Die Sache mit der Ellerburg

Archäologisches Landesamt vermutet historisches Gebäude wegen des Namens eines Ortsteils

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24. August 2018, 16:00 Uhr

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Ellerbek ein neuer Ortsteil. „Auf dem Areal, der früher ein Staatsforst – genauer gesagt ein Buchenwald – war, wurden nach dessen Abholzung Notunterkünfte für ausgebombte Hamburger und Flüchtlinge, die überwiegend aus Schlesien kamen, errichtet“, erklärt Ellerbeks Bürgermeister Günther Hildebrand (FDP). Die Straßennamen des Gebiets weisen noch heute darauf hin: Breslau, Danzig, Königsberg, Küstrin, Posen und Stettin sind unter anderem vertreten. „Bei der Überlegung, wie der neue Ortsteil genannt werden soll, fusionierte sozusagen das Ellerbeker Gemeindegebiet mit dem südlich angrenzenden Burgwedel zu ,Ellerburg‘“, berichtet Hildebrand. Seitdem werde der Ortsteil so genannt. Auch der Kleingartenverein, den es früher dort gab, habe diesen Namen getragen.

Nach und nach seien aus den Notunterkünften feste Häuser geworden. „Das Gelände wurde dann in Parzellen unterteilt und vom Land Schleswig-Holstein den Bewohnern zum Kauf angeboten“, sagt Hildebrand. Daraus sei die heutige Siedlung entstanden.

Als vor wenigen Jahren daran angrenzend das Neubaugebiet Hasenheide geplant wurde, seien auch wie üblich alle Träger öffentlicher Belange um eine Stellungnahme gebeten worden. Darunter sei auch das archäologische Landesamt gewesen, das umgehend seine Zustimmung erteilt habe.

„Dann aber meldete sich eine Ellerbekerin bei diesem Amt, die berichtete, dass ihr Vater vor vielen Jahren beim Pflügen auf dem Gelände eingebrochen sei und sie daher einen Brunnen dort vermutete“, so Hildebrands Bericht. Das wiederum habe einen Mitarbeiter des Amtes in helle Aufregung versetzt: „Er vermutete, dass dort die Reste der Ellerburg zu finden seien, der der Ortsteil seinen Namen verdankt“, erklärt der Bürgermeister.

Es sei daraufhin die Bitte an die Gemeinde herangetragen worden, trotz bereits erteilter Genehmigung sofort Bescheid zu geben, falls die Bauarbeiter auf die Reste von alten Mauern stoßen sollten. „Zum Glück hatten wir ja bereits die schriftliche Erlaubnis dort zu bauen – womöglich hätte es sonst einen Baustopp gegeben“, berichtet der Bürgermeister.

Außerdem sei der Mitarbeiter, der unweit der Baustelle wohnte, mehrmals dort aufgetaucht, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass tatsächlich nichts gefunden worden war. „Natürlich nicht!“, sagt Hildebrand und lacht. Das Landesamt sei dann über die Entstehung des Namens aufgeklärt worden. „Sowohl die Gemeindevertreter als auch die Mitarbeiter des Amtes Pinnau nahmen das mit Humor – zum Glück wurde kein alter Ziegelstein dort gefunden“, so Hildebrand.

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