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Pinneberger Tageblatt

22. August 2017 | 04:06 Uhr

Pinneberg : Die Kämpferin für Gerechtigkeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Deborah Azzab-Robinson ist seit Januar Pinnebergs Gleichstellungsbeauftragte und kämpft unter anderem gegen das Lohngefälle.

Pinneberg | Wenn Deborah Azzab-Robinson von ihrer Arbeit berichtet, käme wohl niemand auf den Gedanken, dass sie von einer Teilzeitstelle spricht. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pinneberg, seit Anfang des Jahres im Amt, hat sich viel vorgenommen und dafür lediglich 19,5 Stunden pro Woche Zeit. Hinzu kommen Abendveranstaltungen und Kontaktpflege.

„Netzwerkarbeit ist nach außen nicht immer wahnsinnig spektakulär, aber für mich elementar, weil sie gesellschaftliche Veränderungen nachhaltig etablieren kann“, sagt Azzab-Robinson. In Pinneberg betreibt die 48-Jährige diese beispielsweise mit der Migrationsberatung der Diakonie, dem Frauennetzwerk und der Frauenberatung.

Auf Kreisebene ist der Austausch mit den Gleichstellungsbeauftragten aller Kommunen zentraler Bestandteil ihrer Arbeit. Außerdem engagiert sie sich in der Landesarbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten (LAG).

Dadurch kam der Kontakt der damaligen Gleichstellungsbeauftragten von Glückstadt zu Ellen Schülke zustande. Ihrer Vorgängerin in Pinneberg ist Azzab-Robinson dankbar. „Dank ihrer guten Übergabe und der Unterstützung aller Kollegen und Kolleginnen konnte ich Aktionen wie den Girl’s Day und den Equal Pay Day weiterführen. Beides hatte ich in Glückstadt nicht“, erläutert die Hamburgerin.

Die Aktionstage für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen beziehungsweise für Berufsorientierung von Mädchen im Frühjahr dieses Jahres abzuwickeln, zählte zu den ersten großen Herausforderungen auf dem neuen Posten.

Jetzt hat Azzab-Robinson andere Felder zu beackern, setzt eigene Akzente. Inhaltlich zählt dazu die Präsenz von Frauen in der Politik. Dabei habe sie den Impuls einer Pinnebergerin aufgenommen und bei der LAG vorgebracht. „Das hat mit dazu geführt, dass sich die LAG mit dem Thema befasst“, erklärt Azzab-Robinson, die angesichts des Missverhältnisses zwischen Frauen und Männern fordert: „Der Staat muss Instrumente schaffen, um geschlechtergerechte Teilhabe am politischen Leben zu ermöglichen.“ Pinneberg selbst sieht sie in dieser Hinsicht gut aufgestellt. „Wir haben eine Bürgermeisterin – das hat nur jede zehnte Kommune in Deutschland. Außerdem eine Bürgervorsteherin. An der Führungsspitze der Stadt stehen zwei Frauen – das ist erwähnenswert.“

Inhaltlich legt Azzab-Robinson den Fokus auch auf die Erwerbstätigkeit. Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, mangelnde finanzielle Honorierung von Berufsgruppen wie Sozialpädagoginnen, Erzieherinnen und Krankenpflegerinnen sowie familiärer Sorgearbeit – für Pinnebergs Gleichstellungsbeauftragte „ein Skandal“. Deshalb sei es „wichtig, dass der gesellschaftliche Wert dieser Arbeit endlich anerkannt wird“. Das Thema häusliche Gewalt zählt ebenfalls zu ihren inhaltlichen Schwerpunkten. Jede vierte Frau sei in ihrem Leben davon betroffen. „Wenn das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt werden, ist es Aufgabe des Staates, niedrigschwellige Angebote aufrechtzuhalten und Unterstützungssysteme vorzuhalten“, betont Azzab-Robinson.

Nicht zuletzt liegt ihr das Thema Diversity am Herzen. „Wir müssen lernen, Vielfalt als Chance zu begreifen und sie zu nutzen“, fordert die in Altona lebende studierte Juristin. Grundlegend dafür sei beispielsweise die Einsicht, „dass das, was wir mit der deutschen Staatsbürgerschaft verbinden, nicht mehr mit der Realität übereinstimmt“.

Azzab-Robinson sieht ihre Arbeit „auch als kommunale Arbeit“. „Beratungs- und Kulturangebote von Verbänden und Vereinen sind ein Faktor für die Pinneberger Wirtschaft – nicht nur für Frauen.“ Angesichts dieser Vielfalt und weiteren Aufgaben wie der Ausgestaltung von Kooperationen, Beratung, Sichtung von Bewerbungs- und Prüfung von Verwaltungsunterlagen nehmen sich 19,5 Wochenstunden wahrlich bescheiden aus. Wie gut, dass Deborah Azzab-Robinson sagt: „Ich bin in Pinneberg angekommen und fühle mich im Arbeitssinne zu Hause.“

Die Sprechzeiten der Pinneberger Gleichstellungsbeauftragten Deborah Azzab-Robinson sind dienstags in der Zeit von 9 bis 12Uhr sowie donnerstags zwischen 14 und 16 Uhr im Rathaus, Zimmer 262. Um vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 04101-211422 wird gebeten. Termine außerhalb der Sprechzeiten können ebenfalls vereinbart werden.
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erstellt am 09.Sep.2014 | 10:00 Uhr

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