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Pinneberger Tageblatt

19. August 2017 | 15:24 Uhr

Die Männer hinter den Bäumen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Thema der Woche Ein Prachtpark wie das Ellerhooper Arboretum entsteht und erhält sich nicht von allein – wer sind die Köpfe dahinter?

Ein Garten ist keine Natur, sondern Kultur – Kunst und Wissenschaft fließen in seine Gestaltung. Entsprechend ist seine Schönheit entscheidend geprägt von den Menschen, die ihn planen, hegen und pflegen. Viele fleißige Gärtnerhände setzen um, was Professor Hans-Dieter Warda, Dendrologe und seit 1985 Leiter und kreativer Kopf des Arboretums, im wahrsten Sinne des Wortes „ausgeheckt“ hat. Doch was ist ein Mann allein? Auch Warda braucht jemanden, der mitzieht, mit dem er sich austauschen und seine Visionen teilen kann. So jemanden hat er in Richard Bischoff gefunden.

Bischoff heuerte 2007 im Arboretum als Gärtner an, hatte aber in Göttingen Forstwissenschaft studiert. „Es wurden damals gerade viele Förstereien zusammengelegt, und da war einfach kein Posten zu kriegen“, erinnert sich Bischoff, der sich nicht scheute, dann eben selbst zu Rechen und Spaten zu greifen. Warda erkannte die Fähigkeiten seines neuen Gärtners schnell: „Ich merkte, dass er für die reine Gartenarbeit zu schade war,“ berichtet Warda. So band er ihn zunehmend in die Verwaltung des Baumparks ein. Im Laufe seines ersten Arbeitsjahres rutschte Bischoff immer mehr vom Beet ins Büro, wo mittlerweile sein fester Platz ist. Zu schade wäre er aber offenbar auch nur auf dem Schreibtischstuhl: Bischoff leitet seit 2012 selbst das Poppenbüttler Arboretum Marienhof.

Gemeinsam gingen sie 2013 ein buchstäbliches „Mammutprojekt“ an: Den Nachbau des kalifornischen Mammutbaums General Sherman in Ellerhoop. Dazu reisten sie gemeinsam in die USA und durften mit einer Sondergenehmigung des Sequoia National Parks, in dem der 84      Meter große Riese steht, auf Tuchfühlung mit dem prominenten Baum ihre Vermessungen durchführen. Wie zwei begeisterte Schuljungen von ihren Streichen, berichten beide von dieser Reise. „Ich wollte unbedingt in einer Nische des General Shermans eine Nacht verbringen und hören, was mir der Baum erzählt“, berichtet Warda. Bevor es dazu kam, habe während der Arbeiten plötzlich Bischoff vor ihm gestanden und gesagt: „Wir müssen sofort hier weg.“ Warda habe nicht zugehört und akribisch seine Messungen verfolgt. „Wir haben ein Problem“, habe Bischoff insistiert. „Warum?“, fragte Warda, und Bischoff antwortete: „Hinter uns steht ein Bär.“ Der trollte sich zwar, aber auf die Übernachtung verzichtete der Professor dann doch. Heute lachen beide gemeinsam über die Geschichte. Eifrig berichten sie, wie in Ellerhoop dann die Arbeiten für den Bau begannen, wie Bischoff in minuziöser Kleinarbeit die Mappen zum naturgetreuen Nachbau ausarbeitete und wie genau es Warda mit der Detailtreue genommen hatte: „Ich war der meistgehasste Mann auf der Baustelle, wenn ich morgens kam mit meinen Verbesserungswünschen. Ich habe nichts durchgehen lassen“, erinnert er sich. Kompromisslos habe er immer wieder Teile einreißen und neu modellieren lassen. „Die Firma wäre bald daran zugrunde gegangen, der Chef stand kurz vor dem Burn-Out“, sagt er, „aber jetzt verbürge ich mich dafür, dass das Ergebnis absolut identisch mit dem Original ist.“ Für alle Beteiligten seien die Erinnerungen aber doch positiv: „Am Ende hat es jedem Spaß gemacht. Auch die Firma ist stolz auf das Ergebnis“, sagt Warda. „Und wenn der Stress zu groß wurde, ließen wir aus dem Hofcafé Eis kommen. Wir haben tonnenweise Eis gegessen in dem Sommer.“

Auch nach dem Projekt ergeben sich für beide neue Vorhaben: Mit ihren jeweiligen Arboreten kooperieren sie auch bei Forschungsvorhaben zum Thema „Wasserwald“. Auch die Informationstafeln im Ellerhooper Arboretum sind von Bischoff verfasst.

Der aus dem waldreichen Templin stammende Bischoff entdeckte die Liebe zu Bäumen bereits als Kind, besuchte die dort wachsenden Ivenacker-Eichen, unter denen auch 1000-jährige Bäume sind. „Mich begeistert die Langlebigkeit der Bäume. Sie sehen, wie Zeiten sich ändern. Unser Leben ist nur ein Augenblick in dem eines Baumes“, sagt Bischoff. Und Warda ergänzt: „Bäume sind ein Symbol für Ausdauer und Beständigkeit, was wir Menschen uns wünschen.“ In Amerika besuchten sie auch den ältesten Baum der Welt, eine 4700 Jahre alte Grannenkiefer.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 16:00 Uhr

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