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Pinneberger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 14:32 Uhr

„Die Leute wollen mehr Freiheit“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Unrechtsbewusstsein von Autofahrern geht laut Polizei zurück / Unfälle mit E-Bikes werden in den kommenden Jahren zunehmen

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2016 | 16:00 Uhr

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis Pinneberg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, und zwar überproportional zum Bevölkerungswachstum. Dies geht aus dem Verkehrssicherheitsbericht 2015 hervor, den Jan Lewering (Foto), stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Bad Segeberg, gestern gemeinsam mit Kollegen aus dem Bereich Verkehr in Bad Segeberg vorstellte. Auch die Zahl der Verletzten und Getöteten ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Die Hauptursachen für Unfälle waren im vergangenen Jahr Fehler beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren, Vorfahrtsmissachtungen sowie nicht-angepasste Geschwindigkeiten. Insbesondere bei jungen Fahren zwischen 18 und 24 Jahren spiele Raserei eine große Rolle, sagte Lewering. „Die jungen Fahrer sind auch für 20 Prozent der Unfälle verantwortlich, obwohl sie nur acht Prozent der Bevölkerung ausmachen“, sagte Lewering. Der Anteil durch Senioren verursachter Unfälle hingegen sei geringer als ihr Anteil an der Bevölkerung. „Dafür haben ihre Unfälle meist schlimmere Folgen“, sagte Lewering. „Bei ihnen ist die Ursache oft mangelndes Erkennen von komplexen Verkehrssituationen.“

Lewering berichtete, dass die Polizei in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Verkehrsmoral beobachtet habe. „Die Leute wollen mehr Freiheit haben“, sagte er. In der vergangenen Woche habe die Polizeidirektion etwa einen Schwerpunkt auf Gurt-Kontrollen gelegt. „Wenn die Beamten, die Autofahrer dann darauf angesprochen haben, dass das 30 Euro kostet, wurden sie oft in Diskussionen verstrickt. Die Fahrer haben nicht einsehen wollen, dass sie einen Fehler gemacht haben“, sagte Lewering. „Ich spreche ja immer von der Mutter, die ihre Kinder nur mal schnell um die Ecke bringt“, sagte er. Auch in Bezug auf die Benutzung von Mobiltelefonen während der Fahrt, zeigten sich die Verkehrsteilnehmer oft nicht einsichtig, sagte er. „Auf Einsicht kann man da nicht hoffen, die Menschen haben keine Angst vor Unfällen, sondern lediglich Angst vor Strafen“, sagte Lewering.

In der Unfallstatistik werde Ablenkung bislang nicht als Ursache erfasst. Lediglich bei schweren Unfällen beschlagnahme man die Telefone, um herauszufinden, ob der Verursacher nicht gerade am Telefonieren war, als er den Fahrfehler machte, der zum Unfall führte. „2013 gab es einen tödlichen Verkehrsunfall, bei dem ein Mann gegen einen Baum gefahren ist. Die Beamten haben später im Fußraum ein Handy mit einer zur Hälfte geschriebenen SMS gefunden“, berichtete Kai Sievers, der bei der Sachgruppe Verkehr der Polizeidirektion arbeitet. Er gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren Ablenkung als Ursache in die Verkehrsstatistik aufgenommen wird.

Ein weiteres Problem der Zukunft, das sich laut Polizei langsam andeutet, sind Unfälle mit E-Bikes. „Viele Senioren, die sich nicht mehr in der Lage sehen, Auto zu fahren, sind bislang davor zurückgeschreckt, auf Fahrräder umzusteigen, weil das Radfahren ihnen zu anstrengend erschien“, sagte Lewering. Für E-Bikes müssten sie jedoch keine Kraft aufwenden, sodass sich diese zu einer Alternative entwickelten. „Die E-Bikes sind aber auch viel schneller. Und mit zunehmender Geschwindigkeit nehmen auch die Unfälle zu“, erläuterte Lewering.

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