Silvesterbilanz : Die Nacht der Knaller-Opfer

Brenzliger Einsatz: Die Feuerwehr im Kampf gegen einen Dachstuhlbrand in Wilhelmsburg.
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Brenzliger Einsatz: Die Feuerwehr im Kampf gegen einen Dachstuhlbrand in Wilhelmsburg.

1018 Einsätze für Hamburgs Feuerwehr. Hochbetrieb in Kliniken. Schüsse am Jungfernstieg und in Bahrenfeld.

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01. Januar 2015, 16:34 Uhr

Sie lernen es nicht: Durch den unachtsamen Umgang mit Feuerwerkskörpern sind in der Silvesternacht in Hamburg Dutzende Menschen teils schwer verletzt worden. Mehrere der Unglücke wurden durch illegale Feuerwerkskörper verursacht. Besonders schlimm traf es einen 41-Jährigen in der Jungliebstraße (Schnelsen-Burgwedel). Feuerwehrsprecher Thortsten Grans: „Der Mann erlitt durch sogenannte Polenböller schwerste Augen-und Gesichtsverletzungen.“

Die Asklepios-Kliniken vermeldeten für die Hansestadt 450 Notfalleinsätze in der turbulentesten Nacht des Jahres, ein Plus von etwa zehn Prozent. Ein Asklepios-Sprecher: „Zu den häufigsten Verletzungen zählten Verbrennungen durch Feuerwerkskörper an den Händen sowie Platzwunden, Prellungen, Brüche und Schnittverletzungen durch Stürze oder körperliche Auseinandersetzungen.“ Vereinzelt gab es Augenverletzungen sowie ein Knalltrauma. Bei der Hälfte der Patienten standen die Verletzungen laut den Ärzten im Zusammenhang mit dem übermäßigen Alkoholkonsum.

Die Feuerwehr meldete für den Zeitraum von 18 Uhr bis 6 Uhr insgesamt 1018 Einsätze, durchschnittlich mehr als einer pro Minute. 234 Brände wurden bekämpft, davon 74 größere. Hinzu kamen 15 technische Hilfeleistungen und 769 Rettungsdiensteinsätze.

Die bemerkenswertesten Fälle für Feuerwehr und Polizei in ihrer härtesten Nacht des Jahrers:

  • An der Fährstraße/Georg-Wilhelm-Straße (Wilhelmsburg) brannte das Dachgeschoss eines vierstöckigen Wohngebäudes. Die Retter brachten zwei Gehbehinderte in Sicherheit.
  • An der Schützenstraße (Bahrenfeld) wurden aus einem Fenster scharfe Schüsse abgefeuert. Weil das schon in den Vorjahren so war, hatten sich Zivilfahnder auf die Lauer gelegt. Mit Unterstützung von Bereitschaftspolizei und Diensthund „Faron“ stürmten sie die Wohnung und nahmen sechs Männer im Alter zwischen 24 und 49 Jahren fest. Diensthund „Faron“ spürte eine Neun-Millimeter-Pistole mit gefülltem Magazin, 85 Patronen und sechs Patronenhülsen auf. Wer von den Männern geschossen hat, sollen nun die Schmauchspuren zeigen.
  • Am Jungfernstieg (Innenstadt) feuerte ein 24-Jähriger aus dem Fenster seines VW Passat mit einer Pistole. Als Fahnder den Mann stoppen wollten, gab dieser Gas und fuhr einem Polizisten über den Fuß. Dank seiner Schutzausrüstung blieb er unverletzt. Auf der Lombardsbrücke war die Flucht beendet, der Schütze wurde vorläufig festgenommen. Im Fußraum des Passat lagen eine Schreckschusspistole und Munition.
  • An der Fuhlsbüttler Straße (Fuhlsbüttel) brannte ein Keller. Ein Bewohner wurde per Drehleiter aus dem dritten Stock gerettet. Zwei Personen kamen mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.
  • Am Hellmesbergerweg (Rahlstedt) explodierte einem Mann (40) ein Böller in der Hand. Er erlitt schwere Verletzungen und kam ins Krankenhaus.

Die Stadtreinigung begann noch in der Nacht mit dem Großreinemachen. Zirka 25 Tonnen Feier-Abfall kamen zusammen.

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