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Reportage : Die Königin der Instrumente aus der Marsch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Christian Lobback ist Orgelbauer. Seine Werke können in den Kirchen von Flensburg bis München gesehen und gehört werden.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2014 | 14:00 Uhr

Neuendeich | Man sieht sie in Gotteshäusern, Konzerthallen oder Privatsälen zwischen Flensburg und München. Vor allem aber hört man die bislang über 220 Orgeln, welche der Neuendeicher Orgelbauer Christian Lobback (71) selbst entwarf und über die Jahre nach nah und fern auslieferte.

„Die Freude an qualitätsvoller Musik ist Grundlage für engagierte Orgelbauer, um ihre Profession mit Leidenschaft zu praktizieren“, sagt Lobback, der 1938 als Sohn eines Personalreferenten und einer Sekretärin in Hamburg-Barmbek das Licht der Welt erblickte.

„Nur einen Augenblick vor meinem Zwillingsbruder Rudolf, der heute in Dannenberg als selbstständiger Peitschenmacher sein Brot verdient. Auch nicht ein alltäglicher Beruf“, schmunzelt Lobback, der darüber hinaus noch eine Schwester hat. „Die lebt jedoch bereits seit vielen Jahren in Kanada“, fährt Lobback fort, bevor er mich in das im Obergeschoss gelegene Büro seines gemütlichen Anwesens am Rosengarten in Neuendeich bittet.

Das Fenster steht offen. Und neben dem Rauschen der Blätter sind es nur die Vögel, die im Garten um die Wette zwitschern. „Herrlich, wenn mal keiner seinen Rasenmäher laufen hat. Denn das sind Töne, die ich überhaupt nicht mag“, betont der ruhige Kreativkopf an dem Ort, an dem ihm die meisten Ideen kommen.

Und Lobback erinnert sich gern daran zurück, wie alles anfing. Mit dem Abitur und einem Geigenstudium bei Georg Gerwien am damaligen Klaerschen Konservatorium in Hamburg-Blankenese. Dort verliebte Lobback sich in die Orgel. Hochschullehrer und Professor Adolf Detel sei es schließlich gewesen, der Lobback, der später auch noch Kunstgeschichte studierte, an den Orgelbau heranführte.

„Als Geiger benötigt man ein ausgeprägtes fotografisches Gedächtnis. Das war mir aber so nicht gegeben. Insofern bin ich Adolf Detel zu großem Dank verpflichtet, dass er meine Begabung als Orgelbauer erkannt und stets gefördert hat“, freut sich Lobback noch heute über die aufmerksame Hilfe seines berühmten Lehrmeisters, der sich Ende der 1930er Jahre für die Einlagerung der Arp-Schnitger-Orgel von Sankt Jakobi eingesetzt hatte. Und diese so vor einer Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg bewahrte.

Für Lobback standen dann einige Arbeitsjahre bei Walcker in Ludwigsburg und Detlef Kleuker in Brackwede an, ehe für ihn nach erfolgreicher Meisterprüfung in München der Handelsregistereintrag und die Gründung der ersten Orgel-Werkstatt in der Wedeler Rudolf-Höckner-Straße folgten.

„1981 bin ich dann mit der Werkstatt hier nach Neuendeich umgezogen. Und die zeige ich Ihnen jetzt einmal“, sagt Lobback, ehe uns der Weg mit dem Auto einige Kilometer weiter tief in die Marsch zu einer Baumgruppe führt, in deren Mitte - ganz unscheinbar - das eigentliche Herzstück der praktischen Arbeiten Lobbacks und seiner durchschnittlich fünf angestellten Mitarbeiter liegt.

Schon beim Betreten des Foyers mit angrenzender Ausstellungshalle bemerkt der Besucher nicht nur den wachsam umher schleichende Werkstattkater Franz, sondern vor allem der wohlriechende Duft unterschiedlichster Hölzer, welcher sich aus Richtung der angrenzenden Werkstatthallen breit macht.

