Migration : „Die Lage in Pinneberg ist dramatisch“

Im Jahr 2013 nahm Pinneberg 57 Menschen auf.
Im Jahr 2013 nahm Pinneberg 57 Menschen auf.

Die Stadt sucht dringend neue Unterkünfte.

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01. Juli 2014, 10:00 Uhr

Pinneberg | Die Zahl der Asylbewerber in Pinneberg wird voraussichtlich weiter steigen. Das geht aus einer Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge hervor. Für die Kreisstadt wird für 2014 mit einer Zuweisung von 80 bis 100 Personen kalkuliert. 2013 nahm Pinneberg 57 Menschen auf. Die Stadt muss für Asylbewerber – genau wie für Obdachlose – eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Angemessener Wohnraum ist knapp, die Stadt greift bereits auf Hotels und Pensionen zurück. Die Verwaltung will daher vom Prinzip der dezentralen Unterbringung abweichen. Der Sozialausschuss berät heute über das Thema.

Seit 1986 gibt es die Vorgabe, Obdachlose und Asylbewerber nicht in großen Sammelunterkünften, sondern über das Stadtgebiet verteilt mit Wohnungen zu versorgen. Derzeit sind in Pinneberg 173 Obdachlose untergebracht. 134 davon leben in stadteigenen oder angemieteten Unterkünften. 38 derartige Objekte stehen der Verwaltung zur Verfügung. 39 Menschen wohnen in in Hotels oder Pensionen. Mit einem Aufruf hatte die Verwaltung bereits nach neuen Mietwohnungen gesucht, der Appell verhallte jedoch weitgehend ungehört. Bürgermeisterin Urte Steinberg gibt die Hoffnung aber nicht auf: „Wir sind für jeden Vermieter dankbar, der sich bei uns meldet.“ Die Stadt übernehme die Miete vollständig, komme auch für eventuelle Schäden auf.

Pinneberg sucht daher nach Alternativen. Die Stadt hat mittlerweile ein Objekt im Auge, in dem 20 bis 30 Menschen ein zeitweiliges Zuhause finden könnten. Dafür müsste aber der Beschluss aus dem Jahr 1986 aufgehoben werden. Im Anschluss könnten dann auch weitere Sammelunterkünfte gesucht werden. Dabei sollten eigentlich durch die dezentrale Unterbringung soziale Brennpunkte vermieden werden, die obdachlosen Menschen besser integriert werden. Steinberg macht deutlich: „Wir stehen grundsätzlich zur dezentralen Unterbringung – aber die Situation ist dramatisch. Wir müssen handeln.“ Für die Rathauschefin wäre eine Sammelunterkunft keine Dauerlösung. Außer der Miete entstünden auch weitere Kosten. Ein Hausmeisterdienst müsste die Gebäude betreuen, außerdem wäre eine soziale Betreuung und Unterstützung vor Ort nötig. In der derzeitigen Situation hieße die Alternative Wohncontainer für Asylbewerber und Obdachlose, macht die Bürgermeisterin deutlich.

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