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Tangstedt : Die Bürgermeisterwahl ist gescheitert

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Einziger Kandidat bleibtohne Mehrheit. Ehemaliger Amtsinhaber Detlef Goos „maßlos enttäuscht“. Stellvertreterin übernimmt.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2015 | 12:15 Uhr

Tangestedt | „Ich bin maßlos enttäuscht“ – mit diesen Worten schloss Detlef Goos seine letzte Gemeindevertretersitzung als Bürgermeister. Um kurz vor 21 Uhr stand fest: Die Bürgermeisterwahl in Tangstedt ist gescheitert. Der einzige Kandidat Manfred Majuntke (FDP) konnte in zwei Wahlgängen lediglich fünf von 13 Stimmen auf sich vereinen – sieben hätten es sein müssen, um das Amt zu übernehmen. Damit sei das eingetreten, sagte Goos, was er habe verhindern wollen: „dass jetzt die ganze Arbeit auf meiner Stellvertreterin lastet“. Henriette Krohn (CDU, kleines Foto) ist bis zur nächsten Wahl Dorfoberhaupt.

Doch nicht nur Goos zeigte sich enttäuscht: Auch aus den Reihen der mehr als 40 Einwohner, die in Sellhorns Gasthof gekommen waren, gab es vereinzelt Kritik. So sagte einer: „Für mich ist es unverständlich, dass man sich nicht auf einen Kandidaten verständigen kann. In drei Jahren werden die Karten bereits wieder neu gemischt.“ Ein anderer forderte Erklärungen: „Sind Sie bereit, sich in einer gemeinsamen Bürgerfragestunde diesem Thema noch einmal zu stellen?“ Die Gemeindevertreter bejahten.

Der Ausgang der Wahl kam nicht sonderlich überraschend. Vorige Woche wurde bekannt, dass Majuntke als einziger Kandidat antreten würde. Zwar endet die Amtszeit eigentlich erst im Mai 2018, doch Goos hatte bereits im Vorfeld der letzten Kommunalwahl im Jahr 2013 angekündigt, dass er aus Altersgründen nur die Hälfte der Wahlperiode zur Verfügung stehe. „Ich habe in persönlichen Gesprächen versucht klar zu machen, dass wir jemanden brauchen“, kommentierte Goos die verpasste absolute Mehrheit für den einzigen Kandidaten. Die Gemeindevertreter hätten mit einem halben Jahr genug Zeit zum Gedankenaustausch gehabt, so Goos.

Wer wie gewählt hat, blieb indes offen. Krohn und Thomas Gröber (SPD) beantragten, geheim abzustimmen. Die Wahl wird nun in der nächsten Gemeindevertretersitzung erneut anberaumt. Sollte auch dann kein Bürgermeister gewählt werden, führt weiterhin Krohn die Geschäfte. Goos blickt eher pessimistisch auf den zweiten Wahltag: „Ich sehe nicht, dass das Abstimmungsverhalten in ein paar Wochen anders sein wird.“ Der 77-jährige legt sein Amt nach sieben Jahren nieder. Zum letzten Mal hielt er am Mittwoch eine Tradition aufrecht: Einen Tagesordnungspunkt handelte der FDP–Politiker auf Plattdeutsch ab. Als Dorfoberhaupt scheidet er aus, aber der Gemeindevertretung bleibt er erhalten. Mit einem Gutschein für einen Rundflug über Schleswig-Holstein bedankten sich die drei Fraktionen bei Goos. „Du standest Tag und Nacht für dein Amt zur Verfügung“, sagte Krohn. Und auch Amtsvorsteher Günther Hildebrand betonte noch einmal die gute Zusammenarbeit.

Gestern übergab Goos die Schlüssel an Krohn und leitete bereits die ersten E-Mails an seine Stellvertreterin weiter. Auf den 77-Jährigen wartet nun neu gewonnene Freizeit. Und er weiß bereits genau, was er damit anfängt: „Mein Garten hat unter Vernachlässigung gelitten“, sagte er auf Nachfrage. Auch eine Reise nach Namibia mit seiner Frau steht an. „Aber ich werde mich als interessierter Gemeindevertreter auch weiterhin in die Politik einmischen“, kündigte Goos an.

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