zur Navigation springen

Reportage : Die DLRG stellt Verletzte für Notfallübungen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Neuer Einsatzbereich für die Pinneberger Lebensretter.

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2017 | 10:00 Uhr

Pinnberg | Ein Auto steht vor einem Baum. Die Motorhaube ist zerquetscht. Die Scheiben kaputt. Auf der Straße liegen mehrere Jugendliche. Von Weitem ist ein Martinshorn zu hören, dass sich scheinbar im hohen Tempo nähert. Eine Jugendliche läuft dem Rettungswagen, der in die Straße am Hafen gebogen ist, entgegen. Blut tropft aus dem Mund. Auch das T-Shirt ist rot verschmiert. Schmerzensschreie übertönen die akustischen Signale. Ein schauriges Bild, das sich den Rettungskräften bietet. Doch alles ist zum Glück nur eine Übung. Oder quasi ein Test. Es ist die Abschlussveranstaltung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Pinneberg zum Thema Realistische Unfall- und Notfall-Darstellung (Rund).

„Wir haben uns überlegt, wie wir mit anderen Hilfsorganisationen besser in Kontakt kommen können und wir sie auch unterstützen können“, sagt Martin Bröcker, Jungendausbilder der Pinneberger DLRG. Dabei sei man auf die Notfalldarstellung gestoßen, die beim DLRG Bundesverband bereits seit sechs Jahren intensiv vermittelt wird. Was sind Verletzungsarten? Wie stellen sie sich dar? Was sind die Symptome? Was passiert bei falscher Behandlung? Das sind Inhalte, die die Rund-Teilnehmer lernen.

„Wir haben in den Seminaren gelernt wie wir es schaffen, eine Verletzung die ganze Zeit durchzuspielen. Das heißt auch, sich in Szenarien reinzusteigern, aber auch fallen zu lassen. Das ist in der Realität auch so“, erläutert Bröcker und ergänzt grinsend: „Jemand im Erste-Hilfe-Kurs ist damit vielleicht überfordert, aber bei Übungen wollen wir die Jungs und Mädels vom Rettungsdienst auch mal richtig schwitzen lassen.“ Dabei geht es nicht nur darum, sich Verletzungen zu schminken, die für jeden Horrorfilm geeignet wären, sondern um die Darstellung der Verletzung. „Einen Herzinfarkt kann man nicht schminken, aber spielen. Man muss nur wissen wie“, sagt Bröcker.

Theaterutensilien wie Kunstblut und Plastikmesser gehören beim Schminken dazu,
Theaterutensilien wie Kunstblut und Plastikmesser gehören beim Schminken dazu, Foto: DLRG
 

Insgesamt zwölf Mitglieder der Pinneberger DLRG haben die Ausbildung absolviert. Bröcker würde gern die Leiter- und Ausbilderausbildung machen, um zukünftig intern selbst schulen zu können. Außer Mitgliedern des Jugendeinsatzteams (Jet) sind auch aktive Mitglieder aus dem Einsatzteam dabei. „Eigentlich kann jeder mitmachen. Wir brauchen auch ältere Mitglieder, denn wenn ein 17-Jähriger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall spielt, ist das für die Rettungskräfte wenig realistisch.“ Nils Warnecke, Sprecher für Verbandskommunikation der DLRG Pinneberg ergänzt: „Eine gute Mischung macht es: Jet-Mitglieder, Aktive und Leute, die einfach mithelfen wollen.“

Die Mitglieder des DLRG Rund-Teams beendeten ihre Schulung mit der Darstellung eines Unfalls im Pinneberger Hafen.
Die Mitglieder des DLRG Rund-Teams beendeten ihre Schulung mit der Darstellung eines Unfalls im Pinneberger Hafen. Foto: DLRG

Dass es kein Spiel ist, beweist der letzte Einsatz im Rund-Team von Bröcker, bei dem er dabei war. Im Krankenhaus in Hamburg St. Georg wurde die Eignung für Großschadenslagen getestet. „Diese Tests sind in Hamburg gesetzlich verankert“, erläutert Bröcker. Etwa 70 Mimen versammelten sich und wurden mit Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. „Das Personal wusste von nichts und musste die Fälle dann abarbeiten“, berichtet Bröcker. Unter anderem werde überprüft, ob ausreichend Material, Infusionen und Medikamente vorhanden sind. Und ob alles funktioniert. „Ein Arzt hat einen Stift genommen und so getan, als ob es eine Taschenlampe sei, um die Pupillenfunktion zu prüfen. Der musste ganz schnell eine echte Taschenlampe holen“, so Bröcker. Auch Infusionen werden real eingesetzt – und neben den entsprechenden Patienten gelegt. Bröcker war selbst als Mimenbegleiter dabei. „In solchen Situationen muss man aufpassen, dass unter Stress nichts passiert. Niemand bekommt eine Nadel reingerammt. Wir sind im Notfall auch dafür da, die Einsatzkräfte zu bremsen“, so Bröcker.

Zukünftig soll das DLRG Rund-Team bei Übungen von Feuerwehren, Krankenhäusern oder anderen Rettungsdiensten zum Einsatz kommen. „Das wäre toll, wenn wir so vier-, fünfmal im Jahr angefordert würden“, sagt Bröcker. „Die sollen sich einfach melden und dann kann man etwas gemeinsam machen. Das ist was anderes, als wenn man nur eine Übungspuppe retten muss, die einen Zettel mit der Krankheit um den Hals trägt“, so Bröcker. „Natürlich dürfen sich Interessierte melden, die mitmachen wollen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen