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„Vorstand war nicht informiert“ : Die Vereinsführung wehrt sich nach Missbrauchsskandal gegen Vorwurf der Untätigkeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Vereinsführung des TuS Holstein Quickborn hat sich mit einer Pressemitteilung zum Missbrauchsskandal in ihrer Fußballabteilung geäußert.

Quickborn | Es ist eine Nachricht, auf die viele Quickborner seit fast einem halben Jahr warten: Gestern hat sich die Vereinsführung des TuS Holstein Quickborn mit einer Pressemitteilung zum Missbrauchsskandal in ihrer Fußballabteilung geäußert.

Ein Ex-Trainer des Vereins war am vergangenen Montag vor dem Landgericht Itzehoe wegen Kindesmissbrauchs zu 22 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Im Laufe des Prozesses, der am 26. Januar begann, wurde auch heftige Kritik an Vereinschef Jürgen Sohn und seinem Vize Hartmut Leutner geäußert. TuS-Gründungsmitglied Uwe Langeloh forderte schließlich öffentlich den Rücktritt der beiden. Zur Beantwortung zahlreicher Fragen, welche diese Zeitung stellen wollte, waren die Vorstandsmitglieder nicht bereit. Sie kündigten stattdessen eine mit einem Rechtsanwalt abgestimmte Stellungnahme an. Diese ging gestern per E-Mail in der Redaktion ein. Kernsatz: „Soweit aus Pressemeldungen der Eindruck erweckt wurde, Mitglieder des Vorstandes des TuS Holstein Quickborn wären bereits 2013 über die jetzt im Raume stehenden konkreten Tatvorwürfe informiert gewesen, ist das nicht zutreffend.“

Nach einer Fußballfreizeit 2013 habe es seitens zweier Betreuer keine Vorwürfe eines sexuellen Missbrauchs gegeben, sondern nur eine „vage Aussage“, dass der inzwischen verurteilte Trainer „ein Kind abgeduscht und wieder angezogen“ habe. Die beiden Betreuer, die auch als Zeugen in dem Prozess aussagten, wandten sich demnach damals an den Jugendleiter der Fußballabteilung Jugend. Der Jugendleiter habe den damaligen Trainer auf den Vorfall angesprochen. Die Erklärung des Trainers: Das Kind habe sich eingenässt. Er habe es abgeduscht und mit sauberer Kleidung versorgt. „Es gab keine Hinweise, die gegen die Glaubwürdigkeit des Trainers sprachen“ und davon, dass er das Kind unsittlich berührt hat, „war seinerzeit keine Rede“, teilte der Vorstand mit.

Die beiden Betreuer, welche den Jugendleiter informiert hätten, seien im Mai 2014 erstmals mit dem Vorstand in Kontakt getreten. „Auch in diesem Gespräch gab es aber keine konkreten Vorwürfe eines sexuellen Missbrauchs“, heißt es. In einem Gespräch mit dem Vorstand habe der Trainer seine Version des Vorfalls wiederholt. Die Erklärung, dass sich das Kind eingenässt habe, sei „plausibel“ gewesen. Der Trainer habe einen Elternabend organisiert und die „Vorwürfe entkräftet“. Auch der Vorstand habe Kontakt zu Eltern gesucht. „Letztlich gab es keine Informationen, die es gerechtfertigt hätten, die Polizei zu informieren oder den Trainer von seinen Aufgaben freizustellen.“ Auch die Betreuer, die Zeugen im Prozess waren, hätten keine Strafanzeige erstattet. „Wären uns die Vorwürfe, wie sie uns erstmals am 11. Juli 2015 von der Mutter eines betroffenen Jungen berichtet wurden und wie sie sich aus der Berichterstattung über den Strafprozess ergeben, vorher bekannt gewesen, hätten wir selbstverständlich umgehend reagiert“, so der Vorstand. Nach dem Hinweis der Mutter sei die Zusammenarbeit mit dem Trainer sofort beendet worden.

„Im Hinblick auf die Frage, was sich tatsächlich ereignet hat und welche Taten der Trainer gestanden hat, sind wir auf die Presseveröffentlichungen aus dem laufenden Strafverfahren angewiesen“, teilte der Vorstand mit. Der Prozess war allerdings größtenteils öffentlich. Auch Vorstandsmitglieder oder deren Vertreter hätten ihn beobachten können. Laut Vorstand müssen alte und neue Trainer seit Herbst 2015 ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und einen Ehrenkodex unterzeichnen. Seit September ist Karin Leutner, die sporttechnische Leiterin des Klubs, auch Kinderschutzbeauftragte des Vereins.

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erstellt am 20.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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