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Einblicke in die Arbeitswelt : Die Kreisverwaltung - aktiv beim Thema Inklusion

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Melena Siedo erhält als erste Praktikantin im Zuge des Projektes Übergang Schule-Beruf Einblicke in die Arbeitswelt.

Elmshorn | Die Kreisverwaltung Pinneberg ist in Sachen Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen einen großen Schritt nach vorn gegangen. In den vergangenen zwei Wochen hat die Schülerin Melena Siedo, die aufgrund einer Hemiparese (Lähmung einer Körperhälfte) eingeschränkt ist, von der Raboisenschule ein Praktikum im Fachdienst Soziales absolviert. Diese Möglichkeit wurde der 18-Jährigen vom Modellprojekt Übergang Schule-Beruf verschafft.

Das Modellprojekt soll junge Menschen mit Förderbedarf beim Übergang von Schule in den Beruf begleiten. Die Schüler der Förderzentren werden in ihren individuellen Kompetenzen gefördert und erhalten Informationen über verschiedene Berufswege. Im Zuge von Praktika können sie Erfahrungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sammeln. Unter dem Schirm des Projektes arbeiten im Kreis Pinneberg die Agentur für Arbeit Elmshorn, die Kreisverwaltung, der Integrationsfachdienst und die Förderzentren Raboisen- sowie Heideweg-Schule zusammen.

Projektkoordinatorin Jessica Moschek von der Kreisverwaltung entschied sich im März dazu, selbst tätig zu werden und eine Praktikantin zu betreuen. Da traf es sich gut, dass die Beraterin des Integrationsfachdiensts, Marie Kögging, sich mit der Bitte um Praktikumsplätze an die Kreisverwaltung gewandt hatte. Kögging betreut aktuell 25 Schüler an dcr Raboisen- und zwei Schüler an der Erich Kästner Schule in Elmshorn. Einmal in der Woche informiert sie die Schüler mit Behinderungen über Berufe, und übt mit ihnen die Selbstdarstellung.

Von Kögges Schützlingen empfahl sich Siedo als geeignete Kandidatin, da diese mit großer Begeisterung am PC arbeitet. So kam es, dass die Schülerin kurz vor Ende ihrer Schullaufbahn ein Praktikum in der Kreisverwaltung beginnen konnte.

In den zwei Wochen fielen unter anderem die Materialbestellung, die Buchung von Besprechungsräumen und die Aktualisierung von Telefonlisten in ihren Aufgabenbereich. „Am besten hat mir die Materialbestellung gefallen. Das alphabetische Einsortieren der Unterlagen fand ich am schwierigsten“, erzählt Siedo. Die Schülerin wurde im Vorwege von Kögging auf das Praktikum vorbereitet und währenddessen zweimal von ihr besucht.

Auch Moschek hat sich gut auf das Praktikum vorbereitet. „Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, welche Arbeiten ich Melena zeigen könnte.“ Kurz vor Ende des Praktikums zieht sie das folgende Fazit: „Melena hat ihre Sache sehr gut gemacht. Besonders mit den Computerprogrammen Word und Outlook konnte sie gut umgehen.“ Das bestätigt der Leiter des Kreisfachdienstes Soziales, Alexander Treiber: „Sie wurde gut von den Kollegen angenommen und war immer voll beschäftigt. Einige Aufgaben musste sie sogar aus Zeitmangel ablehnen.“

Die spezifische Suche als Problemfaktor

Am Anfang des Inklusions-Engagements der Kreisverwaltung ist Treiber nach eigener Einschätzung viel zu anspruchsvoll an die Sache herangegangen: „Es gibt Menschen, denen Briefe falten und eintüten Spaß macht und die sich über eine solche Tätigkeit freuen.“ Dabei sei Menschen mit Behinderung in erster Linie die Teilhabe am Arbeitsleben wichtig. „Auf diese Weise erfahren sie Wertschätzung durch andere und die Arbeit macht ihnen Spaß“, führt Treiber aus.

Eine Schwierigkeit bei der Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt sei oft, dass Arbeitgeber üblicherweise sehr spezifisch nach Kräften suchen, die eine bestimmte Arbeit erledigen. „Im Umgang mit Menschen mit Behinderungen muss man anders herum denken. Man guckt zuerst, was der Mensch kann und danach schaut man, welche Aufgaben man für ihn hat“, erklärt Treiber.

Siedo ist die erste Schülerin, die während des Modellprojekts ein längeres Praktikum in der Kreisverwaltung absolviert hat. „Noch ist es schwer, ein Praktikum in der Verwaltung zu finden“ sagt, Kögging. Treiber betont jedoch: „In der Kreisverwaltung herrscht Aufbruchstimmung.“ Schon im September startet der nächste Schüler der Raboisenschule sein Praktikum – diesmal in der Poststelle.

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erstellt am 18.Jul.2017 | 12:00 Uhr

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