„Die Kommunen entscheiden“

Peter Lehnert (CDU) hat den stellvertretenden Vorsitz der Landtagsfraktion seiner Partei.
Peter Lehnert (CDU) hat den stellvertretenden Vorsitz der Landtagsfraktion seiner Partei.

Stadtentwicklung Laut Peter Lehnert (CDU) sollten im Hamburger Umland Bauflächen ausgewiesen werden – sofern gewünscht

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14. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Im Zuge des Hamburger Mietspiegels 2017 und der damit verbundenen Stadtentwicklungsprojekte der Hansestadt, nahm der Hamburger CDU-Abgeordnete, Jörg Hamann, auch das Umland der Hansestadt in die Pflicht (unsere Zeitung berichtete). Die Randgebiete und die Metropolregion sollten bei der Stadtplanung stärker im Fokus stehen. Peter Lehnert, CDU-Landtagsabgeordneter aus Bilsen, vertritt einen ähnliche Meinung – allerdings aus Schleswig-Holsteiner Sicht. Lehnert hatte sich bereits im Oktober bei einer Landtagsdebatte zu dem Thema Wohnungsbau im Hamburger Speckgürtel geäußert. Zeit, das Ganze einzuordnen und noch einmal gezielter nachzufragen:

Frage: Herr Lehnert, Ihr Parteikollege Jörg Hamann sprach im Zuge des Mietenspiegels 2017 in Hamburg davon, dass das Umland und in diesem Fall auch der Kreis Pinneberg in die Stadtentwicklungspläne miteinbezogen werden müsse: Ist es sinnvoll, dass der Hamburger Senat das Umland in seine Stadtentwicklung miteinbeziehen will?
Peter Lehnert: Zurzeit ist es jungen Familien in Hamburg fast nicht möglich, Wohneigentum zu schaffen. Insbesondere die Baulandpreise haben sich in teils astronomische Höhen entwickelt. Das führt dazu, dass diese Familien vermehrt im Hamburger Umland nach Alternativen Ausschau halten. Dies muss das Land Schleswig-Holstein bei seiner Landesplanung berücksichtigen. Schleswig-Holstein muss den Städten und Gemeinden in den Kreisen um Hamburg herum die Möglichkeit geben, entsprechende Bauflächen auszuweisen – sofern das gewünscht ist. Die konkreten Entscheidungen vor Ort treffen aber die schleswig-holsteinischen Kommunen. Damit hat der Hamburger Senat nichts zu tun.


Hat der Kreis Pinneberg denn Bauflächen, auf denen neue Wohngebiete entstehen können?
Der Kreis Pinneberg verfügt über keine eigenen Wohnbauflächen. Diese stellen die kreisangehörigen Städte und Gemeinden zur Verfügung, wie bereits in den vergangenen Jahren vermehrt geschehen.

Besteht nicht die Gefahr, dass der Kreis Pinneberg zugebaut wird?
Gerade im Augenblick ist es für viele junge Familien interessant aufgrund der niedrigen Hypothekenzinsen Wohneigentum zu schaffen. Dadurch besteht die Möglichkeit die selbst genutzte Wohnimmobilie vollständig abzubezahlen. In einem überschaubaren Zeitraum vor Eintritt in das Rentenalter. Dadurch wird nicht nur ein wichtiger Beitrag für einen sozialen Ausgleich in unserer Gesellschaft geleistet. Auch Altersarmut wird aktiv bekämpft. Dies sollte durch eine weitere Innenverdichtung erfolgen.

Was würden der Kreis Pinneberg beziehungsweise die Städte und Gemeinden als Gegenleistung erhalten?
Hamburg sollte noch stärker als bisher den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen und finanzieren. Damit die bisherigen Verkehrsachsen von Autoverkehr entlastet werden.

Reicht der Druck auf dem Kessel des Wohnungsbaus auch bis Bilsen (Anm. d. Red.: Lehnert ist Bürgermeister der Gemeinde)?
Schon seit Jahren erreichen mich als Bürgermeister fast wöchentlich Anfragen von jungen Familien, die gerne in Bilsen leben möchten. Wir haben darauf mit der Ausweisung eines neuen Baugebietes reagiert. Die dabei angebotenen Grundstücke waren innerhalb kürzester Zeit vergeben. Interessanterweise kamen die meisten Bewerber aus dem eigenen Dorf oder dem nahen Umkreis. Die gute Einkaufssituation in unserer Gemeinde, die bekannte Kinderfreundlichkeit und die vorhandenen Busanbindungen an die weiterführenden Schulen in Quickborn und Barmstedt sorgen auch weiterhin dafür, dass eine hohe Nachfrage besteht. Leider kann diese zurzeit aufgrund fehlender Bauflächen nicht befriedigt werden.

Thomas Hölck, Landtagsabgeordneter der SPD sprach sich gegen das Stadtentwicklungsprojekt aus. Die vorhandenen Bauflächen sollten für die Schleswig-Holsteiner genutzt werden: Ist es sinnvoll zwischen Schleswig-Holsteinern und Hamburgern zu trennen?
Nein. Menschen, die für sich und ihre Familie den Wunsch haben, in einem lebenswerten und vor allem bezahlbaren Wohnumfeld zu leben, dürfen nicht nach politischen Vorgaben sortiert werden. In der Regel kommen die meisten Interessenten sowieso aus Schleswig-Holstein. Wer sich bei uns niederlässt, wird Teil einer Gemeinschaft, die sich für ein persönliches und gesellschaftliches Miteinander einsetzt, egal wo er herkommt. Dass ausgerechnet die SPD dies nicht will, erschreckt mich sehr.

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