Bahnsteigkarte in Pinneberg : Die Kontrollen werden vorerst ausgesetzt

Keine Ticketpflicht in Pinnebergs Unterführung: Mindestens bis zur Umgestaltung des Bahnhofs braucht niemand eine Bahnsteigkarte lösen.
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Keine Ticketpflicht in Pinnebergs Unterführung: Mindestens bis zur Umgestaltung des Bahnhofs braucht niemand eine Bahnsteigkarte lösen.

Unternehmen verzichtet mindestens bis zu den Umbaumaßnahmen am Pinneberger Bahnhof auf die Ticketpflicht

shz.de von
30. Mai 2015, 16:00 Uhr

Pinneberg | Offiziell aufgehoben ist die Bahnsteigkartenpflicht in Pinneberg nicht, aber: Kontrollen finden auch nicht statt. Das bestätigt Sabine Brunkhorst, Pressesprecherin der Deutschen Bahn (DB), auf Anfrage dieser Zeitung. „Aufgrund der verkehrlichen Situation in Pinneberg finden dort derzeit keine Abgangskontrollen statt“, sagt Brunkhorst. Und das wird mindestens bis zur Umgestaltung des Pinneberger Bahnhofs im Frühjahr 2016 so bleiben.

Die Vorgeschichte: Ein kleines Stück Papier sorgte im April für Aufruhr in Pinneberg – die Bahnsteigkarte. 30 Cent sollte jeder, der den Bahnhof der Kreisstadt betritt, zahlen. Doch nur ein einziges Schild im gesamten Bahnhof wies darauf hin.

Bahnsteigkarte? Gewusst hatte davon eigentlich niemand. Auch das Flüchtlingspaar, das Anfang März erst seit zwei Wochen in Deutschland war, löste für die Nutzung der Unterführung kein Ticket. Der 24-Jährige und seine 19-jährige Ehefrau flohen aus dem Irak, weil sie der verfolgten religiösen Minderheit der Jesiden angehören. Sie konnten weder Deutsch noch Englisch. Trotz Sprachbarriere verlangten die Kontrolleure der DB-Sicherheit ein erhöhtes Beförderungsentgelt. Das Paar verstand nur Bahnhof, als die Kontrolleure sie zu einer Bußgeldstrafe von 80 Euro verdonnerten. Sie waren doch gar nicht Bahn gefahren, wurden aber wie Schwarzfahrer geahndet.

Eingeschüchtert zahlte das Paar die Strafe. Doch ein deutscher Jugendlicher geriet in dieselbe Kontrolle, auch er wusste nichts von der Ticketpflicht. Seine Mutter rief bei der Fahrgeldstelle an, da hieß es: „Die Regelung gilt für Pinneberg nicht mehr.“ Zahlen musste der 17-Jährige danach nicht. Die Verwirrung um das kleine Stück Papier für 30 Cent war perfekt.

Ausschließlich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und ein Verbund in München fordern in Deutschland noch Bahnsteigkarten. Problem in Pinneberg: Der Bahnhof gehört der Deutschen Bahn und wird auch von der Nordbahn und dem HVV genutzt. Zwei von fünf Gleisen beansprucht der HVV mit seinen S-Bahnen. Ein Bahnsteig wird in der Kreisstadt geteilt: An Gleis 2 halten die S-Bahnen, an Gleis 3 der Regionalverkehr. Die Unterführung am Pinneberger Bahnhof nutzen viele Bürger, um von einer zur anderen Seite der Stadt zu gelangen. Gezwungenermaßen passiert man dabei das Mischgleis. Zunächst pochte die Bahn bei wiederholten Anfragen dieser Zeitung auf die Ticketpflicht. Dann war der Hinweis Mitte April plötzlich verschwunden. Die Bahn hatte das Schild abmontiert.

Auch die Stadt hatte sich in das Chaos eingemischt. Der stellvertretende Bürgermeister Klaus Seyfert (CDU) appellierte an die DB, die Ticketpflicht in Pinneberg aus Kulanz aufzuheben. Außerdem hat die Stadt sich an den HVV gewandt. Auf das Schreiben kam, laut Rathaussprecher Marc Trampe, bisher keine Antwort. Für die Umgestaltung des Bahnhofs gibt es eine Lenkungsgruppe. Das Thema Bahnsteigkarte soll dort noch einmal diskutiert werden

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