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Serie: Unser Glaube : Die Siebenten-Tags-Adventisten in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die 17 Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten in Elmshorn lehnen die Evolutionstheorie ab und feiern ihren Ruhetag am Sonnabend.

In dieser Serie stellt Ihnen die Redaktion Ihrer Zeitung jeden Mittwoch eine Glaubensgemeinschaft in der Region Pinneberg vor.

Schwein, Kaninchen und Pferd kommen bei den Siebenten-Tags-Adventisten nicht in die Pfanne. Sie haben mit dem „Hope Channel“ einen eigenen Fernsehsender, legen viel Wert auf Gesundheit, glauben an die Wiederkunft Christi, begehen ihren wöchentlichen Ruhetag am Sonnabend und nehmen die Schöpfungsgeschichte wörtlich. Auch im Kreis Pinneberg sind einige Mitglieder dieser christlichen Glaubensgemeinschaft zu finden.

Weltweit gibt es mehr als 18 Millionen getaufte Mitglieder, in Deutschland 35.000. „In der Elmshorner Gemeinde sind 17 Leute auf dem Papier eingetragen. Es sind allerdings weit mehr, die in der Gemeinde leben“, so Pastor Gunther Gauger (61), der die Gemeinden Elmshorn, Itzehoe, Kaltenkirchen-Kisdorf und Neumünster betreut „Die Großstadt zieht. Viele Leute fahren lieber bis Hamburg zum Gottesdienst.“ Und so muss die kleine Elmshorner Gemeinde in den sonnabendlichen Gottesdiensten um 9.30 Uhr in einem ehemaligen Ladenlokal in der Bismarckstraße 25 auch mal ohne hauptamtliche Prediger auskommen.

Finanziert wird die Freikirche laut Gauger durch das „biblische Prinzip des Zehnten“, aber auf freiwilliger Basis. Gemeint ist der zehnte Teil des Bruttoeinkommens. Und während er die Glaubensgrundlagen der Siebenten-Tags-Adventisten erklärt, stechen einige Besonderheiten hervor: „Das kirchliche Glaubensbekenntnis können wir ohne Einschränkungen unterschreiben.“ Er betont: „Die Bibel ist die Grundlage für das Leben eines Christen. Sie ist der Maßstab.“ Und das ist wörtlich gemeint. „Wir glauben nicht an die Evolutionstheorie. Wir glauben an die buchstäbliche Schöpfung, wie sie in der Bibel steht, auch wenn es für manche altmodisch klingt.“

Es gebe Siebenten-Tags-Adventisten, die Wert darauf legen, dass ihre Kinder auf adventistische christliche Schulen anstatt auf staatliche Schulen gehen, um den Unterricht der Evolutionstheorie zu umgehen. Doch Gauger relativiert: „Ich glaube, es schadet niemandem, sich mit verschiedenen Meinungen auseinanderzusetzen.“ Man solle die Lehrmeinung kennen, wie sie über die Entstehung der Erde in Schulen unterrichtet wird. „Aber man muss sie ja nicht bejahen.“

 

Zur Gründung der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten im 19. Jahrhundert in Nordamerika habe Wiliam Miller beigetragen, der nach intensivem Bibelstudium an die Wiederkunft Jesu (Advent) glaubte und diese auf das Jahr 1844 berechnete. „Wir wissen, dass daraus nichts geworden ist. Es gab eine gewisse Enttäuschung“, so Gauger. Berechenbar sei das Datum eben nicht. Doch aus der Bewegung um Miller sei in Michigan zunächst die Gemeinschaft und 1863 die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten entstanden. Nach Deutschland schwappte der Glaube durch intensive Missionierung und rückkehrende Einwanderer.

Bei der Wiederkunft, so der Glaube der Adventisten, werden die Verstorbenen zu neuem Leben erweckt. „Wenn ein Mensch gestorben ist, hat er keine Entscheidungsfähigkeit mehr. Er ruht. Er verwest. Es ist aus. Er wartet teilnahmslos im Grab und wird erst wieder auferweckt, wenn Jesus wiederkommt.“ „Gott weiß, wie der Mensch beschaffen ist und kann ihn jederzeit neu schaffen“, so Gauger.

Mit Jesu Wiederkunft sei die Neuschaffung der Erde verbunden – sie folge Gottes jüngstem Gericht. Entscheidend sei dabei die Frage: „Wie stehe ich zu Jesus Christus?“ Angenommen werden von Gott könne ein Methodist genauso wie ein Katholik oder Adventist. „Wir sehnen uns nach Gerechtigkeit auf dieser Erde.“ Für Verbrecher wie Hitler gebe es da keinen Platz, ist der Pastor überzeugt.

