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Pinneberger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 09:15 Uhr

Die Freundschaft wird intensiver

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Städtepartnerschaften Auswirkungen des Brexit auf die Beziehungen werden nicht erwartet / Engere Zusammenarbeit nötig

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2016 | 12:47 Uhr

Sie essen zusammen. Sie trinken zusammen. Sie besuchen sich. Seit Jahren. Vier Gemeinden im Kreis Pinneberg unterhalten Partnerschaften mit Gemeinden in Großbritannien. In der Grafschaft East Sussex. Doch auch die persönlichen Kontakte haben auf der Insel nicht dazu geführt, dem Brexit eine Absage zu erteilen. Im Gegenteil: Die meisten Distrikte in der Grafschaft haben gegen die Europäische Union gestimmt.

Polegate, die Partnergemeinde von Appen, und Uckfield, Partnerstadt von Quickborn, liegen im Distrikt Wealden. Dort haben 54,5 Prozent der Wähler für den Brexit und 45,5 Prozent dagegen gestimmt. Ellerhoop hat auf Hurst Green im Distrikt Rother geschaut. Dort haben sich sogar 58,5 Prozent der britischen Wähler für einen EU-Austritt entschieden. Nur im Distrikt Lewes, in dem Bönningstedts Partnergemeinde Seaford liegt, hat sich eine Mehrheit von 52,1 Prozent für einen Verbleib ausgesprochen.

„Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll“, sagte Astrid Hatje, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees in Ellerhoop, gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie könne derzeit noch nicht absehen, inwieweit der Brexit Folgen für die Partnerschaft haben wird. „Werden wir künftig bei Besuchen Visa benötigen?“, fragt sie. Sicher ist Hatje sich aber in einem: Im zwischenmenschlichen Bereich wird sich nichts ändern. Die Partnerschaft mit Hurst Green sei nicht politisch. „Wir besuchen Freunde“, sagte sie. Erst im Mai seien Ellerhooper in dem kleinen Ort im Süden Großbritanniens gewesen. „Die Abstimmung war nicht Hauptthema. Wir haben aber schon darüber gesprochen“, so die Ellerhooperin. Vor allem die EU-Bürokratie sei Grund gewesen, weshalb insbesondere die Älteren für einen Austritt aus der Gemeinschaft gewesen seien.

Auch Heinz Oertel, Mitbegründer der Partnerschaft von Bönningstedt und Seaford, rechnet nicht damit, dass der Brexit Auswirkungen auf die Partnerschaft haben wird. Allerdings: Zum Abstimmungsverhalten der Briten hat er eine deutliche Meinung. „Das ist eine mittelprächtige Katastrophe“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Jüngst sei eine Abordnung aus Seaford in Bönningstedt gewesen. Niemand habe mit diesem Ergebnis gerechnet. Oertel macht insbesondere dem britischen Regierungschef David Cameron schwere Vorwürfe. Cameron habe die Verpflichtung, das Land im besten Sinne zu regieren. „Es ist unverantwortlich gewesen, diese Volksbefragung durchzuführen“, so Oertel.

Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl sieht keinen Grund zur Schwarzmalerei. Er sieht eine neue Zeit für Städtepartnerschaften wie die zwischen seiner Stadt und Uckfield aufbrechen. „Die Freundschaft wird intensiver“, ist sich der Verwaltungschef sicher. Er war erst jüngst mit einer Gruppe von Verwaltungsmitarbeitern und Gremienmitgliedern auf der Insel. Der Brexit sei Thema gewesen. „Das ist keine Entscheidung gegen das Festland gewesen“, so Köppls Eindruck. Partnerschaft und Freundschaft litten nicht unter der Entscheidung zum EU-Austritt der Briten. Auch er glaube: Die EU habe sich zu weit von „den normalen Menschen“ entfernt. Gemeinsam mit den englischen Freunden sei sich die Quickborner Delegation sicher gewesen, dass die Partnerschaft heutzutage wichtiger sei als je zuvor. Jetzt nach der Entscheidung zum Brexit müssten die Partnerstädte noch enger zusammenarbeiten und – so Köppl – für die Idee eines freien Europas werben.

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