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Kritik an Unwissenheit von Schülern : Die CDU feiert „25 Jahre Deutsche Einheit“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Schönhausen warnt vor einer „eigenen Form des Analphabetismus“.

Kreis Pinneberg | Mit der Wiedervereinigung von Ost und West hätten die Deutschen „dieses Angebot angenommen und damit auch der eigenen Geschichte eine glückliche Wendung gegeben am Ende eines sonst wenig rühmlichen 20. Jahrhunderts“, sagte Ole Schröder, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Pinneberg und Bundestagsabgeordneter der CDU, während der offiziellen Feierstunde „25 Jahre Deutsche Einheit“ im Rellinger Hof. „Für viele junge Menschen ist die Teilung Deutschlands mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen kaum noch vorstellbar – die Einheit unseres Vaterlandes selbstverständlich. Diese glückliche Fügung unserer Geschichte wollen wir heute feiern“, so Schröder.

Die damalige Deutschlandpolitik sei für Schröder einer der Gründe gewesen, in die CDU einzutreten, denn für die Union sei die Einheit seit der Gründung der Bundesrepublik immer das erklärte Ziel gewesen. „Allerdings war es nicht das Ziel einer Wiedervereinigung um jeden Preis. Es war das Ziel einer Wiedervereinigung in einem freien Deutschland, einer Demokratie mit freien Bürgern“, so Schröder. Die Wiedervereinigung sei nur durch das mutige Auftreten der Menschen in der DDR möglich gewesen. Schröder warnte vor einer Verharmlosung der DDR-Geschichte: „Man kann in Berlin ganz harmlos auf Trabi-Safari gehen, aber genauso beim Lose-Ziehen Erich-Honecker-Sticker gewinnen oder ein Pioniertuch der FDJ als Souvenir kaufen. Das ist mehr als schlechter Geschmack.“

Diese Kritik äußerte auch Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Schönhausen, der als Gastredner auch den Umgang mit der Wiedervereinigung kritisierte: „Ich weiß nicht, ob es Ihnen bewusst ist, dass nur die CDU den Tag der Deutschen Einheit feiert.“ Er sei noch nie von einer anderen Partei eingeladen worden. „Ich bin kein Fan von Pathos und Fahnen schwenken. Dafür habe ich mich zu sehr mit Diktaturen beschäftigt, aber das ist schon seltsam“, so Knabe. Ein Land, in dem es keinen Zusammenhalt gebe, sei sehr gefährdet, mahnte Knabe. Er berichtete aus seiner Arbeit im ehemaligen Stasigefängnis, in dem Häftlinge die Besucher führen und ihre Geschichten erzählen. „In Berlin-Schönhausen ist die Geschichte noch lebendig. Dort leben ehemalige Häftlinge, Wärter und Verhörer“, so Knabe.

Er kritisierte, dass viele Täter nie zur Verantwortung gezogen worden seien und viele Opfer keine angemessene Entschädigung erhalten hätten. Vor allem griff er die Partei „Die Linke“ als Nachfolgepartei der SED an: „Man kann eine Demokratie nicht mit den gleichen Leuten betreiben, die das Sagen in der Diktatur hatten.“ Knabe mahnte auch, die Themen Wiedervereinigung und DDR nicht zu vergessen: „Der unsägliche Zustand, dass Schüler nicht wissen, wer Erich Honecker oder Erich Mielke waren oder ob die DDR eine Demokratie oder Diktatur war, steht uns nicht gut zu Gesicht. Das ist eine eigene Form des Analphabetismus.“ 

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erstellt am 28.Sep.2015 | 16:30 Uhr

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