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Das Sonntagsgespräch : „Die Kunst kann Kraft geben“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit dem Künstler Jörgen Habedank.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Tornesh | Jörgen Habedank (54) ist einer der bekanntesten Künstler in der Region. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, was  die Kunst für ihn bedeutet und dass er am Anfang häufig noch nicht weiß, wie ein Werk am Ende aussieht.

Warum ist Ihnen Kunst wichtig?
Kunst ist für mich und für den „Kunsterleber“ eine Art Nahrung. Interessanterweise schlägt sich das sogar im Steuergesetz nieder. Kunst wird genauso wie Nahrungsmittel mit sieben Prozent Mehrwertsteuer besteuert. Wenn es keine Kunst geben würde, wäre das ein Mangel, den man stark spüren würde. Man würde die Möglichkeit verlieren, einen Moment innezuhalten und die Aufmerksamkeit auf etwas Besonderes zu richten. Egal, ob es dabei um Musik, Literatur oder bildende Kunst geht.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?
Ich versuche, jeden Tag im Atelier zu sein, um in einen guten Rhythmus zu kommen. Die Arbeit hängt stark davon ab, ob ich Aufträgen im Bereich architekturbezogene Kunst nachkomme oder ob ich mich meiner eigenen freien Malerei widme. Das eine ist zielgerichtet für einen bestimmten Ort. Beim anderen arbeite ich mehr auf Verdacht – ganz frei. Bei Auftragsarbeiten weiß ich vorher ungefähr, wie das Endergebnis aussieht. Bei der freien Malerei habe ich am Anfang keine genaue Vorstellung, was entsteht, das Kunstwerk wächst und entwickelt sich langsam und sehr offen. Als Fingerübung oder Etüde für die freie Arbeit zeichne ich gerne. Unter anderem, wenn ich in Konzerten bin, da entstehen schnelle Skizzen von den Musikern. Dieses schnelle Beobachten macht mich beweglich. Es gibt Berge von Skizzenbüchern angefüllt mit berühmten Musikern.

Wie kam es dazu, dass sie Künstler wurden?
Ich habe als Jugendlicher schon angefangen, kreativ zu sein und früh erste Volkshochschulkurse belegt. Dabei hatte ich das Glück, auf jemanden zu treffen, der gerade von der Kunstakademie kam und mir viele wertvolle Anstöße gab. Danach ging es kontinuierlich weiter. Ich hatte anfangs gar nicht vor, als freier Künstler zu arbeiten und habe zunächst nach einer handwerklichen und pädagogischen Ausbildung Kunst und Werken unterrichtet. Dann habe ich den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit gewagt – und gewonnen. Auf Grund meiner  leuchtenden Farbmalerei habe ich dann bald Zugang zur modernen Glasgestaltung bekommen. Seitdem habe ich das große Glück, durch die Kombination von Auftragsarbeit in der Glasmalerei und der freien Kunst davon leben zu können.

Wie würden Sie selbst Ihre Kunst beschreiben?
Sie ist farbig, leuchtend und vielschichtig. Das spiegelt wohl auch mein Naturell wider: Ich bin ein optimistischer, neugieriger und fröhlicher Mensch. Ich versuche, in der Kunst schon auch das Ernste und Tiefgründige auszuloten, aber eher im Geheimnis von Licht, Farbe und Komposition. Die negativen Seiten des Lebens sind ohnehin täglich präsent – die brauche ich nicht noch nachzubilden. Deshalb versuche ich die Dinge unter der Oberfläche „wachzumalen“.

Sie haben Günter Grass gezeichnet. Wie kam es dazu?
Im Rahmen meiner bereits erwähnten „Fingerübungen“. Ich war vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung für Jugendliche im Hamburger Literaturhaus mit Günter Grass. Ich durfte dann auch im privaten Nachgespräch dabei sein, bei dem ich Grass noch anders erleben konnte. Das Alter war ihm anzumerken, aber die blitzenden Augen und der wache Geist haben mich begeistert. Das festzuhalten, war eine spannende Herausforderung.

Ihr Atelier ist eine alte Mühle. Mögen Sie Geschichte und historische Gebäude?
Auf jeden Fall. Der Charme und die Atmosphäre eines solchen Gebäudes sind für meine Arbeit ideal.  Die Mühle bietet sich zudem an, um den netten Spruch loszuwerden: „Wo früher gemahlen wurde, wird jetzt gemalt.“

Wie würden Sie den Begriff „Kunst“ definieren?
Es gibt ein Buch mit 1001 Antworten auf die Frage „Was ist Kunst?“. Das zeigt, dass keine eindeutige Antwort möglich ist. Kunst ist immer Bewegung und Annäherung an ein Geheimnis. Dazu ist es wichtig, sich mit Kunst zu umgeben, weil sie uns Kraft geben kann, weil sie belebt, weil sie Fragen stellt.

Jörgen Habedanks Atelier befindet sich an der Friedrichstraße 21a in Tornesch. Der Künstler ist verheiratet und lebt als Familienvater seit 1989 im Kreis Pinneberg. farbige-kunst.de
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