Bis es soweit ist, ehren die Siebenten-Tags-Adventisten den Sonnabend (Sabbat) als Ruhetag, den sie als den siebenten von Gott gewollten Ruhetag betrachten. Nicht immer sei das leicht mit dem Berufsleben zu vereinbaren. „Aber es gibt immer wieder verständnisvolle Arbeitgeber“, so der Pastor. So betreiben die Siebenten-Tags-Adventisten weltweit mehr als 400 Einrichtungen wie Krankenhäuser, Sanatorien, Kliniken und Sanitätsstationen. „Am Ruhetag werden die Arbeiten auf das Notwendigste reduziert. Natürlich finden Not-Operationen statt, aber das Feucht-Durchwischen kann ausfallen.“

Der Glaube der Siebenten-Tags-Adventisten zieht sich mit verschiedenen Einrichtungen weltweit durch sämtliche Bereiche der Gesellschaft. Dazu gehören der Fernsehsender „Hope Channel“ in Darmstadt, ein Radioprogramm, die Nachrichtenagentur Adventistischer Pressedienst (APD), 63 Verlagshäuser mit 579 regelmäßig erscheinenden Zeitschriften in 365 Sprachen, 7842 Grundschulen, höhere Schulen und Universitäten, sowie 175 Krankenhäuser und Sanatorien, 269 Kliniken und Sanitätsstationen mit mehr als 18 Millionen behandelten Patienten, 21 Gesundkost-Fabriken und Projekte der Wohlfahrt sowie der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) in 112 Ländern, deren Gesamtwert bisher 197 Millionen Euro beträgt.

Gesundheit nimmt bei der Glaubensgemeinschaft einen hohen Stellenwert ein. Den Körper betrachten sie als Haus Gottes. „Um 1860 war die ärztliche Versorgung noch nicht so umwerfend. Man hat viel Wert gelegt auf gesunde Ernährung, Sonnenlicht und natürliche Heilmittel“, erklärt der Pastor. Auch Alkohol, Tabak und Rauschmittel wurden verbannt. Doch Gauger verdeutlicht: „Das heißt nicht, dass wir jedem in den Kochtopf schauen können.“ Es könne Jugendliche geben, die es einmal probieren. In so einem Fall würde er das Gespräch suchen.

Auch zum Essen haben die Siebenten-Tags-Adventisten ihre eigenen Ansichten. Viele Mitglieder – insbesondere in den USA – seien Vegetarier. Wer sich für den Fleischkonsum entscheide, der halte sich laut Gauger an biblische Speisegebote. Schwein, Pferd und Kaninchen, Muscheln und Krabben sind damit tabu.

Nachträglich bestätigt sehen sich die Siebenten-Tags-Adventisten durch die Visionen Ellen Whites (1827–1915), eine Art Botin oder neuzeitliche Prophetin, die ihre Erkenntnisse zur Bibel als Maßstab mit Weisungen zum geistlichen und sittlichen Leben in der Gemeinde verschriftlichte. Gleichzusetzen mit der Bibel seien ihre Schriften jedoch nicht, heißt es auf der Homepage der Siebenten-Tags-Adventisten.

Homosexualität? Nach Bibelauslegung der Glaubensgemeinschaft sei das nicht „gottgewollt“. „Es ist nicht unser Recht, es zu verurteilen, aber wir müssen es auch nicht befürworten.“ Ein Homosexueller in der Gemeinde werde „das Gespür dafür haben, dass wir anders denken“, so Gauger.

Offen ist die Glaubensgemeinschaft ansonsten für alle. Durch die Glaubenstaufe ab dem Jugendalter werden Gemeindemitglieder aufgenommen. Das Untertauchen im Taufbecken sei üblich. Der Trend unter Jugendlichen gehe aber auch zur Taufe in Seen.

Familiäres Zusammensein

Das Gemeindeleben bezeichnet Gauger als familiär, in der kleinen Gemeinde Elmshorn als noch familiärer. Hauskreise, Gebetskreise sowie Senioren und Jugendarbeit gehörten in vielen Gemeinden dazu. „In Hamburg gibt es auch große Pfadfindergruppen.“

Abgrenzung zu Andersgläubigen gebe es nicht. Mit zunehmendem Alter nähmen Kontakte zu Menschen außerhalb der Gemeinde jedoch oft ab, wisse er von Gemeindemitgliedern. „Wir gehen nicht zum Trinken in die Kneipe und samstags lieber zum Gottesdienst statt zum Angrillen“, sagt er.

Eheschließungen unter Gemeindemitgliedern halte er für das Vernünftigste, um Spannungen allein schon in Kindererziehungsfragen zu vermeiden. Die Ökumene ist bei den Siebenten-Tags-Adventisten durchaus Thema. „Nicht im Sinne gemeinsamer Gottesdienste. Aber Familienangehörige reden miteinander, auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind“, so Gauger.

Austritte? „Das ist die Entscheidung eines einzelnen Menschen, die von der Gemeinde akzeptiert werden muss und wird“, so Gauger. Auch zu Ausschlüssen kann es kommen. Ein Beispiel: „Wenn jemand in der Gemeinde zum Alkoholiker mutiert, zum stadtbekannten Säufer und Randalierer und nach mehrmaligen Hilfsversuchen seitens der Gemeinde keine Änderung zeigt, dann würden wir ein Zeichen setzen.“

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erstellt am 08.Apr.2015 | 14:00 Uhr

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