Kreis Pinneberg : Die Segelsaison beginnt

Nach zwei Stunden sind alle Boote sauber – Feierabend für die zwölf Jugendlichen.
Nach zwei Stunden sind alle Boote sauber – Feierabend für die zwölf Jugendlichen.

Jugendliche des Haseldorfer Wassersportclubs (WSC) starten in die neue Saison. Am kommenden Wochenende geht’s aufs Wasser.

shz.de von
02. Mai 2015, 15:00 Uhr

Haseldorf | „Wo bleibt das Wasser?“ „Wo ist eigentlich mein Schwamm?“ Die Rufe der Kinder im Haseldorfer Hafen überraschen einige Passanten. „Das gehört beim Saisonstart dazu“, sagte Peter Ruland. Zusammen mit Monika Eisengarten trainiert er die Nachwuchssegler zwischen sieben und 14 Jahren des Wassersportclubs Haseldorf (WSC). Seit Herbst haben die zwölf Jugendlichen die Theorie gelernt. Nun polieren die Nachwuchssegler die sieben Optimisten, die eigentlich allein gesegelt, aber von den Neulingen auch zu zweit genutzt werden, sowie drei Teenys für zwei Besatzungsmitglieder.

Im Oktober waren die Boote eingelagert worden. Nun verschwinden Moos und Dreck. „Die Kinder sollen so das Material kennenlernen und Verantwortung dafür übernehmen“, sagt Ruland. Für Marcus nichts Ungewöhnliches. Der Zwölfjährige segelt seit drei Jahren allein. Vor fünf Jahren fuhr er erstmals mit seinem Vater auf einem Segelboot. „Ich bin schon immer beim Bootereinigen dabei“, sagt der Zwölfjährige, der in dieser Saison neu zum WSC Haseldorf stieß. Er hat ein Auge für die wichtigsten Ecken des Bootes. „Der Innenraum und der Fußbereich müssen sauber sein.“

Für Johannes soll es die erste Segelsaison werden. Überrascht, dass erst geputzt werden muss? Der Neunjährige schüttelte den Kopf: „Das wusste ich schon vorher.“ Fleißig werden alle Schmutzstellen mit Schwamm, Wasser und Haushaltsreiniger entfernt. Niklas sorgt währenddessen für frisches Wasser, das er mit Eimern direkt aus dem Hafenbecken holt. Während Marcus das Boot anhebt, lässt der Zwölfjährige das klare Wasser durchs Boot laufen. „Das Boot ist sauber, wenn kein Dreck mehr im Wasser ist“, stellte Marcus fachmännisch fest.

Wer segeln lernen will, braucht kein eigenes Boot, sondern kann beim WSC auf das Vereinsmaterial zurückgreifen. „Viele denken immer, dass Segeln so teuer wäre, aber für Kinder und Jugendliche kostet es fast nichts“, sagt Ruland. 20 Euro Jahresgebühr zahlt der Nachwuchs. Bootnutzung inklusive. Und auch ein eigenes Boot koste nicht die Welt. Ab 1000 Euro seien Optimisten, die für Anfänger besonders leicht zu fahren seien, erhältlich. „Wer bei eBay schaut, wird auch bei 100 Euro fündig. Eigentlich können die Boote auch nicht kaputt gehen.“

Starkes Putzteam: Niklas (12, Mitte) und Marcus (12) säubern eins der Boote. Fröhlig (3). (Foto: Fröhlig)
Starkes Putzteam: Niklas (12, Mitte) und Marcus (12) säubern eins der Boote. Fröhlig (3). (Foto: Fröhlig)

Besondere Pflege bräuchten die Einsteigerboote nicht, hin und wieder vielleicht einen neuen Anstrich. „Bei den Teenys müssten wir noch eine Wachsschicht auftragen“, sagt Eisengarten. Doch das wollen die Erwachsenen in den kommenden Tagen nachholen. Denn bis es erstmals aufs Wasser geht, dauert es noch ein paar Tage. Am 9. und 10. Mai findet das offizielle Ansegeln statt. Für die Jugendlichen ist der erste Tag auf dem – und vor allem im – Wasser für den 23. Mai geplant. „Segeln beginnt immer mit Paddeln und Schwimmen“, sagt Ruland grinsend. Die Kinder müssten zunächst lernen, dass ein Boot auch umkippen kann. Und sie sollen die Furcht davor verlieren. Danach werde bis zum Absegeln Ende September jeden Sonnabend geübt. „Die Trainingszeiten richten sich nach der Tide“, sagt Eisengarten. Gesegelt werde nur bei Hochwasser. „Die Kinder sollen mit möglichst wenig Strömung segeln“, sagt Ruland. Dafür sei der Hafen an der Haseldorfer Binnenelbe ideal. Wären Strömung und Wind zu stark, müssten die Kinder zu viel auf einmal machen.

