Lars Zimmermann

Kooperation als einzige Chance : Die Ganztagsschule stellt die Sportvereine vor große Herausforderungen

Die Vereine haben ganz unterschiedliche Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen gemacht.


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2018-09-08 14:00:00.0, 2018-09-08 14:00:00.0 Uhr

Kreis Pinneberg | Die einen arbeiten kostendeckend, die anderen zahlen drauf. Manche bekommen Zuschüsse, einige verzichten auf Fördermittel, weil ihnen der bürokratische Aufwand zu groß ist. Fast alle haben damit zu kämpfen, dass nur noch am späten Nachmittag oder abends trainiert werden kann, weil die Jugendlichen zu lange in der Schule sind. So wird die Verteilung der Trainingsstätten zur logistischen Meisterleistung. Die Vereine haben ganz unterschiedliche Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen gemacht. In einem sind sich aber alle einig: Der Sport kommt an dem Thema nicht vorbei.

EMTV: „Die Vereine müssen sich in der Ganztagsbetreuung engagieren, weil es sonst jemand anders tut und die Jugendlichen dem Sport dann verloren gehen“, sagt Mark Müller, Geschäftsführer des Elmshorner MTV. Der EMTV selbst arbeitet schon seit vielen Jahren mit zahlreichen Schulen zusammen und kann diese Aufgabe aufgrund der Unterstützung der Stadt Elmshorn und der Landeszuschüsse kostendeckend übernehmen. Müller würde sich wünschen, dass die Mittel des Landessportverbands für einzelne Projekte nicht nur für ein Schuljahr vergeben werden und unbefristet weiterlaufen. Die jetzigen Regelungen könnten dazu führen, dass Kooperationen gestoppt werden, die funktionieren.

VfL Pinneberg: Der VfL Pinneberg ist der Verein mit den meisten Ganztagsangeboten und arbeitet ebenfalls kostendeckend. „Der Sport ist der beliebteste Partner im Ganztag“, erklärt VfL-Geschäftsführer Uwe Hönke. Neue Mitglieder würde der Verein durch das Engagement allerdings kaum gewinnen. „Ich würde mir zudem wünschen, dass die Schulen noch mehr Initiative zeigen und auf den Sport zugehen“, so der Geschäftsführer. Hönke könnte sich außerdem vorstellen, dass im Fußball auch mal eine Schulmannschaft in den Ligabetrieb integriert wird.

Barmstedter MTV: Der Barmstedter MTV ist nach dem EMTV und dem VfL der Verein im Kreis mit dem größten Ganztags-Engagement, bleibt aber auf einem Teil der Kosten hängen. Dennoch ist für den Vorsitzenden Hartmut Kinastowski klar: „Kooperation ist die einzige Chance.“ Dabei hat er nicht nur die Schulen im Blick. Sport, Schulen, Kindergärten, Seniorenheime, Unternehmen, Politik – alle müssten an einem Strang ziehen. So wie in Barmstedt. Dort arbeiten laut Kinastowski verschiedene Institutionen auf eine Sportstadt hin, um die Attraktivität des Ortes zu erhöhen. Der Vorsitzende wünscht sich, dass die Vereine mit ihren Angeboten überall präsent sind. Das werde aber nicht ohne Anschubfinanzierung funktionieren, erklärt er.

Kummerfelder SV: Der Kummerfelder SV arbeitet mit der Bilsbek-Schule zusammen – allerdings ohne Unterstützung von Fördermitteln des Landessportverbandes. „Der bürokratische Aufwand ist gerade für kleinere Vereine viel zu hoch“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Ständer. Er kann außerdem nicht nachvollziehen, dass immer nur 45 Minuten abgerechnet werden, obwohl die Angebote meistens eine Stunde dauern. Ständer bedauert, dass es für die kleinen Vereine immer schwieriger wird, über die Runden zu kommen. Aufgrund der steigenden Anforderungen sei es kaum möglich, genügend ehrenamtliche Vorstandsmitglieder zu gewinnen.

Hetlinger MTV: Beim Hetlinger Männer-Turnverein bietet der Vorsitzende Robert Wieber im Rahmen der Ganztagsschule Floorball an – auch ohne finanzielle Unterstützung. „Ich mache das ehrenamtlich, weil der bürokratische Aufwand für die Anträge zu hoch ist“, so Wieber. Zudem könne er das Angebot so unbefristet weiterlaufen lassen. Die Zusammenarbeit mit der Schule lohnt sich für den Verein, weil dadurch viele neue Mitglieder gewonnen werden. Eine zusätzliche Belastung ist auch für den Hetlinger Männer-Turnverein, dass die meisten Kinder und Jugendlichen in anderen Orten zur Schule gehen und häufig erst spät wieder vor Ort sind. Das betreffe nicht nur die Sportler, sondern auch einige Übungsleiter, so Wieber

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