Neue Ausstellung in Pinneberg : Die Drostei zeigt Helgolands verborgene Seiten

Thorsten Bernd und Stefanie Fricke begutachten Erhard Göttlichers sorgsam komponierte Darstellung einer Wohnstraße im Oberland.
Thorsten Bernd und Stefanie Fricke begutachten Erhard Göttlichers sorgsam komponierte Darstellung einer Wohnstraße im Oberland.

Ab dem 28. April werden in der Schau „Helgoland in Sicht“ Werke von Erhard Göttlicher, Thorsten Berndt und Lilo Tadday präsentiert.

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26. April 2018, 13:15 Uhr

Pinneberg | 4,2 Quadratkilometer groß ist Helgoland. Jede Hummerbude, jedes Börteboot und jede Kegelrobbe dürfte bereits tausendfach fotografiert worden sein. Von Tagestouristen, bewaffnet mit Handykameras. Unter dem Titel „Helgoland in Sicht“, versuchen drei Künstler ab Sonnabend, 28. April, 16 Uhr, neue Facetten der Insel zu zeigen – im Rahmen einer Ausstellung in der Drostei. „Wir wollten nicht immer nur die Lange Anna oder den Lummenfelsen zeigen“, erklärt Stefanie Fricke, künstlerische Leiterin der Drostei.

Der Maler Erhard Göttlicher und der Fotograf Thorsten Berndt sind regelmäßige Gäste auf dem Eiland. Fotografin Lilo Tadday lebt sogar seit 45 Jahren auf Helgoland. Den Anstoß für die gemeinsame Ausstellung gab Göttlicher. Der in Uetersen lebende Maler fertigt seine Acrylgemälde seit den 1990ern immer wieder auf Helgoland an. Im vergangenen November malte er auch bei Windgeschwindigkeiten von 170 Kilometern pro Stunde. Göttlicher: „Da wäre die Staffelei fast im Nirvana verschwunden.“ Der gebürtige Grazer hielt mit dem Pinsel immer wieder die Tetrapoden fest, massige Betonklötze, die dem Küstenschutz dienen und nichts mit der touristischen Hummerbuden-Idylle zu tun haben. Einen Kontrast zu den von Menschenhand geschaffenen Konstruktionen bieten das Meer, mal spiegelglatt, mal aufbrausend, und der Himmel mit seinen tief hängenden Wolken.

Lilo Tadday porträtiert auch die Bewohner Helgolands.
Mustafa Qayumi
Lilo Tadday porträtiert auch die Bewohner Helgolands.
 

Fotograf Berndt beschäftigte sich ebenfalls immer wieder mit künstlichen Landschaftsmerkmalen der Insel. Mehrere Fotos zeigen die rostigen Metallstelen, die an der Küste in den Himmel ragen. Es handelt sich um Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs. Hitler ließ die Insel damals zur Festung in der Nordsee ausbauen. Berndt arbeitete lange Zeit hauptsächlich in schwarz-weiß. Für die Ausstellung in der Drostei reiste er im vergangenen Herbst aber noch einmal auf die Insel und lichtete mit analoger Technik farbige Motive ab. Besonders die Pasteltöne in der Helgoländer Architektur weckten seine Aufmerksamkeit.

Göttlicher ist voll des Lobes für Berndt und Tadday: „Beide Fotografen beherrschen die richtige Komposition, die Leerräume stimmen.“ Fricke ergänzt: „Die Bilder sind harte Arbeit, das sind keine Schnappschüsse.“

Die Metallstelen sind Überreste des Zweiten Weltkriegs.
Mustafa Qayumi
Die Metallstelen sind Überreste des Zweiten Weltkriegs.
 

In Taddays Fotos finden sich auch die Menschen und die Tierwelt Helgolands wieder. „Jeden Tag sieht man die Karawanen von Touristen mit ihren Einkäufen vorbeiziehen“, schildert Göttlicher seine Erfahrungen. „Erst wenn die Touristen abgereist sind, fängt das Helgoländer Leben wirklich an.“ Auch das Zusammenleben auf engem Raum fasziniert alle Künstler, eine Gemeinschaft auf offener See, in der es kaum Anonymität und Geheimnisse gibt.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 10. Juni, in der Drostei, Dingstätte 23, zu sehen. Das Kreiskulturzentrum hat von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Schüler können die Ausstellung kostenlos besuchen. Weitere Infos gibt es hier.

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