S-Bahn will Angebot ausbauen : Die S21 soll ab 2020 weiter rollen

Fast 8000 Unterschriften: Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (Zweiter von links) und Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (Zweiter von rechts) erhielten von Stadt- und Gemeindevertretern entlang der AKN-Linie 1 gestern sechs Ordner.
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Fast 8000 Unterschriften: Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (Zweiter von links) und Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (Zweiter von rechts) erhielten von Stadt- und Gemeindevertretern entlang der AKN-Linie 1 gestern sechs Ordner.

Die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg wollen eine Verlängerung nach Kaltenkirchen notfalls auch im Alleingang finanzieren.

shz.de von
14. Juli 2015, 12:15 Uhr

Kreis Pinneberg | Wenn alles gut läuft, dann soll 2020 die S-Bahn-Linie 21 nicht am Bahnhof Elbgaustraße enden, sondern von Hamburg-Eidelstedt bis nach Kaltenkirchen weiterfahren. Um zu zeigen, wie sehr dieses Projekt gewünscht ist, sammelten die Kommunen entlang der bisherigen AKN-Strecke in den vergangenen Wochen 7846 Unterschriften, die sie gestern in der Hamburger Verkehrsbehörde an Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) und Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) übergaben.

„Wenn man zum S-Bahn-Netz der Stadt Hamburg gehört, ist das etwas anderes, als wenn man im Vorort-Netz steht“, sagte Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU). Mit der S-Bahn könnten Bürger wesentlich bequemer in und aus der Stadt pendeln, dies hätte Vorteile für die Menschen und die Wirtschaft. Dies sah auch sein Ellerauer Amtskollege Eckard Urban (SPD) ähnlich. Und Bönningstedts stellvertretende Bürgermeisterin Anke Rohwer-Landberg (Bürger für Bönningstedt) berichtete, dass sie auch von den Unternehmen aus ihrer Gemeinde erfahren habe, dass insbesondere bei ihnen der Wunsch nach einer S-Bahn-Anbindung groß sei. Haslohs Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) hatte zudem eine Resolution der Gemeindevertretung mitgebracht, die den Wunsch nach einer S-Bahn-Anbindung noch einmal verdeutlichen sollte.

„Wir ziehen bei diesem Thema an einem Strang“, sagte Verkehrsminister Meyer. Derzeit laufe gerade das Planfeststellungsverfahren, das bis 2017 stehen solle, erst im Anschluss könne finanzielle Unterstützung vom Bund beantragt werden. Daran solle das Projekt aber nicht scheitern, sagte Meyer. „Hamburg und Schleswig-Holstein werden sich das unabhängig von Regionalisierungsmitteln des Bundes leisten, weil das Projekt sein muss“, sagte er. Notfalls würden die beiden Länder es allein finanzieren. Meyer gehe davon aus, dass die Gesamtkosten des Projekts sich auf zirka 100 Millionen Euro belaufen würden.

Zuversichtlich ist auch der Chef der S-Bahn Hamburg, die als Betreiber der Linie vorgesehen ist. „Ich gehe fest davon aus, dass die S 21 kommt“, sagte Geschäftsführer Kay Uwe Arnecke gestern bei einem Ausblick auf die Zukunftsvorhaben seines Unternehmens. Auch Arnecke rechne mit einer Betriebsaufnahme in 2020.

Generell sind die Weichen auf Expansion gestellt. Die S-Bahn will in Hamburg und Umgebung ihr Netz deutlich ausbauen und zugleich den Fuhrpark auf den neuesten Stand bringen. „Wir investieren rund 450 Millionen Euro in die Beschaffung von 60 Neufahrzeugen, in die Modernisierung älterer Wagen und der Werkstätten“, kündigte Arnecke an. Er ist Herr über sechs Linien, 147 Kilometer Schienennetz, 68 Bahnhöfe und 1200 Mitarbeiter.

 

Dabei darf er sich über eine immer größere Zahl von Passagieren freuen. 2014 nutzten 266 Millionen Fahrgäste in der Metropolregion S-Bahnen, 2,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor – ein doppelt so großen Zuwachs wie der gesamte HVV. Auffallend: Auf den langen Strecken aus dem Umland war die Zunahme besonders groß, auf den kürzeren Strecken im Stadtgebiet gab es sogar einen leichten Rückgang. Arnecke: „Immer mehr Pendler steigen vom Auto in den ÖPNV um, zugleich nutzen in der Stadt mehr Menschen das Rad.“

Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, gibt die Bahntochter in den kommenden Jahren kräftig Gas. Der ab 2018 laufende neue Verkehrsvertrag mit der Hansestadt Hamburg sieht eine deutliche Angebotserweiterung vor. Allen voran sind gleich zwei neue S-Linien in Planung. Die S4 von Hamburg nach Ahrensburg/Bad Oldesloe sei „das zentrale Ausbauprojekt in der Metropolregion“, sagte der S-Bahn-Chef. Nach dem Bau eines dritten Gleises soll die Zahl der Fahrgäste dort um die Hälfte zunehmen, so die Prognose. Allerdings hat der Bund noch nicht endgültig grünes Licht für das gemeinsame Vorhaben der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein gegeben. Berlin müsste den Löwenanteil der Kosten von geschätzt 630 Millionen Euro tragen. Zwei neue S-Bahnstationen sind derweil bereits beschlossene Sache. An den Elbbrücken soll bis 2018 ein Umsteigebahnhof entstehen, der die HafenCity-Linie U3 mit der S3 verknüpft. Und: 2020 erhält Ottensen den seit Jahrzehnten diskutierten eigenen Haltepunkt. In Höhe Bahrenfelder Steindamm entsteht an der S1 eine Station, die außer dem Szenestadtteil auch die Neue Mitte Altona anbinden soll.

In Sachen Pünktlichkeit liegt die S-Bahn im Soll. 2014 schafften es die Züge zu 94,7 Prozent, nicht mehr als drei Minuten vom Fahrplan abzuweichen. Das entspricht exakt dem vom HVV vorgegebenen Wert. Die Hamburger und die Einpendler sind mit den Leistungen der S-Bahn weitgehend zufrieden, sie geben dem Unternehmen eine Zwei minus (2,3), vor fünf Jahren lag der Wert bei 2,6. Verbesserungsbedarf gebe es dennoch, gestand der Chef. So werde die S-Bahn an der Information der Fahrgäste bei Betriebsstörungen arbeiten. „Es wird mehr automatische Ansagen geben“, sagte Arnecke.

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