalige Sana-Seniorenheim an der Bundesstraße könnte für die Gemeinde zum Thema werden. „Die Sana tut da nichts. Wir sollten selbst überlegen, ob wir dort etwas für ältere Menschen schaffen können“, sagt Koll.

Mittelfristig hat Koll das Ziel, einen Dorfmittelpunkt zu schaffen. „Es fehlt ein Raum, an dem man sich treffen kann. Bisher hat die alte Schule keinen Konsens gefunden, weil die Sanierung Geld kostet“, erläutert Koll. Sie hofft, dass durch das geplante Kulturfest ein Anstoß für eine neue Gesprächsgrundlage entsteht. „Wir haben keine Räumlichkeiten mehr, sondern müssen uns immer einmieten. So sind beispielsweise kulturelle Veranstaltungen kaum noch möglich“, beschreibt Koll die Situation im Ort. „Vielleicht entwickelt sich aus dem Kulturfest ja etwas.“

Für die zukünftige Arbeit wünscht sie sich kontroverse, aber der Sache dienende Diskussionen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir gut miteinander auskommen und inhaltlich arbeiten. Da ist es auch wichtig, dass man mal kontrovers diskutiert“, sagt Koll. Durch die wechselnden Mehrheiten hoffe sie auf mehr inhaltlichen Austausch in den politischen Sitzungen.

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