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L76 in Borstel-Hohenraden : Die Sanierung verzögert sich weiter

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Landesbaubehörde beschuldigt Stadtwerke, die Leitungen nicht korrekt verlegt zu haben. Geschäftsführer Henning Fuchs widerspricht.

Borstel-Hohenraden | Schlechte Nachrichten für die Anwohner, Lkw- und Autofahrer in Borstel-Hohenraden. Die Sanierung der Landesstraße 76 verzögert sich nicht, wie bisher angenommen um drei, sondern um mindestens vier Wochen. Am 15. Juni war offiziell Baubeginn. Vier Monate Bauzeit waren für den etwa sechs Kilometer langen Straßenabschnitt veranschlagt. Derzeit wird zwischen dem Prisdorfer Weg und der Dorfstraße gebaut. Nun wird es länger dauern.

Wie berichtet, wurde Anfang August bei den Bauarbeiten festgestellt, dass mehrere Hausanschlussleitungen (Gas und Strom) nicht tief genug verlegt wurden. Betroffen sind Leitungen der Stadtwerke Pinneberg, der Telekom und der Schleswig-Holstein Netz AG. Die letzten beiden genannten Versorgungsunternehmen haben die Leitungen in der vergangenen Woche tiefer gelegt, sagt Kersten Schmidt, verantwortlicher Bauleiter der Landesbaubehörde. Die Stadtwerke auch – allerdings sind dort aus Schmidts Sicht Fehler gemacht worden. „Die Verdichtung war absolut mangelhaft“, sagt er. „Die Fachkundigkeit des Subunternehmens, das die Stadtwerke beauftragt haben, ziehe ich ernsthaft in Frage.“ Zwar seien die Hausanschlüsse tiefer gelegt worden, allerdings sei die Erde, die wieder in das Loch geschüttet wurde, nicht genug verdichtet worden. Der Humusanteil sei zu hoch gewesen. Das heißt: Würde man jetzt die Straße wie geplant erneuern, würde sie später absacken. „Der Asphalt würde nachgeben“, so Schmidt. Zudem fehle noch eine Mitteldruckleitung, die noch tiefer verlegt werden müsse. Am Freitag habe sich dieser Missstand bei Prüfungen durch das Hanse Nord Labor aus Pinneberg offenbart, so Schmidt. Deshalb kann auf der Baustelle vorerst nicht weiter gearbeitet werden. Laut Schmidt sollen die Arbeiten an den Leitungen bis heute Abend abgeschlossen sein. Morgen früh werde das Ganze erneut überprüft.

Henning Fuchs, Geschäftsführer der Stadtwerke, sagte gestern hingegen im Gespräch, dass das Problem mit der Erde nicht die Leitungen der Stadtwerke, sondern die der Schleswig-Holstein Netz AG beträfen. Die Arbeiten am Gasnetz seien entgegen der Äußerungen des Bauleiters Schmidt am vergangenen Donnerstag abgeschlossen worden. Volker Mielisch, stellvertretender Pressesprecher der Schleswig-Holstein Netz AG, bestätigt die Aussage des Bauleiters, dass die Arbeiten seit Freitag erledigt seien.

Wie und wann es mit der Sanierung weitergehen kann, ist bisher noch unklar. Zum Start des neuen Schuljahres wird sich die Baustelle aber weiterhin – entgegen der Planungen – vor der Schule und Feuerwehr befinden. „Die Verzögerung ist so immens, dass nicht damit zu rechnen ist, dass wir das einhalten“, so Schmidt. Zuhause bleiben können die Kinder allerdings nicht. Die Zufahrt soll über die Dorfstraße möglich sein.

Die nun entstandenen Mehrkosten sollen laut Schmidt von den Versorgern jeweils anteilig getragen werden. „Das können wir ja nicht dem Steuerzahler zumuten“, sagte er. Beziffern könne er den Betrag noch nicht. Es handele sich aber um eine höhere fünfstellige Summe. Für den Stadtwerke-Chef Fuchs ist dies noch lange nicht klar. Zunächst müsse nachgewiesen werden, dass die Stadtwerke den Baustopp verursacht hätten. Er habe in den vergangenen 27 Jahren seiner Tätig noch nicht erlebt, dass das Land in so einer Situation Schadensersatzforderungen stellt. Die Stadtwerke wollten dies rechtlich prüfen lassen.

Weiter leiden unter der Situation werden die Anwohner und die Auto- und Lkw-Fahrer. Bei der letzten Zählung des Verkehrsaufkommens in Borstel-Hohenraden im Jahr 2005 passierten 7800 Fahrzeuge täglich die Strecke. Durch die Bauarbeiten auf der A7 dürften es derzeit deutlich mehr sein. An den Bürgermeister der Gemeinde Borstel-Hohenraden Jürgen Rahn wurden bisher zwei Beschwerden herangetragen. Sowohl die Gaststätte „Zur Schmiede“ als auch das „Reitsport-Château“ beklagen die Situation.

In Absprache mit der Gemeinde hat die Landesbaubehörde einige Wege im Ort neu beschildert, so dass dort keine Lkw, die schwerer als 3,5 Tonnen sind, mehr fahren dürfen. Im Schwarzen Weg landete bereits ein Lkw im Graben, berichtet Schmidt. Dieser hätte dort erhebliche Schäden angerichtet. Trotzdem glaubt er grundsätzlich, dass die offizielle Umleitung über Hemdingen und Bilsen funktioniert.

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erstellt am 18.Aug.2015 | 12:15 Uhr

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