„Die Feuerwehr ist mein Ausgleich“

Claus Köster ist Wehrführer in Pinneberg. Er liebt seine ehrenamtliche Arbeit.
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Claus Köster ist Wehrführer in Pinneberg. Er liebt seine ehrenamtliche Arbeit.

Claus Köster leitet seit vier Jahren die Brandbekämpfer in der Kreisstadt / Kritik an verständnislosen Anwohnern bei Einsätzen

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29. August 2018, 16:36 Uhr

Anlässlich des 160. Geburtstages des Pinneberger Tageblatts ruftder A. Beig-Verlag als Herausgeber unserer Zeitung eine Aktionswoche ins Leben, die auch redaktionell begleitet wird. Während der Geburtstagswocherückt jeden Tag ein anderer Aspekt des Pinneberger Stadtlebens in den Fokus.Heute: der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Pinneberg im Porträt.

Menschen, die dafür leben, was sie tun – davon gibt es nicht viele. Und wenn es dann auch noch Menschen sind, die sich für andere einsetzen, dann ist es etwas ganz Besonderes. Claus Köster ist solch ein Mensch.

Seit 2014 ist er ehrenamtlicher Wehrführer der Feuerwehr Pinneberg. Und das mit Leib und Seele. Das merkt jeder, der mit ihm spricht. Immer wach und ein wenig unter Strom, die Augen überall und jeder Zeit bereit, nach seinem Schüssel zu greifen, um zum Einsatz zu fahren – wenn der Melder piept. „Sonst wäre das auch gar nicht möglich“, sagt Köster. Er arbeitet als Gerichtsvollzieher beim Amtsgericht Pinneberg. Vollzeit. „Was ich an Zeit durch Feuerwehr verliere, muss ich abends oder am Wochenende dran hängen“, schildert er. Aber Köster sei dankbar, dass er Hauptamt und Ehrenamt so gut miteinander vereinbaren könne. „Da habe ich wirklich Glück.“
Dass er zur Feuerwehr gekommen ist, war familiär bedingt. „Es liegt in meinen Genen“, sagt der Wahl-Pinneberger und lacht dabei. Sein Großvater und Vater sowie seine zwei Brüder waren in der Feuerwehr. Dass er 1978 in seiner Heimat bei der Eckernförder Feuerwehr eingetreten ist, war früh klar. 1984 kam Köster dann mit seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau nach Pinneberg. „Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt.“

In den Mittelpunkt stellen will er sich nicht. „Feuerwehr hängt nicht an einer Person. Es gehören so viele Menschen dazu“, meint der Wehrführer. „Es ist Teamarbeit.“ Ein Einzelner könne sich ein Bein ausreißen – doch die Gemeinschaft zählt, ist Köster überzeugt. „Das macht unsere Pinneberger Wehr so besonders. Wir haben viele Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedensten
Themen auseinandersetzen. Und wir haben eine so tolle Nachwuchsarbeit mit der Jugendfeuerwehr.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Politik sei unentbehrlich und funktioniere hervorragend. Zusammenhalt ist dem Pinneberger Wehrführer sehr wichtig.

Der Vater von zwei erwachsenen Kindern geht in seiner ehrenamtlichen Arbeit voll und ganz auf. „Wenn ich gefragt werde, was ich zum Ausgleich mache, kann ich nur immer antworten: Die Feuerwehr ist mein Ausgleich. Etwas anderes benötige ich nicht“, schildert Köster. Belastend seien die Einsätze, bei denen Menschen zu Schaden kommen und leiden. Besonders, wenn Kinder involviert seien. „Es ist dann verdammt wichtig, in kürzester Zeit über das Thema zu sprechen“, sagt Köster. An seinen schockierendsten Einsatz könne er sich noch gut erinnern. Er habe zuvor mit seiner Frau und seinen Kindern Abendbrot gegessen. Dann musste er zu einem Verkehrsunfall. Als er in das Auto geschaut habe, habe er einen Schock bekommen. „Das Opfer sah aus wie meine Tochter. Ich wusste ja, dass sie es nicht sein kann, und trotzdem war es einfach nur schlimm.“

Der Wehrführer fühlt mit, denkt mit – und packt an. „So sind Feuerwehrleute“, sagt er. Doch Köster sagt auch, was er denkt. Und dazu steht er: „Es gibt natürlich Dinge, die mich stören. Zum Beispiel, dass viele Leute nicht darüber nachdenken, was sie tun. Ich wünsche mir, dass Leute sich auch wieder selbst um Dinge kümmern.“ Die Ignoranz der Menschen sei oft groß. „An abgesperrten Einsatzstellen zum Beispiel. Da heißt es dann: Kann ich durch? Ich will nach Hause, ich habe gearbeitet. Und ich denke dann immer: Ja, auch ich habe gearbeitet.“

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