Hamburger SV : Die Hoffnung stirbt zuletzt

Sie stehen heute im Stadion und werden die Mannschaft um Trainer Bruno Labbadia bis zur letzten Minute anfeuern: Der Rellinger Sören Stohrer (rechts) und der Hamburger Sebastian Sprick vom Fanclub „Schreihälse Hamburg“.
Sie stehen heute im Stadion und werden die Mannschaft um Trainer Bruno Labbadia bis zur letzten Minute anfeuern: Der Rellinger Sören Stohrer (rechts) und der Hamburger Sebastian Sprick vom Fanclub „Schreihälse Hamburg“.

Die Fanclubs aus dem Kreis Pinneberg drücken ihrer Mannschaft heute die Daumen und versprechen ewige Treue.

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23. Mai 2015, 10:00 Uhr

pinneberg | „Der HSV ist zurzeit die schlechteste Mannschaft in der Bundesliga“, sagt der Rellinger Sören Stohrer vom HSV-Fanclub „Schreihälse Hamburg“ – und das sagt der 30 Jahre alte Lagerist, obwohl er selbst leidenschaftlicher Anhänger des Hamburger SV ist, kein Heim- und nur zwei Auswärtsspiele in dieser Saison verpasst hat. Er sagt sogar, dass die Truppe um Trainer Bruno Labbadia einen Abstieg in Liga zwei verdient hätte. Trotzdem, den Verein abschreiben, nein, das kann Stohrer noch nicht. Seine Parole an die Elf, die heute ab 15.30 Uhr in der Imtech-Arena gegen den FC Schalke 04 aufläuft, lautet: „Auf geht’s Hamburg – kämpfen und siegen!“

Kämpfen und siegen. Genau das soll der HSV heute tun. Da pflichtet Melanie Schombier vom Wedeler Fanclub „Schlumpfen Crew“ Stohrer bei. „Wir wollen von der ersten Minute an eine kämpferische Elf auf dem Platz sehen: Pflügt den Rasen um, kratzt, beißt, spuckt – und rennt um euer Leben“, sagt sie in Richtung der Labbadia-Elf.

Und wenn das nicht hilft? Dann bleibt nur noch der Glaube, die Liebe und die Hoffnung, wie es in einem Song von HSV-Stadionsänger Lotto King Karl heißt. „Wir glauben bis zum Ende daran, dass unser HSV die Klasse halten wird“, sagt Matthias Feldmann vom Elmshorner Fanclub „Kreuzigungsgruppe“ – und zitiert damit dasselbe Lied wie der Rellinger Sebastian Rockendorf vom Fanclub „Block 25 (B)usters“. „Wir können nur hoffen, dass die Ergebnisse auf den anderen Plätzen um 17.17 Uhr uns den Klassenerhalt oder die Relegation bescheren“, sagt Rockendorf. Jens Kuzel vom schwul-bi-lesbischen Fanclub „Volksparkjunxx“ aus Wedel stimmt in den Tenor ein: „Solange es rechnerisch möglich ist, wird die Hoffnung nicht aufgegeben!“

Der Glaube an den HSV, die Liebe zum Verein und die Hoffnung, dass es der Mannschaft gelingt, auch im 52. Jahr der Fußball-Bundesliga erstklassig zu spielen, wollen die meisten Fans aus dem Kreis Pinneberg nicht aufgeben. Aufgeben, nein, das sei keine Option, sagt Hauke Bahnsen vom Pinneberger Fanclub „Hamburger Mannslüd“. „Wir erwarten vom Team des HSV, dass dieses bis zur letzten Minute kämpft, wirklich alles gibt und sprichwörtlich den Rasen umpflügt.“ Auch der Halstenbeker Olav Appelius vom Fanclub „HSV Onliner“ traut der Mannschaft zu, „heute für das Wunder von Hamburg zu sorgen“.

Doch bei aller Zuversicht, die die Fußball-Fans zu versprühen versuchen: Mulmig ist ihnen dennoch. „Kaum einer kann seit Tagen mehr durchschlafen. Wo wir auch hinschauen, es gibt kein anderes Thema mehr“, sagt der Pinneberger Bahnsen, der gemeinsam mit seinen Fanclub-Kollegen im Stadion stehen, „mit unserem Verein fiebern, leiden und letztendlich hoffentlich feiern“ wird.

Stohrer kennt das nur zu gut. Als Dauerkartenbesitzer ist ihm sowohl das Feiern als auch das Trauern bewusst. „Es geht immer bergauf und bergab.“ Und auch heute, da ist er sich sicher, „wird das ein Gefühlsfeuerwerk – im positiven wie im negativen Sinn“. Gemeinsam mit seinen Fanclub-Kollegen wird er in der Imtech-Arena stehen, mitfiebern – und hoffen, „dass wir in der 90. Minute das 1:0 schießen – oder dass ein Eigentor fällt. Das ist mir egal.“ Denn dann bleibe das Spiel wenigstens bis zum Schluss „heiß“. Und nicht so wie vergangenes Wochenende bei der 2:1-Pleite gegen die Kicker aus Stuttgart. „Ich war sprachlos“, sagt Stohrer, der stets bis eine halbe Stunde vor dem Anpfiff Klamotten am Stadion verkauft.

Und wenn der Abstieg doch nicht zu verhindern sein sollte? „Seit Jahren erleben wir einen Schrecken ohne Ende“, sagt Andreas Vogel vom Pinneberger Fanclub „Blue Havana 1887“. „Hoffentlich können wir später einmal sagen, dass dieses Ende mit Schrecken der Zeitpunkt für einen Neuanfang in eine bessere Zukunft war.“ Er und seine Fanclub-Kollegen würden dem HSV auch in der zweiten Fußball-Bundesliga zur Seite stehen. Genauso wie Jörn Großnick vom Fanclub „Blaues Blut 1887“, der das Geschehen zum einen Teil im Stadion, zum anderen „Fingernägel kauend“ im Clubhaus in Bönningstedt verfolgen wird. „Sollte der ‚Supergau‘ eintreten, werden wir auch weiterhin zu unserem HSV stehen. Es heißt doch: ‚In guten wie in schlechten Zeiten‘“, sagt Großnick.

Dass das dicke Ende kommt, davon ist Marco Lindner vom Pinneberger Fanclub „All Tohoopen“ überzeugt: „Ich persönlich habe keine Hoffnung mehr, dass der HSV dem Abstieg noch entrinnen kann. Ich muss leider zugeben, dass der Verein den in meinen Augen schlechtesten Fußball aller Erstligisten in den bisherigen 33 Spielen gezeigt hat.“ Nichtsdestoweniger werde er aber der Mannschaft heute „die Daumen drücken und wie jedes Spiel dabei sein und unser Fanclub-Banner auf der Nordtribüne hissen“. Die Hoffnung stirbt wohl wirklich erst zuletzt...

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