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Flüchtlingshilfe : Die Kleiderkammer ist endgültig dicht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die von Freiwilligen betriebene Ausgabestelle muss wegen mangelnden Brandschutzes schließen.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 13:00 Uhr

Bönningstedt | Lange zog sich der Streit, jetzt ist es amtlich: Die Kleiderkammer in Bönningstedt ist geschlossen worden. In einem Brief der Stadtverwaltung Quickborn im Auftrag des Bönningstedter Bürgermeisters an Eckhard Johannes, Vorsitzender des Freiwilligenforums, heißt es: „Hiermit wird Ihnen seitens der Gemeinde Bönningstedt mit sofortiger Wirkung das Verbot zur Nutzung der Kellerräume durch die Öffentlichkeit ausgesprochen.“

Johannes hat für das Vorgehen der Verwaltung kein Verständnis. Doch er wird sich beugen. „Ich werde das Diktat hinnehmen. Seit dem 21. Oktober ist die Kleiderkammer geschlossen“, sagte er. In dem Brief heißt es: „Gemäß einem Schreiben des Kreises Pinneberg vom 5. Oktober 2017 ist die ungenehmigte und damit unzulässige Nutzung der von Ihnen betriebenen Kleiderkammer im Untergeschoss einzustellen.“

Johannes hat dafür nur ein Kopfschütteln übrig. „Ungenehmigtes und unzulässiges Verhalten werden mir vorgeworfen. Dabei wurde vergessen, dass außergewöhnliche Situationen wie 2015 ungewöhnliche Maßnahmen, nämlich formalismusfreies, unbürokratisches Handeln erfordern“, sagt er mit Bezug auf den Höhepunkt der Flüchtlingskriese. „Es waren nur die Ehrenamtlichen, die alles auf die Beine stellten, die Bönningstedt in der ,Flüchtlingssituation’ gut dastehen ließen.“ Ortswehrführer Stefan Birke habe bei einer Begehung keine eklatanten Mängel festgestellt.

Aus Johannes spricht die Wut über einen undankbaren Bürgermeister, der die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht zu schätzen wisse. Es geht Johannes auch ums Prinzip. Denn weil die Zahl der Flüchtlinge deutlich zurückgegangen ist, wäre die Kleiderkammer spätestens im kommenden Frühjahr wohl ohnehin geschlossen worden. Über Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske sagt er: „Es ist trotzdem saudoof, wenn hier par ordre du mufti agiert wird, weil ihm die Kleiderkammer nie richtig gepasst hat.“

Der Gescholtene sieht das ganz anders. Liske (BWG) sagt: „Die Ansicht von Herrn Johannes ist falsch. Wenn mir die Kleiderkammer von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen wäre, hätte ich sie von Anfang an nicht zugelassen.“ Liske sagt auch: „Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass ich hinsichtlich des Brandschutzes ein schlechtes Gefühl habe.“ Die Kleiderkammer könne weiterhin als Lagerraum genutzt werden. „Aber wir dürfen nicht Bedürftige dort hineinlassen.“

Aus einem genutzten Raum wurden sieben

Der Bürgermeister beklagt, dass sich die Ehrenamtlichen nicht an die mit der Gemeinde geschlossenen Vereinbarung gehalten habe. Ortswehrführer Stefan Birke habe bei einer Begehung keine eklatanten Mängel festgestellt, sagt Johannes. Vereinbarung hielten. „Die Kleiderkammer eröffnete mit einem Kellerraum, der von zwei Ausgängen aus erreichbar ist. Er war nur als Lager vorgesehen. Im Laufe der Zeit übernahm Herr Johannes insgesamt sieben Räume.“ Somit habe sich die Frage nach dem Brandschutz gestellt.

Liske bezweifelt den Bedarf. Die Zahl der zu betreuenden Flüchtlinge sei von 80    auf 40 gesunken, von denen die meisten keine Kleider mehr von den Helfern benötigten. Zudem werde gebrauchtes Geschirr aufbewahrt, obwohl muslimische Flüchtlinge dies nicht benutzen dürften. „Sie dürfen nur Geschirr benutzen, von dem sie sicher wissen, dass es niemals mit Schweinefleisch in Verbindung kam“, ist sich Liske sicher.

Der Bürgerkrieg in Syrien tobt weiter, das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei steht auf tönernen Füßen. Gibt es einen Alternativraum, sollten die Flüchtlingszahlen wieder steigen? Dazu sagt Liske: „Die Gemeinde hat kein Geld, sich auf geopolitische Eventualitäten vorzubereiten. Wenn wir diese Mittel hätten, würden wir einen Kindergarten bauen.“

Aus Sicht der Kreisverwaltung sind die Brandschutzmängel eindeutig. „Sie verbieten eine weitere Nutzung der Räume in der jetzigen Form“, sagte Oliver Carstens, Sprecher der Verwaltung auf Anfrage. Die Überprüfung sei von der Gemeinde Bönningstedt veranlasst worden, die gutachterlichen Informationen seien „fachlich sehr gut“ gewesen.

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