Flüchtlinge in Halstenbek : Die Menschen willkommen heißen

2007 wurden  Schulcontainer auf dem Areal der ehemaligen Realschule aufgestellt. Der Bestand wird jetzt als Unterkunft für Asylbewerber – meist aus dem Bürgerkriegsland Syrien – umfunktioniert.
2007 wurden Schulcontainer auf dem Areal der ehemaligen Realschule aufgestellt. Der Bestand wird jetzt als Unterkunft für Asylbewerber – meist aus dem Bürgerkriegsland Syrien – umfunktioniert.

Hilfsbereitschaft zeigen: 63 Asylbewerber suchen in der Gemeinde Schutz. Die Verwaltung bittet die Bürger um Toleranz.

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27. November 2013, 16:00 Uhr

In Halstenbek leben zurzeit 63 Asylbewerber – zusätzlich noch sechs Spätaussiedler und 13 Obdachlose. Die Redaktion dieser Zeitung erreichen täglich Anrufe von Bürgern, die sich deshalb ängstigen. Sich fürchten vor dem Fremden. Und kritisieren, dass direkt vor ihrem Wohnzimmer Container auf gemeindeeigenen Flächen (sind der Redaktion bekannt) aufgestellt werden, um Menschen aus Bürgerkriegsländern wie Syrien menschenwürdig unterzubringen. Ein Pulverfass?

Fakt ist: Die gesellschaftliche Herausforderung ist längst in Halstenbek angekommen. Container – damit muss sich die Kommune Halstenbek vorübergehend behelfen. Aus Not an Räumlichkeiten. Susanne Dietrich, Leiterin des Ressorts Bürgerservice, und ihre Kollegin Christine Jordan koordinieren Aufstellung und Verteilung. „Familien bleiben zusammen, allein ankommende Frauen und Männer – verängstigt, oft nur mit einer Plastiktüte als Hab und Gut in der Hand – werden getrennt untergebracht“, beschreibt Dietrich die tägliche logistische Herausforderung. Hinzu komme das Problem mit der Sprache, der sensible Umgang mit der Religion, der Ideologie, den Mentalitäten.

Klar, sie kenne die Befürchtungen, Ängste und Vorurteile in der Bevölkerung. Dietrich bittet daher um „Verständnis für die Menschen, die oft unter Einsatz ihres Lebens geflüchtet sind. Wir müssen unsere Willkommenskultur verbessern. Niemand muss Angst haben“, so Dietrich. „Die Menschen sind froh, wenn sie in Ruhe gelassen werden.“

Der Kreis Pinneberg verantwortet federführend die Zuteilung an die Kommunen. In der Regel gibt es eine Woche vorher Bescheid, oft stehen die Menschen von einer Stunde auf die andere vor der Tür. Dem stellen sich Dietrich und Jordan. Zwei Monate bis zu zwei Jahren dauert in der Regel das Asylbewerberverfahren.

Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann (parteilos) appeliert an die Toleranz ihrer Bürger: „ Ich wünsche mir sehr, dass diese Menschen bei uns freundlich begrüßt und ihnen mit Respekt und Wertschätzung gegenübergetreten wird. Die vielen Menschen kommen aus Ländern zu uns, die Leid, Schrecken, Hunger und Gewalt in ihrer Heimat erfahren haben und bei uns Asyl suchen.“ Gerade diejenigen, die viel Grausames durch die Bürgerkriege, die in ihrer Heimat toben, erfahren hätten, „vor deren Gewalten sie zu uns geflohen sind, sollten wir besonders willkommen heißen, ihnen Sicherheit, Schutz und ein menschenwürdiges Leben gewähren.“

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