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In Pinneberg fest verwurzelt : Die SPD in der Kreisstadt feiert 150. Geburtstag

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

62 Menschen waren einst bei der Gründungsversammlung am 19. März 1865 dabei.

Pinneberg | 1865: In Washington wird US-Präsident Abraham Lincoln während einer Theater-Aufführung erschossen. Die erste deutsche Pferdestraßenbahn nimmt in Berlin ihren Betrieb auf. Wilhelm Buschs Bildergeschichte Max und Moritz erscheint.

Von der Weltgeschichte beinahe unbemerkt, geschieht im selben Jahr auch in Pinneberg Historisches. In der Stadt, damals kaum mehr als 3000 Einwohner groß, gründet sich der Ortsverein der SPD, der nun, in wenigen Tagen, seinen 150. Geburtstag feiert.

Rückblende: 62 Frauen und Männer waren bei der Gründungsversammlung der Pinneberger SPD am 19. März 1865 zugegen, einem Sonntag. Nur zwei Jahre zuvor hatte Ferdinand Lasalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) ins Leben gerufen, was heute allgemein als die Geburtsstunde der deutsche Sozialdemokratie gilt. „Pinneberg war damit ein Vorreiter in der Region. Es herrschte eine unglaubliche Aufbruchstimmung“, sagt Herbert Hoffmann. Der 67-Jährige, Pinneberger SPD-Urgestein und mittlerweile Ehrenvorsitzender seiner Partei, hat die Geschichte der Genossen in der Kreisstadt aufgearbeitet.

Dabei ist die Historie der Pinneberger SPD von Höhen und Tiefen geprägt. Fünf Bürgermeister hat die Partei seit ihrem Bestehen gestellt, Wilhelm Burmeister (1923 bis 1933) war der erste, Kristin Alheit (2008 bis 2012) die bislang letzte. Zu den Errungenschaften der Anfangszeit zählt die Gründung mehrerer Sportvereine ebenso wie jene der Pinneberger Arbeiterwohlfahrt durch Emilie Helm und Anna Ipsen, beide SPD-Mitglieder. Eine frühe Schattenseite stellte die Bekämpfung der Sozialdemokratie durch Reichskanzler Otto von Bismarck dar, von der auch Pinneberg nicht unberührt blieb: Zahlreiche Genossen wurden verfolgt, mit Berufsverbot belegt oder sogar ausgewiesen. Während des Nationalsozialismus wurden die letzten Sozialdemokraten im Oktober 1933 aus dem Rathaus verjagt. Trotzdem war die Partei nicht totzukriegen: Die SPD stellte mit Richard Köhn den ersten Pinneberger Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg.

Als SPD-Kanzlerkandidat war Willy Brandt (l., mit Annemarie Renger und Walter Damm) am 13. Juli 1961 im Hotel Cap Polonio zu Gast. (Fotos: pt)
Als SPD-Kanzlerkandidat war Willy Brandt (l., mit Annemarie Renger und Walter Damm) am 13. Juli 1961 im Hotel Cap Polonio zu Gast. (Fotos: pt)
 

Auf die Frage, was ihn selbst einst zur SPD geführt hat, muss Hoffmann, seit 1972 Mitglied, nicht lange überlegen. „Es war der Slogan ,Mehr Demokratie wagen’ in der Zeit von Willy Brandt“. Eine Gemeinschaft mitzugestalten und Schwächeren zu helfen – das mache für ihn bis heute die SPD aus. Dabei habe er sich stets als Kommunalpolitiker verstanden. „Bundespolitische Ambitionen hatte ich nie, obwohl ich mehrfach gefragt worden bin“.

Zwar hat Hoffmann als Pinneberger SPD-Chef im Laufe der Zeit viele Kanzlerkandidaten seiner Partei persönlich kennen gelernt. Am meisten beeindruckt habe ihn jedoch ein anderer: Herbert Wehner. „Den konnte man auch nachts um drei mit seinen Problemen anrufen. Eine beeindruckende Persönlichkeit“.

Weil das eigentliche Jubiläum auf einen Wochentag fällt, steigt die Jubiläums-Feier am Sonntag, 22. März, ab 11 Uhr in der Drostei an der Dingstätte. Organisiert hat sie Kai Vogel, Hoffmanns Nachfolger als Pinneberger SPD-Chef. Als Gastredner wird SPD-Landeschef Ralf Stegner erwartet.

Als Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie gilt die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lasalle am 23. Mai 1863 in Leipzig. Dieser vereinigte sich am 27. Mai 1875 in Gotha mit der 1869 von August Bebel und Wilhelm Liebknecht gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SADP). Nach Aufhebung des Bismarckschen Sozialistengesetzes 1890 änderte die Partei ihren Namen in Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Der Wandel von einer sozialistischen Arbeiter- zu einer sozialdemokratischen Volkspartei wurde erst 1959 mit dem Godesberger Programm abgeschlossen. jwe
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erstellt am 12.Mär.2015 | 10:00 Uhr

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