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Jubiläum in Elmshorn : Die Stadtbücherei feiert Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Einrichtung wurde 1892 gegründet. 600 Besucher pro Öffnungstag. 85.000 Medien im Angebot.

Elmshorn | Jessica Stessl sitzt in ihrem Rollstuhl, die Füße auf einem Stuhl vor sich abgelegt, und knickt Eselsohren in ein Buch; mitten in der Bücherei. Bibliothekarin Ulrike Pfeffer hat die Vorarbeit dafür geleistet: Sie hat viele Seiten mit kleinen Markierungen versehen, damit die Eselsohren in der richtigen Größe an der passenden Stelle gemacht werden. Wenn Stessl nach einigen Dutzend Faltvorgängen fertig sein wird, dann zeigt die Anschnittseite des Buches einen Stern, der reliefartig aus den Seitenrändern herauszuragen scheint.

„Orimoto“ heißt diese Technik. „Das ist das zweite Leben der Bücher“, findet Bibliothekarin Pfeffer: „Nach dem Lesevergnügen wird das Buch zum Deko-Objekt.“ In Kleinarbeit hat sie ausgemusterte Bücher angezeichnet, damit beim Falten nach Vorlage Sterne oder Herzen entstehen. Für Sonnabend hat Pfeffer außerdem ein ganz besonderes Orimoto hergestellt: „125“ steht in den Seitenrändern, daneben ein Stern. Anlass ist die Gründung der Elmshorner Bücherei vor 125 Jahren. Den runden Geburtstag feierten die 15 Mitarbeiter der Bücherei am Sonnabend mit vielen Besuchern.

1892 taten sich Elmshorner Privatleute zusammen und gründeten die erste Bücherei der Stadt. 20 Leser teilten sich damals 175 Bücher, erzählt Bücherei-Leiter Philipp Braun von den Anfangstagen. Heute können sich die rund 6500 Nutzer aus 85.000 Medien plus mehr als 60.000 E-Books aussuchen, was sie lesen, hören oder angucken wollen. „Wir haben 600 Besucher pro Öffnungstag“, erzählt Braun stolz. Eine Familien-Lesekarte kostet 18 Euro pro Jahr, die Zahl der lesenden Kinder wächst in der Bücherei.

Natürlich finden sich regalweise Bücher aller Genres in den vier Stockwerken. Aber es gibt dort auch CDs, DVDs, Zeitungen, Zeitschriften, Gesellschafts- und Konsolenspiele. Sofas und gemütliche Ecken laden zum Schmökern ein, eher nüchtern sind die PC-Arbeitsplätze für Internetrecherche gehalten. Wer seinen eigenen Computer dabei hat, profitiert vom freien W-LAN.

Ein „buntes, lautes Fest“

„Wir sind ein Wohnzimmer der Stadt“, charakterisiert Braun seine Bücherei. Zum Geburtstag stehen Häppchen, Sekt und Kaffee bereit, ein Drehorgelspieler musiziert vor der Tür zwischen bunten Luftballons und lockt Besucher in die Bücherei. Ein „buntes, lautes Fest“ will Braun heute feiern. Aber als Bibliothekar lässt er den Leierkastenmann erst loslegen, als das Kindertheater vorbei ist. Stören soll ja schließlich auch nichts.

Stadtrat Dirk Moritz und Heinz-Jürgen Lorenzen vom schleswig-holsteinischen Büchereiverein waren gleich morgens zum Gratulieren gekommen. Mittags saßen viele Kinder beim Tandera-Theater und hörten die Geschichte vom kleinen Ritter Knuth. Nachmittags las Krischan Koch aus seinem Inselkrimi „Backfischalarm“. Kinder gingen suchend durch die Räume, sie sammelten Buchstaben für eine Rallye. Andere ließen sich schminken oder spielten „Vier gewinnt“ im Riesenformat.

Manuela Schuck ist mit ihrem Mann Willi Weber „eigentlich immer samstags in der Bücherei“. Sie liest gern Krimis und leiht sich „Hörbücher verschiedenster Couleur“, er blättert durch eine Motorrad-Zeitschrift oder studiert handwerkliche Fachbücher – oder spezielle Kochbücher. „Die sind super sortiert hier“, lobt Schuck das Angebot. Wenn ihr Enkel Henry bei seinen Großeltern ist, begleitet er sie in die Bücherei: „Man muss früh genug anfangen, die mitzunehmen“, findet Schuck. „Darum ist es gut, dass es die Zweigstelle in Hainholz gibt“, ergänzt Willi Weber.

Eine Frau kommt die Treppe hoch, an ihren Bauch einen großen Stapel Kinderbücher gedrückt, oben drauf Zeitschriften. „Urlaubslektüre“, erklärt sie: „Wenn man ein Kind hat, das jeden Abend eine halbe Stunde lang vorgelesen haben möchte und nicht jedes Mal das Gleiche lesen will ...“, dann braucht man für die Reise einen großen Vorrat.

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erstellt am 26.Jun.2017 | 16:00 Uhr

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