Momentan ist Urlaubszeit und deshalb nur wenig Betrieb an den gerade zur Überholung eingetroffenen „Spieltischen“ in der „Bankhalle“.

„Eine Arbeit, die uns Befriedigung gewährt, ist gewiss das beste und solideste Glück“, heißt es in großen Lettern über Sägetischen, Fräsen, Feilen, Drechsel, Furnier- und Hobelbänken mit einem Zitat des Autors Theodor Storm. „Da sind Sie der Erste, dem das auffällt“, lacht Lobback, ehe es vorbei an Eich- und Buchenhölzern geht. Entlang von Neukonstruktionen, aber auch in Restaurierung befindlicher Stücke aus vergangenen Jahrhunderten.

Durchschnittlich fünf Tonnen wiege ein Orgel, die „Königin der Instrumente“. Doch bevor sie hergestellt werde, bedürfe es erst einmal einiger langwieriger „Soundchecks“ und architektonischer Aufzeichnungen am späteren Aufstellort.

Denn: „Die Akustik der Örtlichkeit ist das A und O. Tolle Orgeln kommen bei schlechten Verhältnissen nicht zur Entfaltung. Dagegen können selbst kleine Orgeln bei guten Bedingungen für hervorragende Klang-Erlebnisse sorgen“, erläutert der Orgelbauer, wie er die Räume, in denen das Instrument später stehen soll, auf sich wirken lässt. Mal mit, mal ohne Publikum.

Erst nach diesen „Hausaufgaben“, die Lobback oft zu mehrwöchigen Geschäftsreisen zwingen, gehe es daheim ans Eingemachte. Sind die Zeichnungen von kleiner bis großer Mechanik im Inneren der Klangkörper gefertigt, könnten Metall und Holz, Pfeifen und Züge mit Mechanik und Hydraulik zusammen gefügt und mitihrer Schwingung in Gleichklang gebracht werden.

Über 3500 Pfeifen seien in einer großen, rund einer Million Euro teuren Lobback-Orgel verbaut. „Sichtbar sind davon aber gerade einmal drei Prozent“, erläuter Lobback. Sie sind versehen mit den besonderen Merkmalen der Lobback-Werkstatt, zu denen das Entkeimen mittels „Aktiv-Sauerstoff-System“ sowie die Verzierung mit Lobback-Typischen Ornamenten zählt.

„Gerade für die Ornamente, die unsere Orgeln allein schon einzigartig machen, hat sich das Kunststudium gelohnt“, berichtet Lobback. Er erzählt auch, dass er an den Einweihungsfeiern für seine Instrumente teilnimmt.

Ob in St. Gertrud (Lohne), der Kreuzkirche zu Ottensen, der Kirche zu Haselau, der St.-Antonius-Basilika in Rheine oder der „Namen Jesu“-Pfarrgemeinde in München: Bei seinen Arbeiten orientiert sich Lobback stets an dem Wissen der Barockorgelbauer, mit der er sich intensiv auseinandergesetzt hat.

Am Ende erwartet den Zuhörer ein einzigartiges Klangfeuerwerk zwischen tausender und millionenfacher Klangkombinationen. „Das richtet sich natürlich nach Größe der angeschafften Orgel“, sagt Lobback abschließend. Er rät Orgelfreunden, Fachleuten und engagierten Fotografen zu einem Besuch seiner Dauerausstellung in Neuendeich. Anmeldungen hierfür seien jedoch zwingend erforderlich. Per Fax unter 04122-7363 oder per E-Mail an kontakt@cglobback.de.

Ein traditionsreiches Handwerk: Der Beruf des Orgelbauers ist ein traditionsreicher Handwerksberuf im Bereich der Instrumentenherstellung. Zirka 170 Fachbetriebe beschäftigen in Deutschland etwa 2500 Mitarbeiter. Ein Orgelbauer befasst sich mit der Konstruktion, Herstellung und Klanggestaltung von Orgeln. Weiter werden bereits existierende Orgeln gepflegt, repariert, renoviert, restauriert und rekonstruiert.
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