Die Stradivari des Nordens

Die Hamburger Ratsmusiker mit Ulrich Wedemeier (von links), Anke Dennert, Heidi Gröger und Simone Eckert erhielten nach dem Konzert Blumen und spielten daraufhin noch eine Zugabe.
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Die Hamburger Ratsmusiker mit Ulrich Wedemeier (von links), Anke Dennert, Heidi Gröger und Simone Eckert erhielten nach dem Konzert Blumen und spielten daraufhin noch eine Zugabe.

Virtuose Konzertreise in die Zeit von Instrumentenbauer Tielke / Hamburger Ratsmusik verzaubert mit Schütz, Theile und Telemann

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22. Januar 2019, 16:42 Uhr

Mit virtuoser und eindringlicher Spielpraxis hat die Hamburger Ratsmusik ein wichtiges Jubiläum gewürdigt: den 300. Todestag von Joachim Tielke. Er war der wichtigste Instrumentenbauer im Norden Europas. Die beiden Gambistinnen Simone Eckert und Heidi Gröger spielen beide Instrumente des Hamburger Instrumentenbauers. Eckert, Gröger sowie Laute-Spieler Ulrich Wedemeier und Cembalistin Anke Dennert entführten in Pinneberg 130 Besucher auf eine eindrucksvolle Zeitreise.

Zum gespielten Repertoire gehörten Stücke von Dietrich Buxtehude (1637-1707), Peter Grecke (17. Jahrhundert), Gabriel Schütz (1633-1710) und Gottfried Tielke (1668-1725). Das vierte Konzert des Kulturvereins Pinneberg im Ratssaal stand unter dem Motto „Die Stradivari des Nordens“.

Simone Eckert bereicherte das Konzert mit vielen wissenswerten Fakten rund um den Instrumentenbauer Tielke (1641-1719). Dessen Biografie stand mit vielen Musikern seiner Zeit in spannendem Zusammenhang. Die technisch versierte und eindringliche Aufführungspraxis der Ratsmusik offenbarte sich vor allem bei Stücken wie der Sonate in a-Moll von Gabriel Schütz und der Sonate à 3 von Johann Theile (1646-1724) aus dem Musikalischen Kunstbuch von 1691.

Eckert berichtete, dass kunstsinnige Adlige wie der Landgraf Carl von Hessen-Kassel zu den Kunden Tielkes gehörten. Doch auch der bayrische Kurfürst Max Emamuel II und Johann Ernst von Sachsen-Weimar sowie Angehörige dänischer und schwedischer Königshäuser leisteten sich den Luxus, die kostbaren Instrumente zu besitzen. Im Jahr 1704 reparierte Tielke Georg F. Händels Violine.

Eckert informierte die Zuhörer auch über ihr eigenes mit Schnitzereien verziertes Instrument. Das Pinneberger Publikum wusste es zu schätzen, die Klänge von Tielkes Instrumenten im Ratssaal zu vernehmen. Denn die meisten der aus edelsten Hölzern gearbeiteten, mit Intarsien aus Elfenbein, Blattgold, Perlmutt und Edelsteinen verzierten Instrumente lagern in berühmten Museen.

Die Besucher genossen die ausdrucksstark und kunstvoll interpretierten Stücke unterschiedlicher Komponisten. „Die vier Musiker sind ausgezeichnete Solisten“, sagte Wolfgang Spautz. Es habe ihm gefallen, wie geschickt und kenntnisreich die Hamburger Ratsmusik das Konzert gestaltet habe. Besucherin Wiebke Hansen lobte das Engagement des Pinneberger Kulturvereins als Veranstalter. „Es ist erstaunlich, was hier auf die Beine gestellt wird“, sagte Hansen. Es sei schön, wenn man den ansonsten in Elphi und Laeiszhalle spielenden Musikern im Ratssaal lauschen dürfe. Mit der Zugabe „King of Denmark‘s Delight“ endete das Konzert.

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