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Pinneberger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 07:40 Uhr

Die Familie geht ihr über alles

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Barmstedterin Tanja Reß nahm sechs Jahre Elternzeit, um sich um ihre Söhne kümmern zu können / Seit 2010 leitet sie Gruppen für Kleinkinder und Mütter

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Ihr Glas ist immer halbvoll, und sie ist rundherum zufrieden. Mit entsprechend viel Freude, Energie und Einfühlungsvermögen leitet die Barmstedterin Tanja Reß seit Januar 2010 einen offenen Eltern-Kind-Treff im Victor-Andersen-Haus und den Miniclub für Kinder von eineinhalb bis drei Jahren. Die Atmosphäre ist entspannt: Mütter bereiten sich Tee oder Kaffee zu, lassen die Kleinen krabbeln oder sitzen mit ihnen auf den Matten auf dem Boden. Reß bietet zwischendurch kleine Klatsch- und Singspiele an, bei denen alle begeistert mitmachen. In Brande-Hörnerkirchen findet man Reß dienstags im Gemeinde-haus, wo sie ebenfalls einen offenen Treff und den Miniclub organisiert.

Eigentlich hatte Reß, die im niedersächsischen Kirchhatten (Landkreis Oldenburg) aufwuchs, in ihrem Beruf als Erzieherin in Hamburg arbeiten wollen – wohin sie auch zog. Eine Stelle fand sie allerdings in Barmstedt, in der Hortgruppe der Awo-Kita. Die Fahrerei war indes so anstrengend, dass sie doch in eine Kita in Othmarschen wechselte. Eines war ihr aber klar: „Eigene Kinder wollte ich nicht in einer Großstadt groß werden lassen.“ Barmstedt konnte sie sich eher als Ort vorstellen, an dem die Familie leben könnte. Ihr Ehemann Thomas, ein Diplom-Ingenieur, zog mit. Und kurzerhand baute das Paar dort ein Haus – in dem mittlerweile auch die Kinder Bjarne (7) und Mattis (3) herumtoben.

„Barmstedt bietet einfach alles: Kindergarten, Schule, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Kino – und es ist alles zu Fuß erreichbar“, schwärmt Reß. Das Haus ist kindgerecht gebaut; im Wohnzimmer darf gespielt werden. Und musiziert – egal, womit. Klar, dass auch der Garten auf die Kinder zugeschnitten ist. Die große Sandkiste muss sein. „Die Kinder sollen toben dürfen“, so Reß.

Einziger Wermutstropfen: Mit der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit haperte es. „Kinder, Familie, Erziehung und Beruf: Das passte nicht zusammen“, sagt Reß. Vielleicht hätte es mit der Unterstützung von Oma und Opa geklappt. Aber die wohnen nicht im gleichen Ort. Die Betreuung der Kinder hätte Geld gekostet. Ein weiterer wichtiger Grund für Reß: Sie hätte nichts von den Kindern gehabt. „Mein Mann und ich hätten den Urlaub splitten müssen. Und ich hätte keine Zeit mehr für das Kochen mit gesunder Kost gehabt“, sagt sie. Das hätte sich alles überhaupt nicht gerechnet. Also nahm sie sechs Jahre Elternzeit.


Ihr Vater führte die eigene Mühle


Die eigenen Kinder profitieren von der nie versiegenden Kreativität der Mutter. Sie dürfen Wände bemalen, Drachen bauen, tolle Dinge basteln und vieles mehr. Die Familie ist Reß wichtig. Dabei hat sie ihre eigene Kindheit vor Augen. „Die war traumhaft“, sagt sie. Der Vater war Müllermeister und führte die familieneigene Mühle, die früher einmal eine Windmühle war. „Dort gab es herrliche Spielmöglichkeiten“, sagt Reß. Ebenso wie im großen Garten und dem angrenzenden Wald. Sie wuchs auch mit der Selbstverständlichkeit auf, dass etliche Verwandte mit im Haus wohnten.

Familiensinn und Kreativität begleiten Tanja Reß bis heute. Ihren grenzenlosen Einfallsreichtum möchte sie gern in Kursen realisieren, sagt sie und zählt auf: Waldkurse, Steinzeitkurse, die Suche nach dem Zauberbuch, eine Piratenrallye um den See, Künstlern auf der Spur, Schleudervögel und Regenmacher basteln. . . „Und ich habe noch mehr Ideen“, sagt Tanja Reß und lacht.

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