Nach nur zwei Monaten : Die CDU Pinneberg will den Radweg im Jappopweg zurückbauen lassen

Auf beiden Seiten wurde der Radweg erst Ende April befestigt.

Auf beiden Seiten wurde der Radweg erst Ende April befestigt.

Die Pinneberger Christdemokraten sind für den Rückbau des im April befestigten Fahrradstreifens. Scharfe Kritik vom ADFC.

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30. Juni 2018, 11:00 Uhr

Pinneberg | Die Farbe von dem vor wenigen Wochen gemalten Fahrradschutzstreifen im Pinneberger Stadtteil Waldenau trocknet noch – da soll der Radweg schon wieder weg. Zumindest wenn es nach dem Willen der CDU Pinneberg geht. Die hat für den Stadtentwicklungsausschuss am 3. Juli folgenden Punkt auf die Tagesordnung gesetzt: „Fahrradstreifen Jappopweg“. Eine Vorlage liegt nicht vor. Laut Stadtsprecherin Maren Uschkurat handelt es sich um einen Besprechungspunkt. 

Autos parken in der Straßenmitte

Was möchte die CDU besprechen? „Wir sehen es kritisch, dass der Radweg ohne politische Zustimmung gebaut wurde“, antwortet Carl-Eric Pudor, CDU-Mitglied und zugleich Vorsitzender des Ausschusses. Der Politiker ergänzt: „Vom Bauamt heißt es, wir hätten dem Radweg zugestimmt. Bei den Maßnahmen war aber der Jappopweg nicht dabei.“ Außerdem bemängelt Pudor die Verkehrsführung und die Parkplatzsituation, die nun „unangenehm“ sei. Vor allem dadurch, dass Autos „mitten auf der Straße parken“ und die Radfahrer zwischen Autos und Bürgersteig „hindurchfahren müssen“. Der Christdemokrat stellt auch den Radweg an sich in Frage: „So viele Radfahrer fahren dort gar nicht lang. Der Weg wäre nicht unbedingt notwendig. “

Besseres Angebot, höhere Nutzung

Nachgefragt beim Bauamt Pinneberg heißt es: „Die Strecke ist am 28. November im Rahmen des Pakets Radentwicklung beschlossen worden“, so Bauamtsleiter Klaus Stieghorst. Außerdem sei der Radweg Teil der Veloroute drei, die nach dem Beschluss vorrangig ausgebaut werden soll. Zwar gebe es keine Nutzungszahlen für den Jappopweg, aber Stieghorst sagt zu Pudors Kritik: „Ein besseres Angebot schafft auch eine höhere Nutzung durch Radfahrer.“

 Was wäre für die CDU also die Alternative? Pudor sagt, seine Fraktion habe Überlegungen dazu gemacht und verweist auf seinen Parteikollegen Jürgen Jacobsen. Der wird deutlich: „Wir haben schon im Wahlkampf vor der Kommunalwahl unseren Wählern versprochen, dass dieser Radweg wieder zurückgebaut wird.“ Die Radfahrer könnten alternativ auf dem Fußweg fahren, der sei breit genug. „Da muss nur die Hecke mal richtig zurückgeschnitten werden“, sagt Jacobsen.  

Verkehrssicherheit für Radfahrer

Auch bei der Stadt haben sich einige Anlieger darüber beschwert, im Jappopweg nun nicht mehr direkt am Bordstein parken zu dürfen. „In der Sache entfallen aber keine Parkmöglichkeiten. Die Straße ist breit genug und es ist auch auf den anliegenden Grundstücken Platz genug um Fahrzeuge abzustellen“, heißt es dazu von Stadtsprecherin Maren Uschukurat. Und sie ergänzt: „Außerdem erhöht die Maßnahme die Verkehrssicherheit der Radfahrer.“

Beim  Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Pinneberg zeigt man sich über den Willen der CDU fassungslos. „Das ist eine Farce“, kommentiert Ortssprecher Ulf Brüggmann. „Endlich wird ein Teil der Veloroute drei sichtbar, und nun soll  er zurückgebaut werden. Wenn das passiert, dann ist das Radfahren in Pinneberg tot.“ Außerdem sei die Kommune gesetzlich verpflichtet, eine sichere Verkehrsführung für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. „An keiner Stelle gibt es eine gesetzliche Verpflichtung, Parkplätze zu priorisieren“, sagt Brüggmann. Auch der Fußweg sei keine Alternative für Radfahrer. „Der ist völlig indiskutabel. Er entspricht auch baulich nicht den Anforderungen, er ist viel zu schmal und holprig. Das ist eine Denke aus den 1970er Jahren“, kommentiert Brüggmann.

Pinneberg ist nicht fahrradfreundlich

Insgesamt vier Velorouten wurden vor einigen Jahren von der Stadt Pinneberg zugesagt, aber bisher kaum umgesetzt. Veloroute drei soll von der Innenstadt entlang am Pinneberger Bahnhof und an mehreren Schulen Richtung Waldenau führen. Der Radweg am Jappopweg ist ein erster wichtiger Teil dieser Strecke. Die Kosten für die Bemalung für den Abschnitt lagen bei etwa 3800 Euro. Wie teuer ein Rückbau wäre, ist nicht bekannt.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Besonders fahrradfreundlich ist Pinneberg bisher nicht. Beim Fahrradklimatest 2016 landete die Kreisstadt auf einem der letzten Plätze. Pinneberg erreichte bundesweit gerade mal Nummer 355 von 364 beurteilten Städten. Fahrradfahrer haben es hier also sowieso nicht leicht. Aber dass ein Radweg nach nur zwei Monaten zurückgebaut wird, das wäre sogar in Pinneberg neu.

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