Die Theorieausbildung haben die Kinder schon im Winter absolviert. Dabei ging es um Segelstellungen sowie Fachbegriffe wie Halse und Wende. „Dabei versuchen wir, den Spaßfaktor hoch zu halten“, sagt Ruland. So gab es etwa nach dem Knotenbinden den Praxistest beim Tauziehen. Am Hafen heißt es nach zwei Stunden: Klar Schiff. Eisengarten sagt: „Schneller geht es nicht. Das ist eine super Zeit.“

Der Wassersportclub Haseldorf (WSC) wurde 1972 gegründet und zählt derzeit 107 Segler, von denen zwölf Jugendliche sind. Außer der Segelausbildung bietet der Verein Jugendlichen die Möglichkeit, den amtlichen Sportbootführerschein zu erwerben. Dafür muss der Nachwuchs mindestens 14 Jahre alt sein.

Um 1900 sind entlang der Elbe die ersten regionalen Segelvereine entstanden. 51 Jahre später, 1951, haben sich 38  Vereine in der Gruppe Nedderelv zusammengeschlossen. Sie setzt sich für die Mitgliedsvereine in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg ein. Die Kontakte zu den Vereinen in der Region.

Führerscheine auf dem Wasser: Wer darf was fahren?

In Deutschland gibt es gesetzlich vorgeschriebene und freiwillige Sportbootführerscheine. Sie bauen teilweise aufeinander auf. Jugendliche ab sieben Jahre können mit dem Jüngstensegelschein starten. Er kann bis zum 14. Lebensjahr erworben werden. Nötig ist die Fähigkeit, mindestens 15 Minuten am Stück zu schwimmen. In einer mündlichen Prüfung werden etwa Knoten und Verkehrsvorschriften abgefragt. In der Praktischen müssen die Kenntnisse auf einem Boot angewendet werden. Die richtige Ausbildung beginnt mit dem Grundschein, der ab zwölf Jahren erworben werden kann. Der Inhaber des Scheins soll in der Lage sein, ein Boot mit An- und Ablegemanöver, Wenden und Halsen sowie Schot und Pinne zu führen.

  • Der Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen) ist die amtliche Fahrerlaubnis zum Führen von Sportbooten unter Segel oder mit Motor. Er gilt für Boote  unter 15 Metern Länge auf Binnenwasserstraßen. Er ist vorgeschrieben für Fahrzeuge mit Motor, die stärker als 11,03 Kilowatt (15 PS) sind.
  • Der Sportbootführerschein See (SBF See) ist Pflicht für Motorbootfahrer und Hochseeskipper. Er gilt für Küstenmeere und angrenzende Gewässer. Das Mindestalter beträgt, wie bei den folgenden Scheinen, 16 Jahre.
  • Seesegler benötigen den Sportküstenschifferschein (SKS). Er wird für Schiffsführer empfohlen, die mit einer Yacht bis zwölf Seemeilen vor der Küste segeln wollen. Viele Vercharterer setzen den SKS voraus.
  • Der Sportseeschifferschein (SSS) ist der empfohlene Führerschein für Yachten unter Segel oder mit Motor in küstennahen Seegewässern wie Ostsee und Nordsee. Verbindlich vorgeschrieben ist der SSS für gewerbsmäßig genutzter Sportboote. Es müssen 1000 ersegelte Seemeilen in küstennahen Seegewässern nachgewiesen werden.
  • Der Sporthochseeschifferschein (SHS) ist der höchste Abschluss für Sportbootführer. Er ist der empfohlene Segelschein für Yachten mit Motor und unter Segel in der weltweiten Fahrt.
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