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Serie: Zehn Jahre Stadtrechte Tornesch : Die Braut, die sich nicht traut

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die lange diskutierte Fusion mit Uetersen ist 2013 ganz nah – und scheitert am Widerstand in Tornesch.

Tornesch | Über den Zusammenschluss wurde laut Torneschs Bürgermeister Roland Krügel schon seit Jahrzehnten diskutiert. So nah wie am 22. September 2013 war die Fusion von Tornesch und Uetersen aber noch nie. Die Bürger durften abstimmen, ob sie die „Hochzeit“ der beiden Nachbarstädte wollen. Nach jahrelangen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern folgte der ultimative Showdown – der letztendlich eine klare Sache war.

Damit es tatsächlich zum Zusammenschluss kommt, hätten die Befürworter in beiden Städten eine Mehrheit haben müssen. 86 Prozent der Tornescher stimmten jedoch gegen die Fusion. Dass sich auf Uetersener Seite 56 Prozent für ein „Ja“ entschieden hatte, blieb daher bedeutungslos. Die Wahlbeteiligung war in beiden Städten hoch: In Tornesch gingen 76,9 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, in Uetersen 64,8 Prozent.

Dabei hatten die Bürger sogar schriftlich, dass sich eine Fusion lohnt. Das Gutachten zur Fusionsprüfung der Städte Uetersen und Tornesch der Rambøll Management Consulting kam zu dem Ergebnis, dass der Zusammenschluss empfehlenswert sei. Eine größere Stadt mit einer größeren Verwaltung könne professioneller arbeiten und noch mehr Serviceleistungen für den Bürger anbieten, erklärte das Unternehmen. Dazu könnten 333.000 bis 354.000 Euro eingespart werden, allerdings nicht sofort, sondern nach und nach beim Ausscheiden von Mitarbeitern. Dazu arbeiteten Mitarbeiter beider Verwaltungen während eines zweijährigen Prozesses Vor- und Nachteile heraus.

Die Tornescher Ablehnung kam allerdings trotz des Gutachtens für niemanden unerwartet. Lediglich das deutliche Ergebnis war überraschend. Denn eins war von vornherein klar: Die Hochzeit der beiden Nachbarkommunen wäre mehr Zweckehe als Liebesheirat gewesen. So wurde beispielsweise eine Informationsveranstaltung von Uetersen im Alleingang organisiert. Nicht unbedingt förderlich für den Fusions-Prozess war sicherlich auch, dass die Tornescher SPD sich kurz zuvor im Kommunal-Wahlkampf eindeutig gegen den Zusammenschluss aussprach und die absolute Mehrheit erzielte. Auch die Sitzungen des gemeinsamen Arbeitskreises mit Vertretern aus beiden Stadträten verliefen längst nicht immer harmonisch.

So standen die Vorzeichen für die Städtehochzeit von vornherein schlecht. Sehr zum Bedauern von Krügel. Der hat sich zwar mit der Entscheidung längst abgefunden, hätte sich jedoch ein anderes Ergebnis gewünscht. Kein Wunder. Er war schließlich von Anfang an einer der treibenden Kräfte und hat Jahrzehnte an der Intensivierung der Beziehungen gearbeitet. In den 1990er-Jahren gab es Gespräche über eine Verwaltungsgemeinschaft. Später wurde der komplette Zusammenschluss vorangetrieben.

„Beiden Städten hätte die Fusion genutzt“, so Krügel. Die Tornescher seien mit der Situation in ihrer Stadt zufrieden gewesen und wären davon ausgegangen, dass sich daran nichts ändert. Uetersen sei aufgrund seiner finanziellen Probleme nur als Klotz am Bein betrachtet worden, glaubt der Bürgermeister. Aus seiner Sicht zu kurz gedacht. Gerade ein Zusammengehen der beiden Rathäuser macht aus seiner Sicht Sinn. „Tornesch hat nicht die optimale Verwaltungsgröße“, so Krügel. Dazu habe eine größere Stadt mehr Einfluss auf Kreis- und Landesebene. Vielleicht hätte er aktiver für die Hochzeit werben sollen, sagt der Bürgermeister heute. Es sei wohlmöglich ein Fehler gewesen, die Debatte weitestgehend der Politik zu überlassen.

Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) spricht sich für ein behutsames Zusammenwachsen durch Annäherung aus. Die Zusammenarbeit soll aus ihrer Sicht nach und nach vertieft werden. Dann könnte irgendwann die Zeit reif für einen Zusammenschluss sein. Bis dahin sind aber aus ihrer Sicht noch dicke Bretter zu bohren. Das zeige die aktuelle Diskussion über die Ausweitung des Schulzweckverbands. Die Fusions-Debatte vor dem Bürgerentscheid 2013 habe ebenfalls eher für Unruhe gesorgt und das Verhältnis der beiden Verwaltungen belastet. „Nun arbeiten wir aber wieder hervorragend zusammen“, betont Hansen.

Das Thema „Fusion“ ist für ihn ohnehin noch nicht vom Tisch. Er geht zwar nicht davon aus, dass die jetzt handelnden Personen die Diskussion aufgreifen. Doch ganz vom Tisch ist die Hochzeit aus seiner Sicht nicht. Wenn die beiden Kommunen nicht mitspielen, könnte er sich vorstellen, dass irgendwann das Land Tatsachen schafft und der Zusammenschluss von oben vorgeschrieben.

Von Kiel hätte sich der Bürgermeister vor der Abstimmung 2013 mehr Unterstützung gewünscht. Das Land spreche sich zwar für Fusionen aus, habe aber nichts getan, um den Prozess zu fördern. Nach Krügels Auffassung hätte eine Aufstufung zum Mittelzentrum den Befürwortern des Zusammenschlusses helfen können. Dass die Kooperation mit dem Nachbarn funktioniert, zeigen aus Sicht des Rathauschefs Beispiele wie die gemeinsame Volkshochschule oder das Standesamt.

Auch die Parteien gehen davon aus, dass das Thema wieder auf der Tagesordnung landet. „Die Fusion wird kommen“, glaubt der Tornescher CDU-Fraktionsvorsitzende Christopher Radon. Wenn sie nicht von den Städten selbst vollzogen werde, dürfte sie irgendwann von Kiel verordnet werden. Für Radon steht fest: „Wir haben 2013 eine Chance vertan.“ Auch der Tornescher Gunnar Werner (FDP) ist sich sicher: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Er bedauere, dass die Fusion 2013 gescheitert sei. Das letzte Wort sei aber nicht gesprochen. Schließlich setze das Land auf größere Verwaltungseinheiten. Torneschs SPD-Chef Manfred Mörker sieht schon allein aufgrund der finanziellen Probleme in Uetersen weiterhin keinen Bedarf für einen Zusammenschluss. „So wie es jetzt ist, kommen wir hervorragend klar“, stellt er die Position der Tornescher Sozialdemokraten heraus. Die befürchten durch eine Fusion mehr Nach- als Vorteile.

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erstellt am 23.Sep.2015 | 14:00 Uhr

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