Das Sonntagsgespräch : „Die Haltung ist beim Tanzen das Wichtigste“

Michael Jahn möchte ein zweites oder sogar drittes Team beim VfL Pinneberg bilden.
Michael Jahn möchte ein zweites oder sogar drittes Team beim VfL Pinneberg bilden.

Interview Heute mit Michael Jahn, Trainer der Latein-Formation der Tanzsportabteilung im VfL Pinneberg

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18. Februar 2018, 14:00 Uhr

Pinneberg | Michael Jahn ist Trainer der Latein-Formation der Tanzsportabteilung im VfL Pinneberg. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, was einen guten Tänzer auszeichnet und welche Ziele er mit der Tanzsportabteilung verfolgt.

Wie sieht Ihre Arbeit als Trainer in der Tanzsportabteilung aus?
Beim VfL bin ich für das Training der Latein-Formation zuständig, die sich zweimal die Woche trifft und in der Landesliga startet. Bei unserem ersten Wettkampf belegten wir gleich den ersten Platz. Das kam für uns alle überraschend, da die Formation völlig neu zusammengestellt wurde und wir im vergangenen Jahr noch nicht einmal wussten, ob wir überhaupt an den Start gehen. Uns blieben nur drei Monate Zeit, eine Choreografie zu erstellen. Die neuen Paare, derzeit sind es sieben, haben aber toll zusammengefunden und konnten auch mit der für sie ungewohnten Wettkampfsituation und dem ersten Auftritt in Kostümen gut umgehen.

Was macht den Reiz Ihrer Arbeit aus?
Ich finde es reizvoll, mit Menschen zu arbeiten, ihnen etwas beizubringen und zu sehen, wie sich die einzelnen Paare weiterentwickeln. Diese Arbeit mache ich eigentlich schon, seitdem ich selbst tanze - entweder haupt- oder nebenberuflich. Mein Ziel ist, anderen Menschen den Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Ich will ihnen zeigen, dass Tanzen Freude bereitet und kein Stress ist. Ich betreue nicht nur die Formation in Pinneberg, sondern auch mehrere Tanzkreise, die nur zum Spaß zusammenkommen. Es ist wichtig, zwischen Gesellschaftstanz und Tanzsport zu unterscheiden. Dass ich beides miteinander kombinieren kann, finde ich toll.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Tanzsportabteilung des VfL?
Mit unserer früheren Formation gehörten wir zu den Spitzenmannschaften in der Regionalliga. Nach dem Umbruch soll nun eine breitere Basis geschaffen werden. Mein Wunsch ist, dass wir weitere Paare für uns begeistern und dadurch ein zweites und vielleicht sogar irgendwann ein drittes Team bilden können. Der VfL soll zum festen Anlaufpunkt für alle Tänzer aus der Region werden, die Spaß am Formationstanz haben. Dass wir größere Turniere stemmen können, haben wir bereits vor zwei Jahren bewiesen. Die damalige Veranstaltung hat der Tanzsportszene in Norddeutschland gezeigt, dass Pinneberg viel Potenzial hat. Ich würde mir wünschen, dass ein solches Event zur festen Einrichtung wird und wir dafür Sponsoren begeistern. Dass Tanzen in Pinneberg gut ankommt, beweist die Silberne Rose, die überregional ein Begriff ist und bei der wir auch in diesem Jahr wieder Teil des Showprogramms sind.

Gibt es Probleme, mit denen die Tänzer zu kämpfen haben?

Ein Problem ist sicherlich, dass gerade junge Leute sich das Tanzen ohne Unterstützung der Eltern nicht leisten können. Turnier- und Trainingsschuhe, die Kostüme - der finanzielle Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Eine Saison kostet unsere Mannschaft etwa 10 000 Euro. Es ist zudem bedauerlich, dass der Tanzsport in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent ist wie früher. Zu meiner aktiven Zeit in den 1980-ern waren die Wettkämpfe beispielsweise viel häufiger in der ARD oder im ZDF zu sehen. Heute leiden wir wie alle anderen Sportarten darunter, dass nur noch der Fußball im Mittelpunkt steht.

Was zeichnet einen guten Tänzer aus?
Die Haltung ist das Wichtigste. Dazu sollte man Spaß an der Bewegung und Rhythmusgefühl haben. Und ein wenig Ehrgeiz ist sicherlich auch nicht schädlich

Was bedeutet Ihnen persönlich das Tanzen?

Es ist schon seit meiner Kindheit ein wichtiger Teil meines Lebens. Die ersten Schritte haben mir meine Mutter und später meine beiden besten Freundinnen beigebracht. Zur Tanzschule bin ich heimlich mitgegangen und wurde natürlich auch gleich von der Tanzlehrerin angesprochen. Zum Glück nicht, weil sie entdeckte, dass ich mich eingeschlichen hatte. Sie lobte, dass ich den Wiener Walzer so gut beherrsche. Danach besuchte ich dann regulär einen Tanzkursus. Für meine spätere Entwicklung war wichtig, dass ich in Bremerhaven aufgewachsen bin - schon damals eine der Tanzsportmetropolen in Deutschland. Dort schaffte ich es in die erste Mannschaft der TSG Bremerhaven und errang mehrere Weltmeistertitel.

Sind Fernseh-Shows wie „Let’s dance“ positiv für den Tanzsport?

Auf jeden Fall. Auch wenn mir selbst nicht alles an dem Format gefällt: Man sieht, wie schnell Profis Amateuren das Tanzen beibringen können. Jury-Mitglied Joachim Llambi kenne ich noch aus meiner aktiven Zeit.

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