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Breitband im Kreis Pinneberg : Die Fläche ist noch unterversorgt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Internet-Experte spricht mit Kommunal-, Landes- und Bundespolitikern über den Breitbandausbau im Kreis Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2015 | 12:15 Uhr

Kreis Pinneberg | Deutschland liegt beim Breitbandinternet in der Europäischen Spitzengruppe. 85 Prozent der Haushalte nutzen laut Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hierzulande einen Breitband-Anschluss. Einzig Finnland, Dänemark, die Niederlande und das Vereinigte Königreich liegen prozentual vor Deutschland. „Schleswig-Holstein steht im nationalen Vergleich nicht schlecht da“, sagte Landtagsabgeordneter Thomas Hölck (SPD) am Montagabend bei der Diskussionsrunde „Moderne Netze für ein modernes Land“ im Lindenhof in Heist. In 99,4  Prozent der Haushalte würde mindestens ein Megabyte-Geschwindigkeit erreicht. Breitbandinternet soll die 50-fache Geschwindigkeit ermöglichen.

Und da hakt es vor allem in den Marschgemeinden. Deren Bürgermeister verfolgten die Ausführungen des Politikers interessiert, der die Breitbandstrategie des Landes vorstellte. „Die Fläche ist aber noch immer unterversorgt“, stellte Hölck klar. Bis zum Jahr 2025 sollen 90 Prozent der Haushalte in Schleswig-Holstein mit Breitband versorgt sein. Bis 2030 alle. „Es ist wichtig, dass sich die Regionen gleich entwickeln können“, sagte Hölck. Dabei setze die Landesregierung auf die FTTH-Technologie: „Fibre to the home. Die teuerste Lösung, weil das Glasfaserkabel bis in die Häuser gelegt werden muss. „Wer dem ländlichen Raum eine Zukunft geben will, muss ihm Glasfaser geben“, sagte Hölck.

So sah es auch der Bundestagabgeordnete Matthias Ilgen (SDP), Mitglied des Wirtschaftsausschusses und Berichterstatter für die Digitale Agenda. Aus seiner Sicht habe der Kreis Pinneberg seine Hausaufgaben gemacht: „Der Kreis Pinneberg hat die Versorgungslücken noch nicht geschlossen, aber zumindest alle aufgezeigt.“ Letztendlich sei des die Aufgabe von Alexander Dobrindt (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, die Förderprogramme zum Breitbandausbau bei der EU-Kommission vorzustellen und durchzusetzen. Einen Seitenhieb konnte sich Ilgen dabei nicht verkneifen: „Wir müssen aufpassen, dass es ein Marschprogramm wird und kein bayerisches. Ich kenne ja den Minister.“

Bei der Vergabe der Fördergelder sehe er die Stadtstaaten Hamburg und Bremen außen vor. „Dort sind keine Förderungen notwendig“, sagte Ilgen. Daher plädiere er für einen Verteilerschlüssel nach Bedarf und nicht nach Einwohnerzahl. „Für Schleswig-Holstein muss der Schlüssel am größten sein“, sagte der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Nordfriesland-Dithmarschen Nord. „Es kann nicht nach dem Prinzip ‚die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen‘ laufen.“

Matthias Ilgen zog 2013 über die Landesliste der SPD erstmals in den Bundestag ein. Politisch engagierte er sich seit 1998, zunächst bei den Jusos und seit 2004 bei der Hamburger SPD. Von 2008 bis 2013 war er Stadtverordneter in seinem Heimatort Husum. Nach seinem Studium der Erziehungs-, Geschichts- und Sozialwissenschaften auf Lehramt an der Universität Hamburg arbeitete er in der freien Wirtschaft – vor allem im Bereich der Erneuerbaren Energien. Als „Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen“ – kurz: „Der Freiherr“ – stand der SPD-Politiker als Westler im Ring, wobei er immer den Bösewicht gab. Seit dem Wahlkampf 2013 pausiert die Ringkarriere.

Thorsten Rockel (SPD), Bürgermeister in Seestermühe, kritisierte das Scheitern der Breitband Gmbh: „Es ist erschreckend, wie das gute Breitbandkonzept an die Wand gefahren wurde.“ Vom Kreis Pinneberg forderte er, sich aus der Thematik herauszuhalten: „Was der Kreis tun kann? Lassen Sie uns Gemeinden einfach machen. Dann läuft das schon.“ Helmut Jahnke (SPD), Mitglied der SPD-Kreistagsfraktion, sorgte mit seiner Erwiderung für viel Gelächter: „Vom Kreis darf man an dieser Stelle nicht viel erwarten. Wir haben eine abwartende Haltung, werden aber auch nicht stören.“ Eine Finanzierung durch den Kreis sei nicht möglich. 2009 habe der Kreis als einer der ersten ein Breitbandkonzept entwickelt. Der Plan sei eine nachhaltige, flächendeckende Versorgung gewesen. „Die guten Vorsätze wurden von der Realität und der technischen Entwicklung überrollt.“ Haselaus Bürgermeister Rolf Herrmann (CDU) mahnte, die Milliardeninvestition realistisch zu sehen, da diese sich auf Länder, Gemeinden und mehrere Jahre aufteilen würden. Gerade in Schleswig-Holstein sei dies ein Problem: „Wenn der Bund das Geld über das Land schickt, kommen oft noch Transportkosten dazu.“ Hölck versprach, diesen Einwand in Kiel vorzutragen. Herrmann sprach sich zudem für einen Zusammenschluss der Gemeinden beim Breitbandausbau aus. So, wie es die meisten an der Sitzung anwesenden Gemeindevertreter taten.

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Rainer Jürgensen, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Moorrege, umschrieb die Zukunft des Zweckverbands Breitband Südholstein zunächst blumig: „Es kommt ein schöner Frühling und dann können die Blumen sprießen.“ Zusammen mit dem Unternehmen Wilhelmtel aus Norderstedt plane der Zweckverband die Übernahme der Breitbandsparte des azv Südholstein. „Glauben sie an den Zweckverband und werben sie nicht für Zwischenlösungen“, sagte Jürgensen abschließend.

FTTH steht für „Fibre to the home“ oder „Fibre all the way to the home“. Die für Breitbandinternet notwendigen Glasfaserleitungen werden dabei bis in die jeweiligen Wohnungen gelegt. Derzeit kommen oftmals Kupferleitungen zum Einsatz, die die Geschwindigkeit der Datenübertragung ausbremsen. Um die volle Leistung nutzen zu können, sollten auch in den Wohnungen Glasfaserkabel verlegt werden. Die Experten sprechen dabei von FTTD („Firbe to the desk“, übersetzt: „Glasfaser bis zum Schreibtisch“).
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