Die Sportwelt ist Geschichte

Das Areal der ehemaligen Sportwelt umfasst mehr als 9000 Quadratmeter.
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Das Areal der ehemaligen Sportwelt umfasst mehr als 9000 Quadratmeter.

Verkehrsbetriebe erwerben Areal in Schenefeld / Bisheriger Geschäftsführer bedauert Entscheidung persönlich

shz.de von
16. August 2018, 16:00 Uhr

Diese Entscheidung hat weitreichende Folgen für die Stadt Schenefeld: Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) kaufen das Areal der ehemaligen Sportwelt im Industriegebiet in der Nähe des Osterbrooksweg von der RCS Sportwelt Schenefeld Sport – und Freizeitanlagen GmbH & Co. KG.

Die Entscheidung fiel hinter verschlossenen Türen. Zunächst hatte der Wunsch der Eigentümerfamilien bestanden, das traditionsreiche Sportzentrum wieder aufzubauen. Auf dem mehr als 9000 Quadratmeter großen Areal an der Holzkoppel haben viele Sportler Tennis gespielt – daraus wird nun nichts mehr.

Für die VHH lohnt sich der Deal. „Damit können zukünftig auf dem Betriebshof mehr als 200 Busse abgestellt werden. Zudem wird ein neues Werkstattgebäude mit den erforderlichen Ausrüstungen für E-Busse gebaut, das im Bedarfsfall erweiterbar ist. Nach Abschluss der Baumaßnahmen werden alle Abstellplätze E-Bus geeignet sein“, teilte Pressesprecherin Anja Giercke gestern mit.

Die Fläche des Betriebshofes wächst somit von heute 28 000 auf 48 000 Quadratmeter an. Der künftige Betriebshof wird Platz für mehr als 200 Busse und knapp 1000 Mitarbeiter bieten. „Es war immer unser Wunsch, in Schenefeld zu bleiben, da die Zusammenarbeit mit der Stadt stets hervorragend funktioniert hat. Wir schätzen Schenefeld als Wirtschaftsstandort“, sagte VHH-Geschäftsführer Toralf Müller. „Aktuell arbeiten auf dem ortsansässigen Betriebshof mehr als 600  Mitarbeiter, viele davon kommen aus Schenefeld und Umgebung. Wir wollten unseren Angestellten längere Arbeitswege ersparen, deshalb haben wir nach einer Lösung in der Region gesucht“, führt Müller weiter aus. Die Höhe der Baukosten stehe noch nicht fest, es wird sich aber um die größte Investition der VHH in der Firmengeschichte handeln – laut Müller liegt sie im zweistelligen Millionenbereich.

Nach Abschluss des Kaufvertrages wird nun mit den Planungen für ein neues Werkstatt- und Verwaltungsgebäude begonnen. Alle Betriebsbereiche werden für den Einsatz von E-Bussen ausgelegt. Der Umbau soll bei laufendem Betrieb erfolgen. Vertiefende Gespräche zum Ablauf der Bauarbeiten werden mit allen Beteiligten in den nächsten Wochen geführt werden, so Müller.

Anfang nächsten Jahres soll der Bauantrag gestellt werden. Sobald die Baugenehmigung erteilt worden ist, wird mit den Umbaumaßnahmen begonnen. Wie es zu der Entscheidung kam, das Areal zu veräußern, ist nicht ganz klar. Einig wurden sich die Beteiligten zumindest erst nach monatelangem Ringen. Johann Timmermann, der die Sportwelt einst gegründet hat und zuletzt Geschäftsführer war, zeigte sich gestern am Telefon betroffen – jedoch auch erleichtert. „Meine Frau und ich bedauern, dass die Sportwelt nicht wieder aufgebaut wird. Wir haben das ja von Anfang an mit aufgebaut“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir müssen aber die Entscheidung der jüngeren Mitglieder akzeptieren. Für die VHH und Schenefeld ist das keine schlechte Entscheidung. Es hat sich schicksalhaft so ergeben“, führte er aus. Es scheint nicht gleich klar gewesen zu sein, was nach dem Brand vom 10. August 2017 mit der abgebrannten Sportwelt passieren soll. Die Feuerwehren im Kreis Pinneberg und Hamburg wurden mehr als 24 Stunden in Atem gehalten. Am Dach waren Schweißarbeiten durchgeführt worden. „Nach bisherigen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass Dacharbeiten brandursächlich gewesen sind“, sagte Peter Müller-Rakow, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Die Ermittlungen zur endgültigen Feststellung der Brandursache und Feststellung von Verantwortlichkeiten laufen laut Müller-Rakow aber aktuell noch.

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