„2018: Das wird mein Jahr!“ : Die Hoffnung auf einen Job und eine eigene Wohnung

Vielen Kunden des Aldi-Marktes  an der Güttloh ist das ein vertrauter Anblick: Robert Bochnia erwartet sie jeweils mit der neuen Ausgabe des Straßenmagazins „Hinz & Kunzt“.
Vielen Kunden des Aldi-Marktes an der Güttloh ist das ein vertrauter Anblick: Robert Bochnia erwartet sie jeweils mit der neuen Ausgabe des Straßenmagazins „Hinz & Kunzt“.

„Hinz & Kunzt“-Verkäufer Robert Bochnia möchte künftig in Quickborn leben - und in seinen alten Beruf als Maurer zurückkehren.

shz.de von
30. Dezember 2017, 13:00 Uhr

Quickborn | Robert Bochnia hat ein erklärtes Ziel: Im neuen Jahr will er endlich wieder in seinen Beruf als Maurer zurück und möglichst eine eigene Wohnung finden. Wo er zukünftig leben möchte, weiß der 44 Jahre alte Hinz & Künztler auch schon: in Quickborn. „Das ist meine Lieblingsstadt“, sagt er und lächelt. Dass er sich traut, Pläne für seinen weiteren Weg zu entwickeln, ist ein gutes Zeichen. Nach einer schweren Zeit geht es ihm zunehmend besser.

Viele Quickborner kennen den höflichen und zurückhaltenden Verkäufer des Hamburger Straßenmagazins „Hinz & Kunzt“, der häufig vor einem Discounter im Gewerbegebiet an der Güttloh steht und seine Zeitungen anbietet. Wenn er auspackt und seinen Dienst beginnt, hat er schon eine lange Fahrt hinter sich. Bochnia wohnt in Hammerbrook, hat in einer Unterkunft der Stadt Hamburg für Wohnungslose seit November ein Bett. Damit ist sichergestellt, dass er nicht unter freiem Himmel übernachten muss, wenn es draußen stürmt, eiskalt wird oder regnet. Spätestens um 9.30 Uhr muss er die Herberge verlassen haben. Dann macht er sich entweder zuerst auf den Weg in die Verlagszentrale, um neue Zeitungen zu holen, oder fährt direkt nach Quickborn, wo seine Kunden auf ihn warten. „Ich kenne hier schon viele Leute“, sagt der gebürtige Pole, der seit zwölf Jahren in Deutschland lebt.

Ihn reizte einst der Gedanke an eine faire Bezahlung für gute Arbeit, deshalb verließ er seine Heimat. Und zunächst sah es auch ganz danach aus, als würde sein Traum in Erfüllung gehen. Dann allerdings wurde er bei einem Unfall schwer am Bein verletzt, musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen, seinen Job an den Nagel hängen und rutschte durch das soziale Netz. Bochnia war auf sich gestellt.

Nur mühsam erholte er sich von dem Schicksalsschlag, lange machte seine angeschlagene Gesundheit alle Hoffnungen auf eine sichere Zukunft zunichte. Der Handwerker lebte auf der Straße, kam hin und wieder bei Freunden und hilfsbereiten Bekannten unter – auch in Quickborn.

Als es ihm wieder besser geht, sucht er den Kontakt zu dem Team von „Hinz & Kunzt“, wird schließlich Austräger, und dann folgt der Ritterschlag: Bochnia wird Mitglied einer 76 Köpfe großen Delegation von Hamburger Wohnungslosen, die einer Einladung des Papstes nach Rom folgen. Für den gläubigen Katholiken eine schier unfassbare Erfahrung. „Ich wollte immer schon mal den Papst mit eigenen Augen sehen, ihn einfach nur anschauen“, sagte er vor der Abreise vor laufender Kamera. Seiner Zuversicht und seinem Optimismus hat dieser Besuch gut getan. Und bei so viel verdientem Glück klappt es in diesem Jahr ja vielleicht auch mit Job und Wohnung.

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