Integration : Die Pinneberger Stadtbücherei ist ein geschützter Ort zum Lernen

Bestens ausgestattet: Maren Sausmikat, Mitarbeiterin der Stadtbücherei Pinneberg, und Bettina Göttsche, stellvertretende Büchereileiterin, haben Lehrwerke für Deutsch im Angebot.
Foto:
1 von 2
Bestens ausgestattet: Maren Sausmikat, Mitarbeiterin der Stadtbücherei Pinneberg, und Bettina Göttsche, stellvertretende Büchereileiterin, haben Lehrwerke für Deutsch im Angebot.

Die Bücherei hat ein großes Angebot für Flüchtlinge, die ihr Deutsch außerhalb von Sprachkursen aufbessern möchten.

shz.de von
17. Januar 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Nach den großen Flüchtlingsströmen, der Registrierung und Unterbringung hat jetzt die Zeit der tatsächlichen Integration für die Geflüchteten begonnen, das Sprechen der deutschen Sprache, der Bezug einer eigenen Wohnung und der Arbeitsbeginn. Aber die Vorstellung, wie es laufen sollte, weicht manchmal von der Realität ab. Wie gelingt die Integration in Pinneberg? Heute stellt die Pinneberger Stadtbücherei ihr Sprachlernangebot vor. 

„Talk German and meet people – just come along“: Die Stadtbücherei Pinneberg hat in den vergangenen zwei Jahren ihre Serviceleistungen und ihr Medienangebot für Menschen mit Migrationshintergrund erheblich erweitert. Damit möchte man dem großen Informations- und Sprachlernbedarf der ankommenden Flüchtlinge umfangreich entsprechen. Es gibt eine neue Abteilung mit Sprachlernmedien und Lernmaterialien, mehrsprachige Flyer, offene Treffpunkte, einen E-Learning-Platz „Alpha-Point“ und eine Gesprächsgruppe.

„Es hat sich für uns tatsächlich einiges verändert“, sagt Bettina Göttsche. Die stellvertretende Stadtbücherei-Leiterin, ihre Kollegin Maren Sausmikat und alle anderen Helfer haben dafür gesorgt, dass aus der Stadtbücherei auch ein Treffpunkt und Lernort für Zugewanderte geworden ist. Das bedeutet für das Team Engagement und Mehrarbeit. Die Aufgaben der Bücherei sind vielfältiger geworden. „Wir bieten verschiedene niedrigschwellige Möglichkeiten zum Erlernen der deutschen Sprache an, machen bei einer Alphabetisierungs-Kampagne mit und geben häufig Tipps zum Weiterlernen“, so die Bibliothekarinnen. „Und wir sind als Alltagsunterstützer gefragt. Eigentlich kommen die Geflüchteten mit Fragen rund um das ganze Leben zu uns.“ Der erforderliche verstärkte Einsatz stört die beiden nicht. „Natürlich ist es manchmal viel“, so Göttsche, „aber wenn die Geflüchteten sich freuen und man weiterhelfen konnte, kommt ja auch etwas zurück.“

Die Bibliothekarinnen wissen, wie entscheidend das Erlernen der Sprache ist: „Es ist eine wichtige Grundlage für das Leben in einem anderen Land“ sagt Sausmikat. Deshalb wird in der Pinneberger Bücherei der Gesprächskreis Deutsch angeboten. Immer montags von 16.45 bis 17.45 Uhr können Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund teilnehmen. Geschulte Ehrenamtliche übernehmen die Moderation. Es gelten Regeln: Das Gespräch soll politisch und religiös neutral gehalten werden, nicht kommerziell sein und das Mitmachen und Sprechen ist freiwillig – ohne Anmeldung und offen für jeden. „Deutschkurse sind eine Sache“, sagt Göttsche, „aber im Alltag Deutsch reden eine andere.“ Viele Geflüchtete, vor allem Frauen, blieben unter sich und verlernten nach den Kursen schnell, was sie sich an deutschen Sprachkenntnissen angeeignet hatten. „Das muss immer wieder trainiert werden. Wir bieten hier einen geschützten Ort dafür an“, sagt Göttsche. Inzwischen nutzen mehr Menschen die Bibliothek auch als Lernort. Der Bedarf an PC-Arbeitsplätzen ist gestiegen, bestätigen die Bibliothekarinnen. Sausmikat: „Wir könnten gut noch einen zusätzlichen E-Learning-Arbeitsplatz gebrauchen. Wartezeiten für die Lernenden würden dann kürzer ausfallen.“

Und? Wie sehen die beiden Bibliothekarinnen die Chance für eine gelungene Integration in Pinneberg? Beide sind sich einig: „Sehr gut. Aber man braucht Zeit, Geduld und viele Sprachlehrer.“

zur Startseite
Karte

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert