Streit um Kreiskulturpreis : Die Politik sucht das Gespräch mit den Künstlern

Nachdem Tilman Clasen (links) und Reinhard Petersen zu Kulturpreisträgern wurden, entbrannte der Streit um die Vergaberichtlinien. Denn Petersen lebt erst seit wenigen Jahren im Kreis und war hauptsächlich außerhalb tätig.
Nachdem Tilman Clasen (links) und Reinhard Petersen zu Kulturpreisträgern wurden, entbrannte der Streit um die Vergaberichtlinien. Denn Petersen lebt erst seit wenigen Jahren im Kreis und war hauptsächlich außerhalb tätig.

Nach dem Rücktritt der Fachjury für den Kulturpreis fragen die Kreispolitiker nun nach den Gründen für diesen Schritt.

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15. März 2014, 06:00 Uhr

Neun bisherige Mitglieder der Jury für den Kreiskulturpreis haben in einem offenen Brief, verfasst vom Vize-Juryvorsitzenden Bernd Kraske, bekanntgegeben, dass sie für dieses Gremium nicht weiter zur Verfügung stehen. Grund dafür seien die veränderten Richtlinien, die der Kreistag während seiner Sitzung am 26. Februar beschlossen hatte (diese Zeitung berichtete).

Jetzt wollen die Kreispolitiker das Gespräch mit den bisherigen Jurymitgliedern suchen, um zu erfahren, warum sie sich für den Rücktritt entschieden haben. Dies kündigte Kerstin Seyfert (CDU), Vorsitzende des Kulturausschusses des Kreistags, am Donnerstagabend während einer Ausschussitzung an.

„Dieser Rücktritt ist ein Paukenschlag“, sagte Seyfert. Sie habe im Vorfeld mehrfach versucht, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Entgegen Kraskes Vorwurf, hätte sie alle Jurymitglieder zum „Runden Tisch Kultur“ eingeladen, doch keiner von ihnen sei bei der Veranstaltung erschienen. Zudem habe es Gespräche mit Gerhard Folkerts, einem ehemaligen Jury-Mitglied für die Sparte Musik, gegeben. „Die Transparenz war vor der Entscheidung des Kreistags da“, sagte Seyfert. Außerdem seien die neuen Kulturpreisrichtlinien ein Kompromiss, in denen sich auch Anregungen von Kulturschaffenden wiederfänden. „Wir können nicht eins zu eins die Vorschläge von Herrn Folkerts oder Herrn Kraske übernehmen“, so Seyfert.

Diesem stimmte auch Kreispräsident Burkhard Tiemann (CDU) zu, der derzeit selbst wegen der Vergabe von Ehrennadeln des Kreises ohne Abstimmung mit einem politischen Gremium in die Kritik geraten ist. „Der Kreistag muss die Richtlinien für den Kulturpreis des Kreises festlegen. Und wenn eine Mehrheit diese beschließt, muss sich die Jury daran halten“, sagte er.

Nicolai Overbeck, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, halte es für wichtig, noch einmal auf die zurückgetretenen Jury-Mitglieder zuzugehen. „Es scheint ein Missverständnis zwischen ihnen und uns Politikern gegeben zu haben“, sagte er. Bei der Richtlinienänderung sei es nicht darum gegangen, die Jury zu bevormunden, wie Kraske es in seinem Brief dargestellt habe, sondern darum, die Zielrichtung des Preises anzupassen. Overbeck hoffe, einige der Zurückgetretenen davon überzeugen zu können, weiterhin bei der Jury mitzumachen. An der Entscheidung des Kreistags halte er dennoch fest. „Wir haben nach gutem Gewissen entschieden, da brauchen wir uns nichts vorzuwerfen“, sagte er.

Sven Lange, Vorsitzender der Fraktion Die Linke und Piraten, schlug vor, die Preisvergabe in diesem Jahr auszusetzen und das Preisgeld für soziale Zwecke zu nutzen. Dies hielten viele andere jedoch für unnötig. So sagte Tieman: „Wir kriegen vielleicht in diesem Jahr keine bessere Jury, aber sicherlich auch keine schlechtere, bei dem kulturellen Potential, das wir im Kreis Pinneberg haben.“

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