Die Steinzeit wiederbelebt

Guido Linke präsentiert stolz seinen selbstgebauten steinzeitlichen Lehmbackofen im Naturerlebnisraum, in dem regelmäßig Brot gebacken wird.
Guido Linke präsentiert stolz seinen selbstgebauten steinzeitlichen Lehmbackofen im Naturerlebnisraum, in dem regelmäßig Brot gebacken wird.

Guido Linke baut Lehmbacköfen / Vorträge und Brotbacken für Kindergärten und Schulen im Naturerlebnisraum

shz.de von
01. Juni 2018, 16:00 Uhr

Die Augen beginnen zu strahlen, der Mund verzieht sich während des Sprechens zum Lächeln, die Hände untermalen mit simplen Gesten das Gesagte. Guido Linke brennt für das, was er tut. Er hat vor einigen Jahren durch einen Zufall seine Leidenschaft für steinzeitliche Lehmbacköfen entdeckt. Und baut sie seitdem selbst.

Linke wohnt seit rund zehn Jahren auf dem Schäferhof in Appen. Der gebürtige Lübecker wurde dorthin vermittelt. „Ich bin sehr glücklich, dass ich hier auf dem Schäferhof gelandet bin. Besser hätte ich es nicht treffen können“, sagt er. Seit gut sieben Jahren arbeite er in dem dortigen Hofcafé, das viele Menschen besuchen. „Ich mache dort den Service, bringe den Leuten den Kaffee und helfe Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Das macht mir viel Spaß.“ Besonders schön finde er, dass er so mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt und so auch ins Gespräch komme. Linke arbeitet zudem auch von montags bis freitags in der Küche des Schäferhofs.

Doch wie kommt jemand dazu, sich für steinzeitliche Backöfen aus Lehm zu interessieren? „Ich fand alte Dinge schon immer sehr spannend. In Lübeck habe ich Ausgrabungen gemacht. Dort habe ich zum Beispiel Münzen und alte Krüge gefunden“, erklärt Linke. Im Rahmen eines Angebots vom Schäferhof sei dann der Hamburger Archäologe Holger Junker zu Besuch gekommen und habe nicht nur gezeigt, wie mit Steinen Feuer gemacht wird, sondern auch den steinzeitlichen Lehmbackofen vorgestellt. „Da ist bei mir das Interesse erwacht“, schildert Linke lachend – und die Augen strahlen wieder. „Diese Öfen sind so nützlich. Sie verbrauchen keinen Strom und können in der Größe gebaut werden, wie sie benötigt werden.“ Der Bau des Outdoor-Backofens sei ganz einfach. „Erst wird eine Fläche von gewünschter Größe ausgeschachtet, da kommen Schamottsteine hinein. Ringsum werden Holzpflöcke eingeschlagen. Dann muss ein Korb aus Weinstöcken geflochten werden, der über die Fläche gestellt wird. Das Ganze wird dann mit einer Masse aus Lehm, Stroh, Pferdemist und Wasser überzogen. Schlussendlich muss der Ofen eineinhalb Wochen trocknen.“ Dann kann „ganz normal“ gebacken werden – Brot, Pizza, Kuchen, alles kein Problem für den Ofen nach steinzeitlichem Vorbild. Zwei Öfen hat der Lübecker bisher gebaut. Einen im Naturerlebnisraum unweit des Appener Schäferhofs und einen im Haseldorfer Elbmarschenhaus.

Das Thema ist Linkes Steckenpferd. Mittlerweile hält er sogar kleine Fachvorträge darüber. „Manchmal kommen Kindergärten oder Schulen zu Besuch, dann erkläre ich den Kindern, wie der Ofen gebaut und auch genutzt wird“, sagt er stolz. In der kommenden Woche ist es wieder so weit, eine Gruppe Kinder kommt in den Naturerlebnisraum. Linke wird dann wieder seiner Leidenschaft nachgehen können und den Ofen erklären und in Aktion zeigen.

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