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Interview : „Die Gesetze werden nicht immer eingehalten“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview mit Dirk Mitzloff, dem stellvertretenden Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung.

Weil Behinderte aus dem Kreis Pinneberg 800 Unterschriften an den Kreispräsidenten übergeben haben, ist auch Dirk Mitzloff, stellvertretende Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung, nach Elmshorn gekommen. Gegenüber dieser Zeitung sagt er, wo viele Barrieren für Menschen mit Handicap stehen und wie die Zusammenarbeit mit den Gemeinden funktioniert.

Moderne Gebäude werden doch meist barrierefrei geplant. Wo gibt es denn noch die meisten Hürden?

Dirk Mitzloff: Für viele öffentliche Gebäude trifft das zu, weil die Gesetze das so fordern. Aber die Gesetze werden nicht immer eingehalten. Und da müssen wir als Behindertenbeauftragte besonders aufpassen. Und dann sind da noch die privaten Projekte. Der Wohnungsbau etwa. Oder die Frage: Wie kommt ein Rollstuhlfahrer in eine Arztpraxis? Oft mangelt es an den vielen kleinen Dingen: einer Rampe, Schaltern in passender Höhe, breiten Fluren. Und gibt es zu wenig Unterstütung in den Verwaltung . . .

. . . was heißt das?

Wie komme ich etwa als geistig Behinderter in einer Verwaltung voran? Wie kann ich Anträge stellen und Hilfe in Anspruch nehmen? Da hapert es oft an der Kommunikation. Das schafft keiner allein. Oder nehmen Sie das Internet: Viele Homepages sind nicht barrierefrei. Der Zugang zu Hilfsangeboten ist eingeschränkt.

Haben Sie der Pinneberger Kreisverwaltung deswegen schon mal auf die Finger geklopft?

Das ist nicht unsere Aufgabe. Das ist Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung. Die Initiative muss aus dem Kreis kommen. Aber wir beraten gern und geben unsere Erfahrung weiter. Probleme sollten auch gemeinschaftlich mit den Trägern von Einrichtungen gelöst werden.

Der Kreis Pinneberg ist eine Ausnahme. Die meisten Kreise im Land haben einen Beauftragten. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kommunen?

Sie funktioniert landesweit gut. Und die betroffenen Menschen werden erfahrungsgemäß auch gut beteiligt. Häufig werden Fachleute zu Rate gezogen und es gibt viele Beispiele mit dauerhaft angelegten Rückmeldeverfahren, sodass nicht über die Köpfe der Menschen hinwegentschieden wird.

 

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erstellt am 06.Mai.2014 | 14:42 Uhr

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