In die Jahre gekommen : Die „Saurier“ aus Pinneberg sagen Tschüs

13 Jahre lang setzten sich die „Pinosaurier“ vor allem für Kinder ein. Jetzt löst sich der Freundeskreis auf.
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13 Jahre lang setzten sich die „Pinosaurier“ vor allem für Kinder ein. Jetzt löst sich der Freundeskreis auf.

Freundeskreis von früheren Politikern und Geschäftsleuten sammelte 126.500 Euro für sozial Benachteiligte.

shz.de von
09. Januar 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Sie setzen sich für Kinder ein. Für in Not geratene Familien. Ehrenamtlich. Seit 13 Jahren sammeln und verteilen die „Pinosaurier“ Spenden. Künftig muss die Stadt Pinneberg ohne das Engagement der rührigen Runde ehemaliger Politiker und Geschäftsleute auskommen. Die „Saurier“sind in die Jahre gekommen – und machen Schluss. Diese Entscheidung fiel gestern.

Für Pinneberg ist das fraglos ein Verlust. Geht’s ums soziale Engagement, machte den „Sauriern“ kaum jemand etwas vor. Ohne lähmende Vereinssatzung wurden in den vergangenen 13 Jahren insgesamt 126  500 Euro unbürokratisch verteilt. „Die kurzen Wege waren eine unserer Stärken“, sagt Niels Jonas. Der Ex-Politiker war zuletzt eine der treibenden Kräfte bei den „Pinosauriern“. Die Stadtverwaltung habe jahrelang bei der Abrechnung der Spenden geholfen. „Wir danken ganz besonders allen Förderern und Spendern“, ergänzt Mitstreiter Kurt Desselmann.

Im Januar 2002 hatten sich die „Pinosaurier“ als Bürgerinitiative gegründet. An lokaler Prominenz fehlte es nicht. Ex-Bürgermeister Jan Nevermann war mit von der Partie. Die früheren Bürgervorsteher Horst Hager und Artur Lontzek ebenfalls. Parteibücher wurden daheimgelassen, wenn man sich donnerstags im Sozialcafé Pino traf. Und während eines Frühstücks entschied, wohin die Spenden gehen.

Vor allem dem Kampf gegen Kinderarmut widmete sich der Freundeskreis in den vergangenen Jahren. Die „Saurier“ ermöglichten vielen Kindern aus sozial benachteiligten Familien, am Mittagessen in den Kitas teilzunehmen. Eine Initiative, die von Horst Hager angeschoben worden war. „Wir haben mit den Jahren einen sehr engen Draht zu den Kindergärten aufgebaut“, sagt Jonas.

Zuletzt zählte der wegen Krankheit und Todesfällen dezimierte Kreis nur noch neun Mitglieder. „Wir bedauern den Abschied“, räumt Desselmann ein. „Aber es hat wirklich keinen Zweck mehr.“

Jonas hofft auf einen Schulterschluss anderer Initiativen, die gegen Kinderarmut in der Stadt Pinneberg kämpfen: „Glücklicherweise gibt es davon heute mehr als vor 13 Jahren, wünschenswert wäre jedoch eine bessere Koordination.“ Ein von der Stadt initiierter Runder Tisch böte sich an.

Bürgermeisterin Urte Steinberg reagierte gestern betroffen, als sie vom Ende der „Pinosaurier“ erfuhr. „Es ist schade, dass sie sich auflösen, auch wenn ich den Grund nachvollziehen kann. Die Herrenrunde hat in den vergangenen Jahren ehrenamtlich großartige Arbeit für Kinder aus finanziell benachteiligten Haushalten geleistet.“ Für das Engagement danke sie sehr herzlich. „Ich hoffe sehr, dass die Arbeit vielleicht auch in anderer Konstellation fortgesetzt werden kann“, so Steinberg.

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