„Die Vielfalt macht den Reiz aus“

Petra Springer (Die Bürgernahen).
Petra Springer (Die Bürgernahen).

Interview: Petra Springer (Die Bürgernahen) über die Arbeit in der BiENEH und in der Kommunalpolitik

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11. Juli 2018, 16:24 Uhr





Petra Springer war in den vergangenen Jahren eine der prägenden Figuren der Bürgernahen in der Pinneberger Ratsversammlung. Sie gehört dem Gremium nun aber aus beruflichen Gründen nicht mehr an. Im Interview spricht sie über ihr weiteres Engagement und berichtet, wie die Gründung der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Naherholungsgebietes Eggerstedter Weg und Hasenmoor (BiENEH) sie in die Kommunalpolitik führte.

Frage: Was hat Ihnen an der Arbeit in der Ratsversammlung besondere Freude bereitet, was hat Sie geärgert?
Petra Springer: Am schönsten war es, wenn wir etwas durchsetzen konnten, was uns am Herzen lag. Das war leider nicht allzu häufig der Fall. Meistens arbeiteten CDU und SPD zusammen und verhinderten, dass wir etwas gestalten konnten. Diese große Koalition ließ der Opposition nur wenige Möglichkeiten.

Wo konnten Sie mehr bewegen – in der Bürgerinitiative oder in der Politik?
Ich würde sagen, dass die Bürgerinitiative effizienter arbeitet als die Bürgernahen – schon allein deswegen, weil sich die BiENEH auf ein Thema konzentrieren kann, sich nicht an Geschäftsordnungen und Benimmregeln halten muss und durch Aktionen auf sich aufmerksam machen kann. Das ist uns bisher sehr gut gelungen. Sonst würde es die Bürgerinitiative nicht schon 17  Jahre geben.

Wie sind Sie zur Kommunalpolitik gekommen?
Ich habe mich schon immer für Kommunalpolitik interessiert. Durch meine Arbeit für die BiENEH wurden die Bürgernahen auf mich aufmerksam und fragten mich, ob ich bei ihnen mitarbeiten möchte. Dadurch beschäftige ich mich nicht nur mit einem, sondern mit ganz vielen Themen. Diese Vielfalt macht den Reiz der Kommunalpolitik aus. Wobei ich mich manchmal wundere, was alles möglich ist. So ist das Straßenverkehrsamt in Pinneberg für Beamte nicht mehr gut genug, für Kita-Kinder reicht das Gebäude dagegen aus. Meine Tochter ist zwar schon erwachsen, aber als Mutter kann ich verstehen, dass die Eltern über solche Entwicklungen nicht glücklich sind. Auch den Ärger der Schulallianz kann ich nachvollziehen.

Sind Sie auch ohne Ratsmandat weiter politisch aktiv?
Ja. Ich habe den Vorsitz des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Kleingartenwesen übernommen. Dadurch und auch durch die Arbeit in der BiENEH werde ich weiterhin sehr aktiv sein.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?
Die Verwaltung gibt auf Nachfrage Auskunft, wozu sie auch verpflichtet ist und die Mehrzahl der Mitarbeiter ist sehr entgegenkommend. Manchmal wird aber versucht, an der Politik vorbei zu agieren. So kann ich zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass wir vor der Errichtung des Internationalen Campus keine Informationen über die Investoren bekommen haben. Dabei sind solche Kenntnisse doch wichtig für eine Entscheidung. Erst recht, wenn man sich bei manchen Plänen fragt, ob die Umsetzung überhaupt realistisch ist. Die Hängepartie um die Umwandlung der Ernst-Paasch-Halle in ein Kulturzentrum ist mir ebenfalls unverständlich. Dabei würde ein solches Kulturzentrum der Stadt gut zu Gesicht stehen.

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Fraktionen?
Die Zusammenarbeit mit den Grünen und den Liberalen der FDP klappt sehr gut. Bei den Grünen war ich anfangs sogar bei deren Fraktionssitzungen dabei. Die beiden Fraktionen kamen auch zusammen, um gemeinsame Anträge zu besprechen. Wir sind uns mit den Grünen zwar nicht immer einig, aber haben in der Vergangenheit zusammen einige gute Ideen entwickelt.

Vor welchen Herausforderungen steht Pinneberg in den kommenden Jahren?
Ein großes Problem wird die Friedrich-Ebert-Straße sein. Jahrzehntelang hieß es, dass der Verkehr dort durch die Westumgehung abnehmen würde. Nun sieht es aber so aus, dass sich die Zahlen stattdessen erhöhen werden. Deswegen hat die Verwaltung vorgeschlagen, den Hindenburgdamm zur Umgehungsstraße auszubauen. Die Geschäftsleute in der Friedrich-Ebert-Straße dürften nicht erfreut sein, wenn an ihren Geschäften weniger Autos vorbei fahren. Die Anwohner im Hindenburgdamm werden sich wiederum über den zusätzlichen Verkehr ärgern. Zudem landen die Fahrzeuge im Anschluss auf der Elmshorner Straße, die jetzt schon ständig voll ist. Dazu müssen endlich die Sanierungen der Schulen abgeschlossen werden, die zwar Fortschritte machen, sich aber enorm lange hinziehen. Für Konflikte wird die Bebauung des Ilo-Geländes sorgen, weil wir mit der Infrastruktur nicht hinterher kommen. Straßen, Schulen, Kindergärten – mehr als 300 neue Wohneinheiten erfordern viele Investitionen.
Lesen Sie am Mittwoch, 18.  Juli, das Interview mit Bernd Hinrichs (CDU).


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