Kreis Pinneberg : Die D-Mark verabschiedet sich endgültig

Schlussakkord für den „Heiermann“: Noch werden das Fünf-Mark-Stück und andere „Restposten“ der früheren Währung von Siegmar „Zip“ Karkowski  und seinem Sohn Tim angenommen.
Schlussakkord für den „Heiermann“: Noch werden das Fünf-Mark-Stück und andere „Restposten“ der früheren Währung von Siegmar „Zip“ Karkowski und seinem Sohn Tim angenommen.

Einzelhändler endet mit Annahme der alten Währung zum 31. Juli. Abgabe bei der Bundesbank weiterhin möglich.

shz.de von
17. Mai 2015, 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Seit 1982 nimmt Siegmar „Zip“ Karkowski in dem Tabakfachgeschäft im Pinneberger Fahltskamp D-Mark an. Im 14. Jahr nach der Einführung des Euros als neue Währung ist damit am 31. Juli Schluss. „Es ist immer weniger geworden, der Aufwand eine Extra-Kasse zu führen, lohnt sich nicht mehr“, sagt der 74-Jährige. Nach der Einführung der neuen Währung am 1. Januar 2002 seien es noch vier bis fünf Kunden pro Woche gewesen, die mit mehreren Hundert D-Mark zahlten. Derzeit gebe es nur noch zwei Zahlungen im Wert von 30 D-Mark pro Monat.

Die alte Währung wird bei der Hamburger Filiale der Deutschen Bundesbank umgetauscht. Diesen Weg wollen sich Siegmar „Zip“ Karkowski und sein Sohn und Nachfolger Tim (30) in Zukunft sparen. Aber ihre Kunden erhalten zum Einkaufen mit D-Mark eine Schonfrist. Was bleibt sind Erinnerungen. Nostalgie ist bei dem Thema unumgänglich: „Einmal kam ein zwölfjähriger Junge mit seinem Sparschwein zu uns“, erinnert sich „Zip“ Karkowski. „Im Laden wurde dann ‚geschlachtet‘ und er hat dafür zwei ‚Lustige Taschenbücher‘ mitgenommen.“ Zudem hätten die Kunden altes Geld in Kleidungsstücken gefunden oder Omas altes Portemonnaie wiederentdeckt. „Auch viele Münzsammler waren dabei, die hatten gemerkt, dass mit ihren alten D-Mark-Münzen nichts zu verdienen ist“, berichtet „Zip“ Karkowski.

Sammler tragen sicherlich auch dazu bei, dass laut Zahlen der Bundesbank zum Stichtag 31. März noch 12,9 Milliarden D-Mark ausstehen. Die Zentralbank der Bundesrepublik veröffentlicht seit der Euro-Einführung monatlich die Restsumme der alten Währung. Ende Januar 2002 waren es noch 50, vier Wochen später noch 30 Milliarden D-Mark. Ende 2003 pendelte sich der Betrag bei etwa 16 Milliarden Euro ein. Danach sank die Menge langsam und stetig.

Die Abgabe von D-Mark-Scheinen oder -Münzen ist in den Filialen der Bundesbank oder sogar per Post unbegrenzt möglich. „Da es 2002 eine Währungsumstellung gab, und keine Währungsreform, behält das alte Geld seinen Wert“, teilt ein Bundesbanksprecher mit. Davon ausgenommen sind Banknoten und Münzen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). In einigen anderen europäischen Ländern ist ein Umtausch der alten Währungen nicht mehr möglich, beziehungsweise befristet. Eine letzte Frist für die D-Mark ist jetzt auch in Pinneberg eingeläutet. Zumindest bei den Karkowskis.

Die Deutsche Mark, umgangssprachlich auch D-Mark, war ab 21. Juni 1948 die offizielle Währung in der Bundesrepublik Deutschland. Vor der Staatsgründung am 23. Mai 1949 war die D-Mark Zahlungsmittel in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands und West-Berlin. Mit Inkrafttreten der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990 löste sie die Mark der DDR ab; die D-Mark blieb auch im wiedervereinigten Deutschland das gesetzliche Zahlungsmittel. Nach Errichtung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wurde die Deutsche Mark schließlich am 1. Januar 1999 als Buchgeld und am 1. Januar 2002 als Bargeld durch den Euro ersetzt.
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