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Pinneberger Tageblatt

20. September 2017 | 15:06 Uhr

Die ganze Welt in einem Café

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Integration Im Flüchtlings-Treff begegnen sich Migranten und Deutsche zum interkulturellen Austausch / Sachspenden erwünscht

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 16:03 Uhr

Sie kommen aus Syrien, Somalia oder dem Irak. Und über ihre Erlebnisse auf dem Weg nach Deutschland haben sie einiges zu erzählen. Um diese Erlebnisse mit den Einheimischen teilen zu können, müssen sie jedoch zuerst die Sprache lernen. Das Flüchtlingscafé im Pinneberger Pino Café schafft dafür einen kulturellen Austausch: Hier treffen Geflüchtete auf Deutsche und junge auf alte Menschen. Das Angebot findet viel Anklang. Begonnen hat es Anfang 2015, zum Ende des Jahres gab es bereits 100 bis 120 Teilnehmer.

Für das Flüchtlingscafé wird das Pino Café gemietet, welches als soziales Projekt seit 1998 eine lange Geschichte hat. Hier werden Tee, Kaffee und Brötchen für die Teilnehmer serviert und eine gemütliche Atmosphäre für das Zusammenkommen geschaffen. „Die Zugezogenen erhalten nicht sofort einen Sprachkursus, aber Deutsch sprechen müssen sie ab dem ersten Tag“, erklärt Larissa Jilek vom Diakonieverein Migration ihre Motivation. Die Leiterin des Flüchtlingscafés engagiert sich dafür, dass die Teilnehmer sich in der neuen Heimat weniger fremd fühlen. „Hier können wir unterschiedliche Menschen zusammenbringen“, so Jilek.

Ohne die aktiven Ehrenamtlichen wäre das Konzept erfolglos. Viele von ihnen zeigen vollen Einsatz: Sie begleiten die Asylbewerber zu Behörden, betreuen deren Kinder und lehren Deutsch. Aus den Sprachpartnerschaften entstanden schon Freundschaften. Und beide Seiten profitieren: „Die informellen Begegnungen bauen Vorurteile ab und alle Beteiligten lernen aus erster Hand über andere Kulturen“, beschreibt Jilek. Es zeige sich, dass die Herkunftsländer in Wirklichkeit oft ganz anders sind als vorgestellt. Und hinter der häufig so bezeichneten „Flüchtlingsproblematik“ stehen plötzlich Gesichter, Namen und Geschichten. Jilek dazu: „Wir bemühen uns, dass die Flüchtlinge sich von Anfang an aufgehoben fühlen.“ Dafür würden die Teilnehmer viel Dankbarkeit zeigen. Für sie bedeutet das Café Integration, Abwechslung vom Alltag und die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Ganz nebenbei verbessern die Besucher in einer entspannten Atmosphäre ihre Sprachkenntnisse, denn an der Motivation mangelt es nicht. „Ich benutze Youtube zum Deutschlernen“, erzählt Mohamad Diea Shamma, der vor fünf Monaten von Syrien nach Deutschland gezogen ist. Da das Internet auch als Kommunikationsmittel in die Heimat dient, stellt das Café kostenlos Wlan zur Verfügung. „Trotz der kulturellen Unterschiede gab es noch nie Konflikte“, sagt Jilek. Stattdessen ist das etablierte Pino Café immer gut besucht. Das Angebot des Flüchtlingscafés wurde um zwei Tage erweitert, die Teilnahme ist nun von Montag bis Donnerstag möglich. Mittwochs können die Besucher Schach spielen, ein Spiel unabhängig von Sprache.

Im vergangenen Jahr wurden ein Sommerfest und ein Grillfest veranstaltet, auch in Zukunft soll es neue Projekte geben. Die Zahl der Freiwilligen variiert jedoch, da diese oft zeitlich eingeschränkt sind. Um das Angebot weiterhin zu ermöglichen, werden stets Ehrenamtliche gesucht, insbesondere für die Kinderbetreuung und Lehrer zur Alphabetisierung der Teilnehmer. Diese sind nämlich oft andere Schriftzeichen gewohnt und müssen zuerst das Lesen und Schreiben lernen.

Auch Spenden nehmen die Betreiber des Cafés entgegen. Insbesondere Hausrat, kleine Möbel und Fahrräder werden benötigt. So kann eine Erstausstattung für die Geflüchteten garantiert werden. Denn genau dieses Engagement trägt dazu bei, dass sich jeder als Teil der Gesellschaft fühlen kann.

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