Kreis Pinneberg : Die Störche zieht es jetzt schon in den Süden

Jungstörche fliegen als erste ins Winterquratier und bleiben dort drei Jahre, bevor sie zurück in die Region kommen.

Jungstörche fliegen als erste ins Winterquratier und bleiben dort drei Jahre, bevor sie zurück in die Region kommen.

Die ersten Störche im Kreis Pinneberg sind schon auf dem Weg ins Winterquartier. Im Frühling kommen die Altvögel wieder zurück.

shz.de von
10. August 2018, 17:30 Uhr

Kreis Pinneberg | Jimmy und Jonny drehen ihre ersten Runden über der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Sie machen sich, wie ihre Artgenossen, bald auf den Weg nach Spanien oder Afrika. Die Jungtiere werden dort die nächsten  drei Jahre leben, während die Altstörche schon Ende März wieder zurück in die Region kommen und ihre Nester beziehen.  

Die zwei  Jungstörche Jimmy und Jonny sind noch   in der Wildtierstation.  Auch sie machen derzeit Flugversuche.
Holger Bass

Die zwei Jungstörche Jimmy und Jonny sind noch in der Wildtierstation. Auch sie machen derzeit Flugversuche.

 

Jimmy und Jonny hatten Glück im Unglück, denn die beiden Störche aus  Grube in  Ostholstein sind von ihren Eltern wegen fehlendem Nahrungsangebot verlassen worden. Schuld waren Dürre und Hitze. Die Eltern stellten einfach die  Fütterung  ein – und gaben ihre Jungen auf,  was leider kein Einzelfall ist. Durch eine aufwendige Rettungsaktion unter  Einsatz der Feuerwehr und eines Hubwagens konnten die beiden Störche gerettet werden. Beteiligt war auch der herbeigerufene Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Er gab auch den Anstoss, die Vögel aus dem Nest zu holen und von Hand aufzuziehen. Dies geschah dann auch.

Genug Kraft für den Weg

Erst kümmerte sich Pastor Rüdiger Fuchs in Grube um die Tiere, später kamen sie dann in die Wildtierstation. „Ich denke, die beiden machen sich bald auf den Weg. Wir päppeln sie noch weiter auf, damit sie genug Kraft für den langen Weg haben. In drei Jahren werden sie, wenn alles gut geht, wieder zu uns kommen“, erzählt Erdmann. Und er fügt hinzu: „Wir haben  noch einen Jungstorch aus  Niedersachsen zur Aufzucht bekommen. Er würde die lange Strecke niemals schaffen. Daher wird der Jungstorch über den Winter bei uns bleiben. Im Frühjahr wildern wir ihn dann aus.“  Bis spätestens Ende August würden dann alle Störche in der Luft sein.

Das Nest  in Borstel-Hohenraden ist verwaist. Die Störche sind  bereits auf dem Weg ins südliche Winterquartier.
Holger Bass

Das Nest  in Borstel-Hohenraden ist verwaist. Die Störche sind  bereits auf dem Weg ins südliche Winterquartier.

 

„Die  großen Entfernungen, die Störche auf ihrem Weg nach Süden und wieder zurück nach Europa zurücklegen, könnten sie niemals im aktiven und kräftezehrenden Ruderflug bewältigen“, erklärt Uwe Helbing vom  Naturschutzbund Wedel (Nabu). Ähnlich wie Segelflugzeuge nutzen sie daher warme Aufwinde, die ihnen einen energiesparenden Segelflug erlauben. „Solche Thermiken bilden sich in ausreichender Stärke nur über größeren Landflächen. sie entstehen, wenn die Sonne den Erdboden erwärmt und die Wärme an die bodennahe Luft abgibt. Dadurch entsteht ein leichter Aufwind, den die Störche nutzen, um sich kräftesparend in die Höhe zu schrauben“, erklärt Helbing.

Kurz vor dem Abflug stehen auch die Hamburger Störche. In den Vier- und Marschlanden nutzen sie  noch die Mahdzeit aus, um den Jungvögeln die Futtersuche beizubringen. Auf den frisch gemähten Wiesen finden die Vögel reichlich Nahrung. „Ich gehe davon aus, dass die Störche bis Ende August Hamburg verlassen haben“, sagt Jürgen Pelch, Storchenbetreuer beim Nabu Hamburg. Der Hamburger hofft, dass möglichst viele von ihnen die Reise in den Süden überstehen. „In manchen Gegenden wird Jagd auf Störche gemacht. In anderen Ländern landen sie sogar  im Kochtopf“, sagt Pelch.

Zum Höhepunkt des Vogelzuges über Deutschland ruft der Nabu jedes Jahr zur Vogelbeobachtung auf: Im Rahmen des Projekts EuroBirdwatch bietet der Nabu am ersten Oktober-Wochenende, 6. und 7.Oktober, zahlreiche fachkundig geleitete Exkursionen an, auch in Hamburg und Umgebung. Alle Hamburger Termine sind zu finden unter: www.Nabu-Hamburg.de
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