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Pinneberger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 04:55 Uhr

Die Sommermilch der Melkburen

vom

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 03:14 Uhr

Kreis Pinneberg | Am Nachmittag gibts nochmal eine ordentliche Forke Heu. Danach trotten die Kühe von Milchbauer Achim Bock auf die Weide in Lutzhorn. Dort wartet das Abendbrot aus frischem Gras. Später geht es für die 48 schwarz-bunten Holsteiner zurück auf den Hof und an die Melkmaschine, wo die Tiere ihre Sommermilch geben.

Wenn die Blätter auf den Bäumen vergilben, geben sie Herbstmilch, wenn der Frost kommt, Wintermilch. Und wenn der Löwenzahn blüht, fließt Frühlingsmilch. Gemeinsam mit vier anderen Bauern aus der Region hat Achim Bock vor etwa zwei Jahren die Vierjahreszeitenmilch entwickelt, eine eigene Marke, unter der sie das Lebensmittel verkaufen. Alle fünf Landwirte produzieren nach den strengen Richtlinien des Bioland-Verbandes.

"Für den Vertrieb der Vierjahreszeitenmilch haben wir das Unternehmen De Ökomelkburen gegründet. Mit der Direktvermarktung können wir heute wesentlich bessere Erlöse erzielen, als früher", sagt Bock. Im Laden kostet seine Milch 1,49 Euro pro Liter. Im Discounter ist konventionelle Milch zu Preisen weit unter einem Euro zu bekommen. "Der Preis ist nicht zu hoch. Wir brauchen das Niveau, um von der Produktion zu leben. Außerdem tun wir Bauern viel für die Landschaftspflege und fördern so den Tourismus."

De Ökomelkburen verkaufen ihre Milch in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern. "Wir haben uns Hamburg und den ländlichen Raum darum als Absatzmarkt vorgenommen." Zu kaufen gibt es die Milch in Bioläden, Reformhäusern, auf Wochenmärkten und in ausgewählten Edeka-Geschäften. In der Zukunft wollen die Ökomelkburen auch neue Produkte wie Joghurt und Butter herstellen lassen.

Unterstützung könnten sie vom Verein Nordbauern Schleswig-Holstein bekommen, der sich Ende Juni gründete. Landesweit haben sich in ihm 16 Direktvermarkter zusammengeschlossen. Da-runter sind auch die Ökomelkburen. Weitere sollen hinzukommen. Vorgestern veranstalteten die Nordbauern im Agrarzentrum Osterrönfeld bei Rendsburg ihre erste Messe. (Diese Zeitung berichtete). Zu Gast war Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Er bescheinigte den Bauern gute Pers pektiven. "Es ist eine Entfremdung von Konsument und Produkt zu beobachten. Viele jüngere Menschen haben noch nie eine Schlachtung gesehen. Doch heute wächst das Bewusstsein für die Herkunft der Lebensmittel wieder", sagt der Minister.

Ernst Schuster, Obstbauer aus Schwentinental-Raisdorf (Kreis Plön) und Mitinitiator der Nordbauern, sagt: "Es geht aber nicht nur um Direktvermarktung. Wir suchen auch den Weg in einzelne Supermärkte." Größte Aufgabe der Nordbauern sei nun, den Austausch im Verein zu stärken und neue Mitglieder zu finden. Schuster sagt: "Im Südosten des Landes sind wir gut aufgestellt. Im Südwesten und im Norden gibt es noch viel Potenzial."

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