„Die unterschätzte Gefahr“

Im Einsatz gegen Reichsbürger: Werner Westerhoff (links), Geschäftsführer des Kriminalpräventiven Rats, und Jugendschützer Jörn Folster vom Kreis Pinneberg hoffen auf viele Besucher – bis zu 100 Menschen passen in den Saal des Scholl-Hauses.
Im Einsatz gegen Reichsbürger: Werner Westerhoff (links), Geschäftsführer des Kriminalpräventiven Rats, und Jugendschützer Jörn Folster vom Kreis Pinneberg hoffen auf viele Besucher – bis zu 100 Menschen passen in den Saal des Scholl-Hauses.

Journalist Andreas Speit liest bei Pinneberger Infoveranstaltung am 29. Oktober aus seinem Buch über Reichsbürger

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10. Oktober 2018, 16:00 Uhr

18 000 – so viele Reichsbürger zählte der Verfassungsschutz zuletzt in Deutschland. Was genau es mit denen auf sich hat, darüber spricht der Journalist Andreas Speit am Montag, 29. Oktober, im Pinneberger Geschwister-Scholl-Haus (GSH). Von 19 bis 21 Uhr liest er aus seinem Buch „Reichsbürger – die unterschätzte Gefahr“ vor. Anschließend ist eine Fragerunde geplant.

Zu der kostenfreien Veranstaltung laden der Kriminalpräventive Rat Pinneberg, der Jugendschutz des Kreises Pinneberg und das regionale Beratungsteam gegen Rechtsextremismus aus Itzehoe ein. Mit dabei ist auch die Polizei Pinneberg und der Bücherwurm. Juliane Deppe vom Beratungsteam erläutert: „Der Autor ist ein Fachmann. Das Buch ist nur eines von vielen, die er in den letzten Jahren zu dem Thema geschrieben hat.“ Es gebe sogar einen Vertrag mit der Bundeszentrale für politische Bildung. Auch Jugendschützer Jörn Folster freut sich über den Vortrag: „Das wird mit ganz viel Fachwissen untermauert“, sagt er.

Doch worum geht es eigentlich? Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an. Deppe sagt: „Oft sind es Menschen in Geldnot oder solche, die sehr unzufrieden sind. Sie hängen Reichsideologien an, verschwurbelt mit Verschwörungstheorien.“ Außer rechtsextremem Gedankengut können auch Esoterik und Geschichtsrevisionismus dazu gehören. Reichsbürger verweigern Steuern oder auch Bußgelder, viele geben ihren Personalausweis ab. Oft kommen sie länger damit durch. Gefährlich kann es werden, wenn sie an ihre Grenzen kommen, wie Deppe erläutert: „2016 wurden in Bayern Polizeibeamte erschossen.“ Sie hatten laut Medienberichten dem Schützen bei einer Razzia seine Waffen abnehmen wollen.

So weit ist es in Pinneberg noch nicht gekommen. Aber auch die Pinneberger Behörden haben Erfahrung mit Reichsbürgern. Werner Westerhoff, Geschäftsführer des Kriminalpräventiven Rats, erläutert: „Beim Ordnungsamt oder Bürgerbüro wollten Personen Pässe des Deutschen Reichs mit Datum 1914 haben.“


26 Reichsbürger im Kreis Pinneberg

Im Kreis Pinneberg sind derzeit 26 Reichsbürger bekannt. In Schleswig-Holstein steigen die Zahlen stetig an: Von 34 im Jahr 2015 auf aktuell 280. „Die Dunkelziffer ist wohl viel höher“, sagt Till Stehn, ebenfalls vom Beratungsteam gegen Rechtsextremismus. „Es ist schwer, die Grenze zu ziehen: Ab wann ist man ein Reichsbürger?“ Jetzt allerdings würden Behörden, die schon lange mit Reichsbürgern zu tun haben, speziell geschult. Dadurch würden mehr dieser Menschen erkannt.

Reichsbürger sind immer öfter ein Thema der Öffentlichkeit. „Seit 2014 gibt es eine eigene Rubrik dazu im Verfassungsschutzbericht. Dabei ist es kein neues Phänomen, die Tendenzen gibt es seit 1945“, sagt Deppe. Verbreitet wird die Ideologie modern über soziale Medien. Deppe sagt: „Das ist eine Mission.“ Eine, die mitunter bizarre Züge annimmt. Kollege Stehn berichtet vom „Königreich Wittenberg“, wo sich ein Reichsbürger zum König von Deutschland krönen ließ. „Die finden Anhänger“, sagt er. „Und sie tauschen dann etwa ihr Geld in eine Währung, die in der Realität keinen Wert hat.“ Geschäftsmodel Reichsbürgertum. Auch der Handel mit Autokennzeichen und Pässen soll boomen.

Darüber und wie der Staat mit Reichsbürgern umgeht, referiert Speit im GSH, Bahnhofstraße 8. Er wird auch für Fragen zur Verfügung stehen, genauso wie das Beratungsteam gegen Rechtsextremismus und die Polizei. Die wird zudem für den reibungslosen Ablauf sorgen und darauf achten, dass niemand die Informationsveranstaltrung stört.

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